Zyperns Bürger fokussieren Wut auf Deutschland – Zurecht?

Zypernkrise-


Die Verhandlungen um Zyperns Zukunft scheinen zu stocken. Der Rettungsplan ist auf Eis gelegt, die Banken bleiben geschlossen, der Staatspräsident hat seinen „Plan B“ noch nicht präsentiert und das Volk der Mittelmeerinsel beginnt langsam ein sicheres Feindbild aufzubauen. Deutschland steht in den Augen der zyprischen Bürger bereits als Verursacher der Misere fest. Medien versuchen zu beschwichtigen und weisen auf Missverständnisse hin. Die Zyprer könnten mit ihrer Meinung falsch liegen, aber die mögliche Wahrheit führte sicher nicht zur Aussöhnung.

Zypern: Desinformationen – Verwirrspiele – Deutsche Banken

Verwirrspiel
Perfides Verwirrspiel um von deutschen Banken abzulenken?

Wie es mit Zypern weiter geht, weiß man offenbar derzeit weder in Nikosia, noch in Brüssel, nicht in Berlin und auch nicht in Moskau. Das zypriotische Parlament lehnte die Bedingung zum Rettungspaket ab und seitdem herrscht Ratlosigkeit im ganzen Durcheinander. Die Banken bleiben in Zypern vorerst geschlossen und die Bürger dürfen die Puffer-Zone zwischen vier Fronten spielen.

Der Unmut in der zypriotischen Bevölkerung wächst und die gegenseitigen Schuldzuweisungen, wer letztendlich die Teil-Enteignung (fast) aller Kontobesitzer auf Zypern durchsetzte, gießt eigentlich nur noch mehr Öl ins lodernde Feuer. Eigentlich ist es unerheblich, wer die zündende Idee hatte. Am Tisch saß die Euro-Gruppe (Finanzminister der Euro-Länder), der Internationale Währungsfonds (IWF), die EU-Kommission und die Regierung Zyperns. Wäre die Enteignung der Kontoinhaber überwiegend als „absurd“ empfunden worden, ließe sich eine Mehrheit für diesen Beschluss nur sehr schwer vorstellen. Der Beschluss für die Zwangsenteignung soll in Brüssel einstimmig gefallen sein.

Mit der ablehnenden Parlaments-Entscheidung stehen die Kontoinhaber Zyperns nicht mehr unmittelbar vor der Teilenteignung, dafür einen großen Schritt näher zum Totalverlust ihres Guthabens. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält es für durchaus möglich, dass die zyprischen Banken gar nicht mehr öffnen könnten, da die Einstellung der Notkredite von der EZB zu einem unmittelbaren Bankrott der Geldhäuser führen würde. Zyperns Banken wären damit gar nicht mehr in der Lage, auch nur Anteile des Gesamtguthabens aller Kontoinhaber zu bedienen.

Der Unmut der zypriotischen Bürger wächst
Der Deutschlandfunk (dw.de) (Mittwoch) sieht in einem Kommentar den aufflammenden Zorn der zyprischen Bevölkerung als eine gefährliche Entwicklung, hält es aber für richtig, dass Deutschland und auch die anderen Euro-Länder darauf bestehen würden, den überdimensionierten Bankensektor auf Zypern auf ein durchschnittliches Maß zu stutzen. Die Unruhen in Zypern beruhten auf Missverständnisse, so dw.de.

Eine offenbar falsch verstandene Botschaft lautete, dass Deutschland nur auf die Verkleinerung des Bankensektors drängte, da die russischen Investoren und Anleger aus dem Land gedrängt werden sollen. Dazu wolle sich Deutschland engagieren, „um sich an den riesigen Erdgasfeldern vor der zyprischen Küste zu bereichern“, beschrieb dw.de. Aus Brüssel oder Berlin hieße es jedoch, dass von Anfang an die Kleinanleger hätten geschützt werden sollen und die Regierung Zyperns hätte darauf gedrängt, bei der Maßnahme die Groß-Anleger zu schützen und aus diesem Grund die Zwangsabgabe großflächig durchzuführen.

Deutschlandfunk sieht im Kommentar eine fatale Situation, da diese „Botschaft aus Brüssel und Berlin“ beim zyprischen Volk aber nicht ankäme. Und nun wäre Europa der Buhmann, die an das Ersparte der Zyprer wollten. Im Mittelpunkt des Zorns stünde Deutschland.

Ein Verwirrspiel um die „Zypern-Schuldfrage“
Bereits kurz nach dem Beschluss durch die Troika erklärte Finanzminister Schäuble in der ARD, dass Zypern ein großes Bankenproblem hätten und die Anleger die Risiken hätten erkennen müssen. Da die „bestimmte Summe“ (5,8 Milliarden Euro) gebraucht werde, müsse die Beteiligung der Anleger und Eigentümer breit angelegt werden, so Schäuble im Interview mit tagesthemen. (17.03.13). Bis zu diesem Zeitpunkt war allerdings vom „gewollten Schutz“ der Kleinanleger noch nicht sehr viel heraus zu hören. Der Streit fing erst an, als Zyperns Präsident Nikos Anastasiades erklärte, vom Beschluss förmlich überrumpelt worden zu sein und lediglich die Wahl zwischen Insolvenz und „schmerzhaftem Management“ gehabt hätte. Offenbar wurden die eigenen Meinungen und auch das angebliche Engagement zur Zypernrettung sehr schnell revidiert.

Wie sieht es mit den deutschen Banken aus?
Bislang wurde Zypern von der EU u.a. auch deshalb als „systemrelevant“ bezeichnet, da mit der Insolvenz der Mittelmeerinsel angeblich eine Ansteckung auf das ohnehin schon angeschlagene Griechenland ausgehe. Die „engen Verknüpfungen des Bankensektors“ zwischen Griechenland und Zypern, könnte die Hellenen mit in den Abgrund reißen und somit die gesamte Euro-Zone erschüttern.

Zyperns Wirtschaftsleistung entspricht etwa 0,1% des Bruttoinlandsprodukts der gesamten Euro-Zone. Der Standort Essen in Deutschland könnte bereits als ebenbürtiger Gegner angesehen werden. Dennoch reißen sich die „Euro-Kratiker“ darum, den wirtschaftlichen „Winzling“ mit derart perfiden Mitteln vor dem Untergang zu bewahren, auf Kosten der Privatanleger und noch viel gefährlicher, auf Kosten jegliches Vertrauens aller Menschen die beim klaren Verstand sind.

Dem „Modell Irland“ sehr ähnlich?
Der Grund könnte so einfach wie auch fatal sein. Wie bereits das Volk Irlands dafür bluten muss, dass ausländische Banken, Anleger und Investoren vor Verlusten geschützt werden, könnte das Bild in Zypern identisch aussehen. Offenbar sind deutsche Banken mit knapp 6 Milliarden Euro in Zypern engagiert. Den Deutschen Wirtschafts Nachrichten (DWN) (21.03.13) liegen die aktuellen Daten der Deutschen Bank vor und daraus ließe sich erkennen, dass Deutschland Geldhäuser 71 Millionen Euro an zypriotische Banken, 149 Millionen Euro an den öffentlichen Haushalt Zyperns und satte 5,705 Milliarden Euro an zahlreiche Unternehmen auf der Insel verlieh. Sollten Zyperns Banken in die Insolvenz rutschen, zieht der Haushalt unmittelbar mit und reißt alles mit, was nicht auf festen Sockeln steht. Am Ende drohte den deutschen Kreditinstituten ein realer Geldverlust.

Deutsche Banken hatten auf Zypern keine Monopol-Stellung und ließen den weiteren Banken Europas ebenfalls noch viel Spielraum für lukrative Kreditgeschäfte, die allerdings nun allesamt auf dem Spiel stehen.

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