Zypern und Italien könnten Zukunft Europas bedeuten

EU-Schicksal Zypern & Italien-


Mit den Wahlausgängen in den Euro-Mitgliedsländern Zypern und Italien könnten für die zukünftige Entwicklung Europas neue Weichen gestellt werden. Nachdem bereits Nikos Anastasiades als neuer Präsident des Inselstaates feststeht, sind dagegen in Rom die Karten noch längst nicht auf den Tisch gelegt. Die Unsicherheiten spiegeln sich u.a. im Euro Break-up Index von sentix wider.

Italien und Zypern bringen Euro-Zuversicht ins Stocken

Politisches Spiel
Polit-Spiel: Wann kommen die EU-Karten auf den Tisch?

Mit keinem großen Schritt, aber immerhin entgegen dem Trend der letzten Monate, hat sich der sentix-Euro Breakup-Index (EBI) wieder leicht erhöht. Während der Durchschnitt im letzten Monat noch bei 17,15% lag, ist er im Laufe des vergangenen Monats auf 19,25% gestiegen.

Seit August 2012 hatte sich der Glaube, dass eines der Euro-Mitgliedsstaaten die Gemeinschaftswährung verlassen könnte, schrittweise verflüchtigt. Die Phase der Entspannung ist vorerst gestoppt worden. Knapp jeder fünfte Befragte (von 970 Anleger) geht von einem Ausscheiden mindestens eines Mitgliedslandes innerhalb der nächsten 12 Monate aus.

Das Innehalten einer gelockerten Stimmung ist vor allem Zypern und Italien zu verdanken. Der sentix EBI stieg für den Inselstaat von 7,5% auf 10,9% aufgrund der nach wie vor ungelösten Probleme im Bankensektor. Unmittelbar vor den Parlamentswahlen in Rom schnellte der Index-Wert von ehemals 0,6% auf 3,0% hoch. Seit Einführung des EBI erreichte das „Misstrauen“ in Rom den zweithöchsten Wert. Lediglich im Juli 2012 glaubten noch 4,0% von einem Austritt Italiens aus der Euro-Zone.

Portugal konnte dagegen an Zutrauen gewinnen
Seit sieben Monaten sinkt der EBI des süd-west-europäischen Landes kontinuierlich ab. Aus der „Rang-Liste der Top 5“ fällt das Land erstmals heraus und schaffte Platz für Italien. Nach wie vor befindet sich auch Deutschland mit 2,0% in der Liste mit den höchsten EBI-Werten. Angeführt werden die „Favoriten“ von Griechenland mit 15,3%.

Wünsche werden meist von der Realität eingeholt

Ob diese Entwicklung zum EBI-Index als „eine Warnung“ genommen werden kann, wie es sentix interpretierte, stellt sich spätestens dann heraus, wenn Zyperns neuer Präsident Anastasiades die Karten auf den Tisch legt und in Italien Klarheit zu einer neuen Regierung besteht. Die „Wahlthese“ des neuen Regierungschefs Zyperns besteht u.a. aus dem Versprechen, für Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu sorgen.

Eine Herkules-Aufgabe. Das vom Land benötigte Kapital liegt derzeit bei rund 17,5 Milliarden Euro, davon alleine rund 11,5 Milliarden Euro für den Bankensektor. Gesamt entspricht die Summe knapp ein ganzes Jahr des Bruttoinlandprodukts (BIP). Derzeit plagt Nikosia bereits eine Schuldenquote von rund 100% zum BIP.

Dazu stieg seit rund 4 Jahren die Arbeitslosenquote von knapp 8 Prozent auf nun beinahe 15 Prozent an. Ob mit dem neuen Regierungschef auch ein neuer „Verhandlungscharakter“ gewählt wurde, dürfte sich nach den 5. März herausstellen, nachdem sich die Euro-Gruppe über das Zypern-Problem erneut beraten haben wird. Einleitend müsste erst Einigkeit darüber gefunden werden, ob Zypern überhaupt „systemrelevant“ sei und für die gesamte Euro-Zone ein Risiko darstellte.

Stimmungen der Märkte überwiegen den Wirtschaften
Mit den bisherigen Rettungsaktionen der weiteren Euro-Länder hatte sich in jedem einzelnen Fall bestätigt, dass die reale wirtschaftliche Situation des Landes kaum etwas mit den Reaktionen der Finanzmärkte zu tun hatte. Rettungsmaßnahmen und Ankündigungen seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) mündeten stets in „Beruhigungen der Märkte“, nie jedoch in eine tatsächliche Verbesserung der Situation eines Krisenstaats. Aus diesem Grund könnte sogar Zypern, welches rund 0,1% zum gesamten Euro-BIP beisteuert, eine Gefahr darstellen, wenn durch Ausbleiben von Milliardenzahlungen seitens Brüssel eine „gewisse Unruhe“ in die Märkte einkehrte.

Wie die Details nach dem kommenden Treffen der Euro-Finanzminister auch immer aussehen werden, die Zahlung des Milliarden-Betrags an Nikosia kann als sicher angenommen werden. Schließlich gilt es die privaten Anleger (Großinvestoren, nicht die Kleinsparer) zu „retten“.


Bild: CC0 1.0 Universal

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