Zypern Rettungsprogramm: Das Wunschkonzert nach Plan

Zypern Rettung-


Das ehrgeizige und durchgängig theoretische Rettungsprogramm für Zypern steht offenbar fest. Heutige Annahmen zur künftigen Entwicklung des kleinen Euro-Landes bilden die Basis für die prognostizierten Konjunktur-Parameter und deren „orakelten“ Ziele.

Ein Rettungsprogramm mit gewünschten Etappen

Hilfskredit Zypern
Der Zypern-Plan steht: Möge er eingehalten werden

Erste Kredittranche im Mai 2013, insgesamt 22 Jahre Rückzahlungszeit, Tilgungsbeginn in 10 Jahren bei einem Zinssatz von 2,5%. Das sind die Eckdaten, auf die sich die Troika bzw. die Geldgeberländer sowie Zyperns Regierung zu den 10-Milliarden-Rettungsprogramm geeinigt haben. Darüber hinaus wurde dem Euro-Inselstaat lt. focus.de (Dienstag) doch noch ein weiteres Jahr mehr Zeit gegeben, um die gesteckten Ziele der Haushaltssanierung zu erreichen. Ursprünglich wurde das Jahr 2016 angestrebt, danach das Jahr 2017 ausgehandelt und das Jahr 2018, welches nun final festgelegt wurde, als Verhandlungsoption offen gelassen.

Den Verhandlungen soll eine aktuelle Einschätzung zu Zyperns derzeitiger und künftiger Wirtschaftsleistung zugrunde gelegen haben. Lt. Wirtschafts Woche (WiWo) (Dienstag) liegt der Agentur Reuters die Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) vor, in denen die Zahlen hervorgingen. Demnach würden die internationalen Gläubiger davon ausgehen, dass Zyperns Wirtschaft noch im Jahr 2013 um rund acht Prozent schrumpfen würde. Doch für 2014 würde ein geringeres Minus von nur noch mehr drei Prozent und in den Folgejahren 2015 / 16 jeweils ein Zuwachs von plus ein Prozent eingeschätzt werden.

Bei den Verhandlungen wäre es zur Übereinkunft mit Zypern gekommen, bereits im Jahr 2017 einen Primärüberschuss von vier Prozent zu erreichen. Das primäre Defizit noch in diesem Jahr werde bei 2,4 Prozent gegenüber der Wirtschaftsleistung liegen. Die Primärdefizite für die Jahre 2014 und 2015 sollen lt. WiWo bei 4,25 Prozent bzw. 2,1 Prozent liegen. Ein erster Primärüberschuss solle ohne Einberechnung der Schuldenrückzahlungen mit 1,2 Prozent im Jahr 2016 erreicht werden.

Der Plan: Vorzeitige Bestellung des passenden Wetters?

Ehrgeizige Ziele, treffsicherer Glauben und orakelte Entwicklungen. Die Halbwertszeiten der Ökonomen-Einschätzungen bis zur nächsten Anpassung bzw. Korrektur sind im Laufe der Eurokrise sehr kurz geworden. Die Wachstumsprognosen werden sogar bei der als relativ stabilen Wirtschaft Deutschlands in immer kürzeren Zeitabständen neu bewertet. „Überraschende Entwicklungen“ zwingen wiederholt zu Neubewertungen.

Die ersten Einschätzungen zu Griechenlands Wirtschaftsentwicklung sowie deren Fortschritte der Banken-Rekapitalisierung sowie in der Umstrukturierung des Haushaltes sind längst überholt und vielfach neu aufgerollt worden. Die Rückkehr der enttäuschten Troika-Kontrolleure und erneute Zeitaufschübe wechselten sich gegenseitig ab. Kaum anzunehmen, dass sich Zypern zu einem „Musterknaben“ entwickeln wird. Vielmehr erinnern die Wirtschafts- und Defizitprognosen in den einzelnen Jahren an die Vorbestellung eines gewünschten Wetters für den richtigen Anlass zum passenden Zeitpunkt.

Man sollte nicht aus dem Blick verlieren, dass Zyperns Bankensektor tatsächlich über „jegliche Vernunft“ aufgebläht war und deren „veraltete“ Geschäftsidee kaum funktionieren konnte. Der sichtbare Scherbenhaufen spricht Bände. Jedoch wird dem Land soeben ein Wirtschaftsfaktor entzogen, deren Bilanzen das des Staathaushaltes um ein Vielfaches überstieg. Man nehme einem Taxifahrer das (defekte) Fahrzeug weg, gibt ihm etwas Kredit als Startgeld in die Hand und erkläre ihm nun, dass er aus seiner Situation etwas machen solle.

Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis legte bereits einen Plan vor, mit dem auch nach der Zerschlagung der Laiki-Bank, dem Umbau und der Schrumpfung des Bankensektors sowie der eingebrochenen Wirtschaft, „unter Umständen“ ein tragfähiger Haushalt erreicht werden könnte. Das schließt sogar den Bau von Spielkasinos auf der Südhälfte der Mittelmeerinsel mit ein. Neueste Hoffnungen Zyperns zielen mitunter auf den Tourismus.

Wie bisher wurde wieder nur Zeit gewonnen, um etwas Gras über die Sache wachsen zu lassen. Man setzt auf das schlechte Gedächtnis der Öffentlichkeit. Bis sich „überraschend“ herausstellt, dass Zypern das heute gesteckte Ziel keinesfalls erreichen kann, haben bereits andere „Kaliber“ in der Euro-Zone für mächtig viel Unruhe gesorgt. Dazu zählen u.a. Italien und Frankreich. Ggfs. wäre die Frage bis dahin, ob die kleine Mittelmeerinsel noch ein oder zwei Jahre Aufschub bräuchte, nur noch reine Makulatur.

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