Zypern Krise: Sorgt Anastasiades für dicke Überraschung?

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Kleinanleger sollen nach den neuesten Plänen der zyprischen Regierung von der Zwangssteuer befreit werden. Damit fielen Guthaben auf den Konten mit bis zu 20.000,- Euro in den verschonten Bereich. Doch der Ausgang der Verhandlungen ist noch ungewiss. Weder Brüssel, noch das zyprische Parlament haben bereits ihren Segen dazu abgegeben und scheinbar hat Zyperns Staatspräsident Anastasiades das Potenzial, für eine dicke Überraschung zu sorgen.

Zypern will Kleinanleger schützen, jedoch ohne Finanzierungskonzept

Handgeld
Kleinbeträge auf Konten sollen verschont bleiben

Die von Zypern final vorgelegte Variante, die Kleinanleger mit einem Geldbetrag von bis zu 20.000,- Euro auf einem zyprischen Konto von der Zwangssteuer zu befreien, erhält offensichtlich greifbare Konturen. Gleichzeitig soll die Variante 6,75% bis 100.000,- und 9,9% über 100.000,- Euro beibehalten werden. Soweit lautet der wohl als wahrscheinlich geltende Ablauf.

Es gibt jedoch ein „kleines Dilemma“. Brüssel besteht auf eine Gesamtsumme von 5,8 Milliarden Euro, der es Zypern obliegt, wie diese „zusammen zu kratzen“ sind. Fielen nun die Kleinanleger weg und würden die Vermögenden nicht höher belastet, könnte dieser Forder-Betrag nicht mehr erreicht werden und somit stünde das gesamte Rettungspaket für Zypern auf dem Spiel.

Aus diesem Grund muss sich die Regierung in Nikosia eine Gegenfinanzierung ausdenken, damit die Bedingung erfüllt werden kann. Letztendlich sitzt Brüssel am längeren Hebel und könnte eine geringer ausfallende Summe der enteigneten Gelder schlicht ablehnen. Doch bevor aus Zypern die finale Variante überhaupt vorgelegt werden kann, steht noch die Entscheidung durch das zyprische Parlament an. Die Chancen stehen für eine Ablehnung höher, als dass Präsident Nicos Anastasiades die Früchte seiner pausenlosen Verhandlungen ernten kann.

Die Sitzung des Parlaments ist für Dienstagnachmittag angesetzt, eine mehrheitliche Zustimmung auch zum modifizierten Enteignungsplan ist sehr fraglich.

Sorgt Anastasiades für eine dicke Überraschung?
Offenbar rechnet der Staatspräsident sogar mit einer Ablehnung der EU-Forderungen, da die Mehrheit das Gefühl hätte, dass die Zwangsabgaben ungerecht wären und nicht dem Wohle Zyperns dienten. „Wir haben unsere eigenen Pläne“, wird Anastasiades von tagesschau.de (Dienstag) zitiert und fügte hinzu, dass es etwas sein wird, „was die Troika oder unsere Freunde in der Euro-Gruppe nicht erwarten“.

Das Pokerspiel ist noch voll im Gange.

Das leidige Rühren und Schüren einer Neidkultur

Die Sparer Zyperns hätten „viel riskiert“ und nun auch „kalt erwischt“. Immerhin sollen auch die Kleinsparer Zyperns über Jahre hinweg von „üppigen Zinsen“ profitiert haben, so handelsblatt.de (Dienstag). Rund 24 Prozent hätten die Anleger über einen Zeitraum von 5 Jahren „verdient“ und ein Investor, der im Januar 2008 10.000,- Euro angelegt hätte, würde heute ein Plus von 2.420,- Euro eingefahren haben, brachte das Online-Magazin als Beispiel. Immerhin fast das Doppelte dessen, was ein deutscher Sparer in einem vergleichbaren Konto in Deutschland hätte erreichen können. Das einfache Resümee: „Höhere Renditen, höhere Risiken, Pech gehabt“.

Eine wesentliche menschliche Eigenschaft, auch die des Deutschen, ist die (überflüssige) Neidkultur. Egal ob es sich um Niedriglöhner oder Spitzenverdiener handelte, wenn der Kollege bei vergleichbaren Voraussetzungen (Aufgabenstellung, Qualifikation, Dauer der Firmenzugehörigkeit) auch nur um ein z.B. 1% höheres Einkommen erhält, dann wird diese „Ungerechtigkeit“ nur sehr schwer hingenommen und der nagende Unmut kann sogar bis zum Mobbing ausarten.

„Was, die haben das Doppelte an Zinsen bekommen als wir? Das geschieht ihnen nun zu Recht und außerdem kann es dann auch gar nicht so weh tun!“.

Die Medien stellen gerne den großen Anteil der ausländischen Bankkunden in den Vordergrund, die ihre Gelder zu Spitzenkonditionen und besonders „steuergünstig“ angelegt hätten. Diese Gruppe soll „sogar“ rund einen Drittel aller Bankkunden Zyperns ausmachen. „Verschluckt“ werden jedoch gerne die zwei Drittel Einheimische, die noch längst nicht alle ein Sparkonto, geschweige ein kleines Vermögen angelegt hätten.

Schließlich betrifft die Sperre und Teil-Enteignung alle Privatkonten. Auch die, auf denen gerade das dringend erwartete Gehalt, die überfällige Zahlung oder auch „blöderweise“ der frisch zugesagte Kredit überwiesen worden ist.

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