Zweiter Schuldenschnitt für Griechenland wird wahrscheinlicher

Schuldenkrise-


Die Austeritätspolitik müsse ein Ende finden, fordert CDU-Wirtschaftsrat Kurt Lauk. Trotz aller schmerzlichen Folgen wäre dennoch ein zweiter Schuldenschnitt in Griechenland unvermeidlich.

„Hebeln und verschleiern ist nicht die Lösung“

Griechenlandschnitt
Zwingender Schuldenschnitt?
Bild: Gerd Altmann
/AllSilhouettes.com / pixelio.de

Für Kurt Lauk, Präsident des CDU-Wirtschaftsrates, steht außer Frage, dass ein weiterer Schuldenschnitt für Griechenland „unvermeidlich sein wird“. In einem Gastbeitrag bei Handelsblatt (Freitagsausgabe) hält der CDU-Politiker es für keine Lösung, die Haftungsrisiken durch Hochhebelungen und Verschleierungen noch weiter auszudehnen. Es wäre zwar schmerzlich, aber ein Großteil der bisherigen Hilfsgelder müssten abgeschrieben werden, so Lauk im Handelsblatt

Allein der Weg über Rettungspolitik und Sparsamkeit würde beim bereits beim Fall Griechenland zeigen, dass dies nicht zum Ziel führen könne. Letztendlich hätten sich zahlreiche Bürger von Europa abgewendet und „die einen wollten sich nicht zu Tode sparen, die anderen nicht für Zechpreller bezahlen“, erklärt Lauk in seinem Gastbeitrag.

Der Wirtschaftsrat hegt Zweifel daran, dass nach den ausgebliebenen Konsequenzen, trotz aufgeweichter Auflagen, noch jemand an Absichtserklärungen glaubte. Inzwischen wäre die Situation schon so weit geraten, dass auch Hilfen gewährt würden, obwohl die Auflagen unübersehbar nicht erfüllt wurden. Der zum 12. November erwartete Bericht der Griechenland-Troika drohe zur „Farce zu verkommen“, so Lauk.

„Offenheit und Realismus“ fordert der Wirtschaftsratspräsident. Die bereits übliche „Schönrederei“ sowie die zunehmende Verunsicherung der Bürger müsse beendet werden. Lauk fordert einen ehrlichen Umgang mit der Situation, damit der Bevölkerung Griechenlands eine Erleichterung verschafft werden könne.

Wer muss die Schmerzen aushalten?

Im Ansatz möge man dem CDU-Wirtschaftsrat Recht geben, zu Ende gedacht bedeutet ein weiterer Schuldenschnitt allerdings auf Kosten der „öffentlichen Gläubiger“, sprich der Steuerzahler im Euro-Raum. Lauks „Schmerzen“ dürften sich in Grenzen halten, aber die Schmerzen für den Bürger kommen verteilt, „zerstreut“ und mit Sicherheit.

Selbst wenn die „Opfer“ des ersten Schuldenschnitts in Griechenland Investoren gewesen sind, man braucht das Rad nur weiter zu drehen und landet garantiert am Ende wieder beim Steuerzahler. Es bleibt bei der Einbahnstraße, die in die Sackgasse des Bürgers führt.

Man rettet Griechenland und sich selbst tot, angesichts der rund 700 Milliarden offen stehenden Target-Forderungen der Bundesbank. „Wenn Griechenland fällt, dann reißt das alle anderen Südländer der Euro-Zone mit“, lautet die tägliche gebetsmühlenartig abgesonderte Botschaft. In diesem Fall wären tatsächlich alle Forderungen in Luft aufgelöst, denn es gäbe keinen formal existierenden Schuldner mehr.

Also lautet das Motto „retten was das Zeug hält“. Griechenland hat sich als ein Fass ohne Boden entpuppt, als eine Geldschleuse mit dem finalen Trichter zum Investmentbanking.

Kurt Lauk war bis 2009 Europaabgeordneter für das Bundesland Baden-Württemberg in der Europäischen Volkspartei. Er war u.a. stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Audi, Vorstandsmitglied der VEBA-AG (inzwischen E-ON) und Daimler Chrysler AG.

Bereits Mitte April 2012 wies der CDU-Wirtschaftsrat im Handelsblatt (17.04.2012) darauf hin, dass Deutschland an seine Grenzen des Sozialstaats gestoßen sei und es an der Autorität fehlte, andere Partner-Länder angesichts der eigenen Haushaltsschulden eine Sparpolitik zu verordnen.

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