Zu hohe Arbeitskosten in Deutschland? Das Maß ohne die Produktivität

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Die vermeintlich hohen Arbeitskosten in Deutschland suggerieren zu hohe Kosten für die Arbeitgeber. Deutschland lag im Jahr 2014 im oberen Drittel der „Teuerlohn-Länder“. Wie so oft wird aber der für den EU-weiten Vergleich essentielle Wert der Produktivität völlig ignoriert.

Eilverfahren

„Zu hohe Arbeitskosten“ rufen meist Arbeitgeberverbände für Entlastung der Unternehmen auf den Plan

Relativ hohe Arbeitskosten bei relativ viel höherer Produktivität

Die Arbeitskosten in Deutschland lagen im Jahr 2014 mit durchschnittliche 31,80 Euro pro Stunde deutlich über dem EU-Durchschnitt, so das Statistische Bundesamt (Destatis) am Montag. Die Unternehmen in der Privatwirtschaft hatten es mit vergleichsweise teuren Arbeitsstunden zu tun und landeten im EU-Vergleich auf Platz 12.

Demnach lagen für die Privatwirtschaft die durchschnittlichen Arbeitskosten pro Stunde im Jahr 2014 im EU-Durchschnitt bei 24,40 Euro und in der Eurozone bei 29,20 Euro. Dänemarks Unternehmen hatten mit durchschnittlich 42,- Euro die höchsten Arbeitskosten zu stemmen, gefolgt von Belgien (41,10 Euro), Schweden (40,20 Euro) und Luxemburg (35,70 Euro).

Das „billigste Arbeitslohn-Land“ war im Jahr 2014 Bulgarien mit Arbeitskosten von durchschnittlich 3,80 Euro pro Stunde für die privaten Unternehmen. Rumänien lag mit 4,80 Euro nicht weit weg und die weiteren EU-Länder mit Arbeitskosten unter 10 Euro pro Stunde waren Litauen (6,60 Euro), Lettland (7,00 Euro), Ungarn (7,80 Euro), Polen (8,20 Euro), Kroatien (9,30 Euro) und die Tschechische Republik (9,60 Euro).

Die Arbeitskosten für die Unternehmen setzen sich zusammen aus den Brutto-Verdiensten der Arbeitnehmer und den Lohnnebenkosten (z.B. Sozialversicherungen). Im Jahr 2014 zahlten die Arbeitgeber in der Privatwirtschaft in Deutschland pro 100 Euro Bruttoverdienst weitere 28 Euro Lohnnebenkosten. In der Kategorie der Lohnnebenkosten lag Deutschland im EU-Vergleich auf Platz 15 (EU-Durchschnitt bei 31 Euro).

Isolierte Zahlen zu Arbeitskosten sind nur „graue Theorie“

Mit den von Destatis veröffentlichten Zahlen zu den Arbeitskosten ließe es sich leicht behaupten, dass Deutschland mitnichten ein Niedriglohnland sei. Liegen doch die Arbeitskosten für die Arbeitgeber deutlich über dem EU-Durchschnitt.

Es fehlte nur noch der Wink, dass aus internationalen Wettbewerbsgründen unbedingt ein (weiteres) deutliches Absenken der Lohnkosten geboten sei. Natürlich ausschließlich zur Entlastung der Unternehmen mit entsprechender Kompensation über die Arbeitnehmer. Ein derartiger Schritt wurde bereits mit der Gesundheitsreform eingeleitet. Der hälftige Beitragssatz für die gesetzliche Krankenkasse ist für die Arbeitgeber eingefroren. Künftige Anhebungen sowie die von den Krankenkassen erhobenen Zusatzbeiträge sind ausschließlich vom Arbeitnehmer zu bezahlen.

Ein Reform-Konstrukt unter Beteiligung der „traditionell Arbeitnehmer nahen“ SPD, die unter Bundeskanzler Schröder die Agenda 2010 mit allen fatalen sozialen Folgen auf den Weg brachte. Hartz-IV, Zeitarbeit, Niedriglohnsektor, Absenkung des Rentenniveaus, Senkung des Spitzensteuersatzes, Begrenzung der Kapitalertragssteuer, etc. usw.

Wer „A sagt, muss auch B sagen“. Für vergleichbare Werte müssten zu den Arbeitskosten auch die Daten der Produktivität (z.B. Pro-Kopf BIP) verbunden werden. Lt. den Angaben der OECD (Daten 2010) lag Deutschlands Produktivität nach BIP pro geleisteter Arbeitsstunde um zwei Positionen vor Dänemark und drei Positionen vor Schweden. Somit leisten die Arbeitnehmer in Deutschland mehr in der gleichen Zeit, verursachen dem Arbeitgeber gleichzeitig auch weniger Kosten.

Bekanntlich stecken Schweden und Dänemark nicht in einer Krise der Wettbewerbsfähigkeit und die Skandinavier beherbergen darüber hinaus die laut Umfragen „regelmäßig glücklichsten“ Bewohner Europas.

Dennoch braucht wohl nicht lange darauf gewartet zu werden, bis die ersten Arbeitgeberverbände lauthals weitere Entlastungen für die Unternehmen einfordern, um mit diesen „alternativlosen“ Maßnahmen die internationale Wettbewerbsfähigkeit und (natürlich) die Arbeitsplätze zu erhalten.





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