Wurde bei EU-Sparstudie Griechenland ausgeblendet?

Sparstudie Europa-


Es scheint eine relativ große Zufriedenheit unter den Sparern Europas vorzuliegen. Deutsche Bürger zeigten zu ihrem Sparverhalten relative Unbekümmertheit, die „Glücklichsten“ leben in den Niederlanden und das Schlusslicht wird auch Italien und Spanien gebildet. Die Lage Griechenlands bleibt jedoch ein „schwarzer Fleck“ auf der Statistik-Karte.

Sparstudie zeigt auch ohne Griechenland Nord-Süd-Gefälle

Sparverhalten Europa
Sparer im Norden zufriedener als im Süden
Bild: Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Zwei Drittel der europäischen Bürger haben in irgendeiner Form etwas auf der hohen Kante liegen. Das andere Drittel der Europäer verfügt derzeit über keinerlei Ersparnisse. Das Marktforschungsinstitut TNS hat im Auftrag der ING in 14 europäischen Ländern insg. 14.000 Erwachsene zu ihrem Sparverhalten befragt.

Deutsche Sparer auf festem Sockel
Wenn ein Klischee für die deutschen Bürger zutrifft, dann ist es ihre Einstellung zum Geld und die Priorität um dessen Aufbewahrung. Aus der Umfrage geht hervor, dass die deutschen Sparer die Geldbeträge auf ihren Anlage- und Sparkonten überwiegend auf einem stabilen Niveau halten konnten, während die Spanier und Italiener die „Notgroschen“ bereits umfangreich in Angriff genommen haben.

Der Schein trügt etwas
Dennoch liegt Deutschlands Schnitt zum Verhältnis aller Sparer mit dem europäischen Durchschnitt gleichauf. 30 Prozent aller Befragten legen nichts auf die hohe Kante. Das gilt für Deutschland ebenso wie für Europa.

In der Relation gesehen verfügen mit 49 Prozent knapp die Hälfte über soviel Sparguthaben, um damit drei Monate ohne Einkommen überbrücken zu können. Das Verhältnis in Deutschland rüttelt etwas am „hartnäckigen Klischee“, denn hier würden es mit 48 Prozent der 1.000 Befragten sogar 1 Prozentpunkt weniger schaffen.

Der bisherige Verlauf der europäischen Schuldenkrise konnte die deutschen Sparer jedoch (noch) nicht mit in die Tiefe reißen. Ob das Geld auf dem Konto, auf einem Depot oder im Sparstrumpf steckt, trotz Höhepunkte der Eurokrise 2012 blieb das Spar-Niveau überwiegend stabil bzw. konnte sogar noch ausgebaut werden. 40 Prozent konnten in Deutschland das Sparguthaben aufstocken und 37 Prozent konnten ihr Guthaben auf Stand halten.

Italiens und Spaniens Einwohner waren offenbar dazu gezwungen, bereits auf ihre Sparguthaben zurück zu greifen. 47 Prozent der Spanier und 52 Prozent der Italiener mussten ihre Konten und Reserven verjüngen.

Fakten und „gefühlte Zufriedenheit“
Wer mehr hat oder zumindest sein Guthaben sichern konnte, muss sich deswegen noch lange nicht damit abfinden wollen. Obgleich 40 Prozent der Bundesbürger ihr Sparniveau anheben konnten, zeigten sich nur 36 Prozent als „zufrieden“. Der erste Eindruck wird jedoch durch die 10 Prozent „sehr Zufriedenen“ wieder wett gemacht. 18 Prozent der Sparer zeigten sich jedoch als „unzufrieden“ mit der Spar-Situation.

Das Nachbarland Niederlande beherbergt die „glücklichsten“ Sparer in Europa. Nicht ganz die Hälfte (47 Prozent) der Niederländer waren mit ihren ersparten Beträgen zufrieden. Die am lautesten geäußerte Unzufriedenheit Europas ist in Spanien, Italien und Tschechien zu finden.

Zwischen Optimismus und Treue
Gegenwärtig legen 71 Prozent der Deutschen, die bereits über ein Sparguthaben verfügen, noch etwas drauf. Davon legen 22 Prozent regelmäßig einen Geldbetrag zur Seite, die Hälfte erst dann, wenn ab und zu Geld übrig bleibt.

Carsten Brzeski, Senior Economist der ING, erklärte, „die Deutschen und ihr Sparkonto halten immer zusammen. Selbst in Zeiten historisch niedriger Zinsen bleiben die meisten Deutschen dem Sparen treu.“

Die umgekehrte Sicht: Ausgabenkürzungen
Wer kein Geld auf die Seite legt, sieht entweder nicht ein, das Geld zwar relativ sicher, aber mit derzeit kaum Zinsen ansparen zu müssen, oder es ist schlicht kein Geld mehr übrig, um es „einzulagern“. Glücklich kann sich noch der Bürger schätzen, bei dem am berühmten Ende des Monats eine Null steht, andernfalls müssen Ausgaben gekappt werden, um auf einem grünen Zweig zu bleiben.

Letztes Jahr lag der europäische Durchschnitt bei den Bürgern, die keine Kürzungen zu ihren Ausgaben vornehmen mussten, bei 31 Prozent. Deutschlands Bürger hatten es 2012 mit 51 Prozent noch deutlich besser. Der Wert stellt zugleich Europas Spitzenwert dar.

Einer offensichtlich völlig anderen Situation ausgesetzt sind die Bürger Spaniens und Italiens. In diesen beiden südeuropäischen Ländern mussten 83 Prozent der Menschen ihre Ausgaben reduzieren. Auf der „Top-Liste“ der verzichtbaren Waren standen Freizeit und Unterhaltung sowie Körperpflege und Kleidung.

Erschreckende Ergebnisse – Aber wo ist Griechenland?

Die von ING beauftragte Sparer-Studie auf europäischer Ebene veranschaulicht sehr deutlich, wie weit die Staats- und Bankenschuldenkrise auf ihre Einwohner durchgeschlagen hat. Länder wie Spanien und Italien stehen auf der Krisen-Liste der Euro-Zone ganz oben. Geplatzte Immobilienblasen, wankende Kredithäuser, hoch verschuldeter Haushalt sowie einknickende Konjunkturen und hochschnellende Arbeitslosenquoten fordern ihren Tribut.

Drei- und vierstellige Milliardenbeträge, die zwischen den Zentralbanken hin- und hergeschoben werden, bleiben abstrakte Größen, kaum greifbar. Hinter den 83 Prozent der Bürger, die in Italien und Spanien ihren Lebensstandard deutlich senken mussten, stecken individuelle Einzelschicksale. Die meist genannten Einsparungen an Kosmetik, Kleidung sowie Freizeitbeschäftigungen, gründen oft am Verlust des Arbeitsplatzes sowie die Suche nach einer neuen Bleibe, nach dem das Haus wegen der unbezahlbaren Hypothek weggenommen wurde.

Das Ende der Fahnenstange ist damit noch längst nicht erreicht. Die Situation der griechischen Bürger ist in dieser Umfrage offenbar bewusst ausgeblendet worden. Das Land und deren Einwohner werden nicht einmal erwähnt und dürften tatsächlich das weit abgeschlagene Schlusslicht bilden. Will man vermeiden, dass Griechenland als „Musterland“ für die weitere Zukunft der anderen Euro-Länder erkannt wird? Es ist anzunehmen, dass Griechenland „lediglich“ um zwei, drei Jahre voraus geeilt ist.

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