Wiederholte Verkündung vom Ende der Eurokrise – Obwohl es brennt

Ende Eurokrise-


Wer in einem Orakel-Automaten eine Münze einwirft, erhält in der Regel stets gleiche oder ähnliche Antworten. Gemeinsam haben sie allemal die Qualität von simplen Floskeln, die an „Hunz & Kunz“ Anwendung finden könnten. So ähnlich können auch die wiederholten Verkündungen einer beendeten Eurokrise gehandhabt werden.

„Wer inhaltlich nichts bieten kann, muss eben lauter werden“

Euro
Längst verlorener Euro (Schein-) Glanz

Der aus mehreren Kehlen herausgerufenen Botschaft einer entschärften und sogar beendeten Euro-Krise wollte kaum jemand so richtig Glauben schenken. Wolfgang Schäuble sprach bereits im Herbst 2012 vom „überstandenen Schlimmsten“ und Barroso erhob sich selbst als den Überbringer der glücklichen Nachrichten von einer gar beendeten Krise in Europa.

Ähnliche Töne waren Mario Draghi sowie van Rompuy über die Lippen geraten. Allesamt sind sich unter einander sehr gut persönlich bekannt und treffen sich regelmäßig zu ihren gemeinsamen „Großplänen“ der Europäischen Union.

Dennoch waren außer den „beruhigten Märkten“ keinerlei Verbesserungen der Finanz- und Schuldensituation in den schlimmsten betroffenen Euro-Mitgliedsländern zu bemerken. Die These von einer beendeten Euro-Krise hätte lediglich als „Auftakt Karneval 2013“ Verwendung ernst genommen werden können, ganz so als würde der Einsatzleiter der Feuerwehr mit einer Feuersbrunst im Hintergrund den Medien erklären, dass nun auch der letzte Schwelbrand gelöscht sei.

In der Tat reihen sich die Institute und Wirtschaftsexperten in eine Reihe und berichten von verbesserten Aussichten sowie tendenziellen Erholungen der Konjunktur. Dennoch basiert z.B. der ifo-Geschäftsklimaindex rein auf Befragungen von Unternehmen, wie sie ihre derzeitige Lage und die Ausblicke in die Zukunft einschätzten. Auf der anderen Seite korrigiert die EU ihre zuletzt „orakelten“ Konjunktur-Entwicklungen innerhalb der Euro-Zone jüngst nach unten. Im letzten Quartal 2012 stiegen die Wertpapiere (DAX) noch rasant nach oben und verhießen zumindest oberflächlich eine deutliche Entspannung der Krisensituation.

Als wenn die EU-Politiker die Realität beharrlich ignorierten, halten sie an der These eines Krisenendes fest. Egal ob zahlreiche europäische Großbanken herbe Verluste im letzten Quartal 2012 schrieben oder ob Zypern der Untergang im Mittelmeer droht. Allein in den Kellern der spanischen Banken schlummern nach wie vor faule Immobilien-Kredite im mehrstelligen Milliardenbereich, aber scheinbar ohne Belang, dennoch sei die Krise bereits Geschichte.

Frankreich tritt in den Mittelpunkt der „Krisen-Verdächtigen“
Nun ist die Karnevals-Saison vorüber und die nackte Realität rückt mit hoher Intensität wieder in den Vordergrund. Frankreich ist auf dem besten Wege einst mit Griechenland, Portugal, Zypern, Irland und Spanien in einem Atemzug genannt zu werden. Angesichts der unter der Hand gemauschelten Pläne Schäubles, eine Delegation Wirtschaftsweisen nach Frankreich schicken zu wollen, erhielte man den Eindruck, als wenn dem „Erklärer der entschärften Krise“ bereits bewusst gewesen wäre, was ab dem Frühjahr 2013 auf die Euro-Gemeinschaft zukommen könnte.

Frankreich kommt nicht auf die Beine. Im Gegenteil, die Wirtschaft schrumpft, das Defizit steigt, die Arbeitslosenzahl wächst und die Regierung in Paris geht nicht den Weg, der u.a. von Deutschland und der EU-Kommission für richtig gehalten werden. Ein strikter Sparkurs wird ohnehin beinahe „exklusiv“ von der deutschen Bundesregierung vehement verteidigt, während namhafte Ökonomen wie Krugman derlei Wege als „unetisches Experiment am Menschen“ bezeichnen.

Bereits im Jahr 2014 könnte Frankreich die Grenze von 100 Prozent Schuldenquote des Bruttoinlandsprodukts (BIP) überschreiten. Sollte Frankreich im Notfall Hilfe aus dem Rettungsfonds ESM beantragen, wäre dessen Existenz faktisch aufgelöst. Frankreich zählt neben Deutschland als einer der Haupteinzahler in den Fonds. Die Kapazitäten des ESM wären somit gesprengt.

Schwelbrände an zahlreichen Ecken der Euro-Zone
Mit Italien könnte sogar eine neue Ära in der zukünftigen EU-Geschichte beginnen. Die Parlamentswahl am heutigen Sonntag kann drastische Veränderungen in der nationalen Politik und somit für die gesamte Euro-Zone verursachen. Welche Partei, bzw. welcher Politiker auch immer die Nase vorne haben wird, es ändert kurzfristig nichts an der wirtschaftlichen Situation des Landes. Italien gehört zu den Hauptanwärtern, ein schwergewichtiges Krisenland in der Währungsgemeinschaft zu werden. Mit dem beinahe Untergang der Traditionsbank Monte dei Paschi wurde bereits ein erster Vorgeschmack gereicht. Lediglich der „beherzte Steuergeld-Einsatz“ bewahrte die älteste Bank der Welt als „Atlantis 2“ in die Geschichtsbücher einzugehen.

Wiederholtes Dementi: Von einem Ende der Euro-Krise ist keineswegs irgendetwas wahrhaftig.

Bild: tarifometer24.com

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.