Währungsreform in Deutschland wird „Hof fähig“

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Auch wenn es „nur“ ein Leserkommentar ist, mit der Veröffentlichung des Themas Währungsreform im Der Tagesspiegel (vom 30.10.2011) wird in Deutschland eigentlich ein Tabu gebrochen. Ein Tabu welches offenbar nur noch für die Massenmedien Gültigkeit besitzt.

Einschlägige Blogs, Portale und Foren behandeln das Thema Währungsreform beinahe täglich und wurden bis jetzt u.a. als „Spinner“ und „Tummelplatz für Verschwörungstheoretiker“ verschrien. Der Artikel im Tagesspiegel geht sogar noch einen Schritt weiter. Eine Währungsreform wird nicht nur für möglich gehalten, sondern direkt „erbeten“. „Weshalb wir eine Währungsreform bräuchten“ ist der einleitende Satz zum „gefürchteten“, aber auch inzwischen geforderten Thema.

Aus Möglichkeit einer Währungsreform wird eine Forderung

Währungsreform
Die gedachte Währungsreform
erhält erste Konturen

Der Autor des Artikels zur Währungsreform ist nicht „Irgendwer“, sondern bereits seit beinahe 15 Jahren für die SPD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt tätig. Dr. Thoralf Schleitz hat am Institut für Wirtschaftswissenschaften und Soziales des Landhaus an der Martin Luther Universität Halle promoviert.

Noch kein sehr bekannter Name, aber dass Popularität alleine kein Maßstab für Kompetenz ist, demonstrieren uns täglich namhafte Politiker und sog. Finanz- und Wirtschaftsexperten.

Einleitend wird dem Begriff „Währungsreform“ der Schrecken genommen. „..eine Währungsreform ist nichts Schlimmes, sondern eine Bereinigung der Finanzsituation und ein Neuanfang, der durchaus Chancen für die weitere Entwicklung unserer Wirtschaft bietet“.

Um eine unkontrollierbare Reihe von Bankenpleiten zu verhindern, sei eine Währungsreform sogar notwendig. Die sonst drohende Konsequenz einer Hyperinflation kann den gefürchteten Domino-Effekt der Bankeninsolvenzen auslösen.

Im Artikel geht klar hervor, dass zwar Griechenland im Mittelpunkt der EU-Finanzkrise steht, aber Deutschland trotz relativ solider Stellung dennoch ganz und gar nicht frei von Schulden ist. Inzwischen teilt sich Griechenland den Platz im Brennpunkt mit Italien. Portugal hat sich schon eingereiht und Frankreich ist eigentlich auch schon potenzielles Mitglied der sog. PIIGS-Länder.

Deutschland ist mit gut 3 Billionen Euro verschuldet, zählte man noch die Verbindllichkeiten von Rentenversicherungen dazu, dann könnte die Bilanz mit Faktor 2 beziffert werden.

Deutschlands Schulden unterscheiden sich gegenüber den anderen europäischen Staaten jedoch dahingehend, dass die Kredite nicht vornehmlich an Drittländer oder ausländische Banken geschuldet werden, sondern in Verbindlichkeit zur eigenen Bevölkerung stehen.

Deutschland als „Wohlfahrtsstaat“. Es kostet, es muss finanziert werden, das Geld muss irgendwo herkommen. Ein großer Teil der bisherigen Nettoneuverschuldung geht auf die Rechnung der Sozialleistungen. Von Mehrbelastungen durch Erhöhung der Steuern (z.B. Mehrwertssteuer, Gewerbesteuer, etc.) wurde bisher abgesehen, um das Kapital durch Investitionen an Standorten nicht zu vertreiben.

Als Schlussfolgerung geht aus dem Artikel hervor, dass „eine Währungsreform im Grunde genommen wie eine Steuer wirkt. Es wird letztlich das entwertet, was als Steuer eigentlich hätte erhoben werden sollen. Sie bietet dabei aber die Möglichkeit, soziale Kriterien bei der erforderlichen Entwertung des Geldes einzubauen.“

Wehe wenn alle gleichzeitig in Sachwerte umsteigen wollten
Einen Strich durch die Rechnung könnte allerdings mit dem mehrheitlichen Wunsch, das Guthaben in Sachwerten einzutauschen, gemacht werden. Der offensichtlich fehlende Gegenwert zum Guthaben auf den Banken hat bis heute nur funktioniert, weil nie alle Sparer und Anleger gleichzeitig an Bargeld wollten, um diese in Konsumgüter oder Dienstleistungen einzutauschen.

Sollte ein Großteil der Bevölkerung auf die Idee kommen, die eigenen Konten zu räumen, dürfte das eine Reihe von Banken in den Abgrund stürzen, noch bevor ein Schritt zur (empfohlenen) Währungsreform gemacht worden wäre. Der Gegenwert von Bargeld basiert auf das Vertrauen und den Glauben der Menschen. Ein gefürchteter Banken-Run würde das Gegenteil ausdrücken und eine Kettenreaktion auslösen.

Die abschliessende Bemerkung des Autors verdeutlicht jedoch das Grundsätzliche. „Nach der Währungsreform ist vor der Währungsreform. Ob diese in 10, 20 oder in 100 Jahren stattfindet, wird davon abhängen, ob es gelingt, die erforderlichen Ausgaben durch Einnahmen zumindest weitestgehend zu decken.

Ich wünsche uns allen den dafür erforderlichen Mut!“. – Eine Währungsreform könnte neben einer „nachträglichen Besteuerung“ auch als ein wirtschaftlicher und finanzieller „Reset“ bezeichnet werden. Die Spirale findet einen neuen Anfang, setzt aber seinen verhängnisvollen Weg fort, wie bisher. Der bisherige Überlebens-Durchschnitt des (fast) weltweit praktizierten Geldsystems liegt bei etwa 70-80 Jahren. Dann ist ein Crash unausweichlich.

Eine erneute Währungsreform in Deutschland würde aus der gigantischen Blase die Luft raus nehmen, aber weder den Ballon beseitigen, noch das erneute Aufblähen verhindern. Solange das Geldsystem auf der Basis des Zinseszins-Systems bestehen bliebe, würden die Zyklen der Zusammenbrüche und Wiederaufbauten niemals enden.

Im Moment stehen wir auf der Klippe, ein Bein hängt schon in der Luft, kurz vor dem Absturz. Es gehört allerdings sehr viel mehr Mut dazu, sich vom derzeitigen Geldystem abzukoppeln. Die (Über-) Macht derjenigen, die es mit allen Mitteln beibehalten wollen, ist jedoch unheimlich groß. Denn nur diese gewinnen während der inflationierenden Finanzblase und ganz besonders am Crash sowie am Wiederaufbau.

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