Versuchte Zypernrettung droht außer Kontrolle zu geraten

Euro Krise-


Zu dem zerstörten Vertrauen der Anleger und dem Aufschrecken der bisher „wohl behüteten“ Märkte und Investoren, könnte sich noch das Desaster eines Banken-Runs gesellen, welche die Verantwortlichen in Brüssel wie auch Berlin dazu verleiten könnte, besser eine schützende Deckung aufzusuchen.

Nur die ersten Ausläufer des gewaltigen Sturms?

Die abgerutschten Kurse an den weltweiten Börsen lassen nichts Gutes erahnen. Die abschließende Entscheidung des zyprischen Parlaments zum aufgezwungenen Hilfspaket steht noch aus, ebenso die ersten Reaktionen aufgebrachter Bankkunden in Zypern und weiteren Euro-Mitgliedsländern.

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Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), wird sich womöglich fragen, warum er nicht versuchte, die „einzigartige Idee“, die Privatsparer in Zypern für die Bankenrettung zu schröpfen, zu verhindern. Das Jahr 2012 war gefüllt mit angereihten Kraftakten, um die Märkte zu beruhigen und die Investoren mit zurück gewonnenem Vertrauen wieder in die Euro-Zone zu bewegen.

Tatsächlich fügten sich die aggressiven Marktteilnehmer den „Androhungen“ der EZB, notfalls mit grenzenlosen Einsatz die Staatsanleihen angeschlagener Euro-Mitgliedsländer aufkaufen zu wollen, und hielten sich zurück. Gleichzeit wirkte diese Ankündigung wie Balsam auf die Investoren und tatsächlich folgte ein Abflauen der stürmischen Marktverwerfungen. Die Krise war längst nicht beendet, hätte aber mehr Zeit gelassen, um sich über vernünftige Rettungsmaßnahmen Gedanken machen zu können.

Vergebene „Liebesmüh“ zum Euro?
Der Beschluss der Sparer-Enteignung durch eine Zwangsabgabe könnte jegliche Bemühungen zunichte machen. Nicht nur dass dieser Tabubruch in der Eurozone Privatanleger in der gesamten EU aufschreckte, sondern auch noch die Märkte aus ihrem „seligen Vertrauensschlaf“ holte. Der „Rettungsansatz“ des winzigen Wirtschaftslandes Zypern ließ die Anzeige-Grafiken an den Börsen in eine rechtsgerichtete Abwärtsbewegung gleiten.

Der Beschluss in Brüssel hatte seine Wirkung auf die Märkte nicht verfehlt. Bereits am Montagmorgen zeigte der Euro einen Ruck nach unten festgelegt und änderte seinen Kurs von gut 1,30 US-Dollar noch am Freitag auf knappem 1,29 Dollar. Die gleiche Richtung schlugen auch die Werte an den Wertpapier-Börsen ein. Der Dax sowie der EuroStoxx50 brachen mit maximal-Ausschlägen um je rund 2 Prozent ein. Zahlreiche Anleger trennen sich überwiegend von Anleihen und Aktien aus Spanien und Italien, die ebenfalls als angeschlagene Euro-Mitgliedsländer gelten. Ähnliche Bilder sind auch in den Märkten der USA sowie in Asien zu beobachten.

Weitere kritische Stimmen werden laut
Die russische Regierung erklärte lt. focus.de (18.03.13), dass es besser gewesen wäre, die Sondersteuer auf die Gewinne der Bankeinlagen anzurechnen und es wäre offensichtlich, dass Zypern diese „erschreckende“ Entscheidung nur unter dem Druck der EU getroffen habe. Klare Worte fand Russlands Präsident Vladimir Putin. Am Montag erklärte sein Sprecher Dmitry Peskov der Agentur Reuters die Entscheidung, die Bankkonten der Anleger zu belasten, als „unfair, unprofessionell und gefährlich“.

Der US-amerikanische Ökonom Paul Krugman erklärte in seiner Kolumne der New York Times, dass diese Aktion dem gleich käme, als wenn die Europäer ein Neonschrift-Schild in Höhe halten würden, auf dem in griechischer und italienischer Sprache geschrieben steht, „Es ist Zeit, um nun die Banken zu stürmen“.

Brüssel versucht das Deck des sinkenden Schiffes trocken zu wischen

In Brüssel wird man nicht müde, die beschwichtigenden Worte abzusondern, dass der Fall Zypern ein „Sonderfall“ und einmalig gewesen wäre. Zumindest ist die erste Behauptung richtig. Die Enteignung der Sparer innerhalb der Euro-Zone fand zum ersten Mal statt und wird deshalb immer dieses „besondere“ Ereignis bleiben. Die Einmaligkeit darf jedoch angezweifelt werden. Griechenlands Schuldenschnitt zulasten der Anleger wurde ebenso als eine „Einmaligkeit“ beschrieben, die nie wieder eine Wiederholung finden sollte. Tabu-Brüche, Umgehungen der eigenen Regeln und sogar Gesetzesbrüche gehören zur Euro-Zone bereits ebenso ins alltägliche Bild wie irreführende, teils schizophren wirkende Aussagen der verantwortlichen EU-Politiker.

„Wehe den, der die Geister rief“. „Der Zauberlehrling“ hätte zur Pflichtlektüre ernannt werden sollen.

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