Vermeintliche Arbeitsmarktboom ist eine Mogelpackung

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Der vermeintliche Arbeitsmarktboom ist eine Mogelpackung. Wenn immer mehr Menschen unter sich die gleiche Arbeit aufteilen, ist der Wunsch nach Mehrarbeit für höheres Einkommen nicht überraschend. Der soziale Absturz dagegen ist Programm.

Bürojob

Arbeitnehmer: Der Wunsch nach Mehrarbeit wächst vor allem in Teilzeitjobs

Konkurrenzkampf im Teilzeitbereich – Spaltung

Wer einen Vollzeit-Job hat und mit diesem Einkommen locker über die Runden kommt, darf sich glücklich schätzen. Löhne und Gehälter aus Vollzeitbeschäftigungen sollten eigentlich dafür ausreichen, aber diese vermeintliche Selbstverständlichkeit gilt schon lange nicht mehr. Die Zahl der Menschen, die trotz einer Vollzeitbeschäftigung auf zusätliche finanzielle Unterstützung angewiesen ist, liegt bei rund 1,1 Millionen.

Der Druck des drohenden sozialen Absturzes

Der Arbeitsmarkt boomt. Die Beschäftigtenzahl sei im Oktober 2018 auf den höchsten Stand seit dem Jahr 1990 angestiegen. Allerdings immer mehr Arbeitnehmer, die sich ein geringer anwachsendes Arbeitsvolumen untereinander aufteilen müssen. Die Gehälter sind entsprechend „angemessen“. Wer eine Stelle hat, sieht auch zu, diesen Job möglichst zu behalten, insbesondere wenn das Arbeitsverhältnis lediglich befristet ist. Der in Aussicht stehende soziale Absturz in Hartz-IV wirkt motivierend.

Viele Arbeitnehmer wollen ihren gegenwärtigen Job behalten, obwohl die Bezahlung für die monatlichen Ausgaben plus etwas Komfort kaum mehr ausreicht. Es bleibt eigentlich nur noch die Mehrarbeit. Inzwischen wollen rund 2,4 Millionen Menschen gerne die wöchentliche Arbeitszeit aufstocken und zwar im Schnitt um weitere 10,9 Stunden, so die von Destatis am Donnerstag veröffentlichten Zahlen. Demnach arbeiteten diese Menschen im Mittel 28,5 Stunden pro Woche. Gezählt wurden demnach auch Mini-Jobber und Teilzeitbeschäftigte. Zählte man Arbeitslose, Rentner und die „stille Reserve“ mit, so würden bereits 5,1 Millionen Menschen gerne mehr arbeiten. Hauptgrund Nummer Eins für Mehrarbeit: Mehr Einkommen.

Im Jahr 2017 leisteten die Arbeitnehmer in Vollzeit- und Teilzeit-Jobs zusammen genommen im Schnitt 35,1 Arbeitsstunden in der Woche. Nimmt man die Statistik der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), so kommen Vollzeitbeschäftigte auf fast 5 Überstunden pro Woche.

Es liegt auf der Hand. Der sog. Arbeitsmarktboom basiert auf die Aufteilung der gleichen Arbeitsmenge auf immer mehr Arbeitnehmer. Eine Mogelpackung. Während die Vollzeitbeschäftigten noch auf relativ sicherem Fahrwasser unterwegs sind, ist der Konkurrenzkampf im Teilzeitbereich bereits voll entbrannt und die Gräben in der Gesellschaft werden immer breiter.


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