Verlangsamte Dynamik in der Produktivitätssteigerung

Konjunktur –


Neben der konjunkturellen Flaute bereitet den Unternehmen auch die nachlassende Geschwindigkeit der Produktivitätssteigerung Kopfzerbrechen. IW Köln erstellte im Auftrag des BDI ein Gutachten über die möglichen Gründe für den Rückgang der Dynamik.

Preissteigerungen

Wachstum: Zwingender Anstieg bei Produktivität bei möglichst immer weniger Lohn

Der Bundesverbands der Deutschen Industrie e.V. (BDI) gab beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) ein Gutachten in Auftrag, welches die Ursachen und Auswirkungen der stockenden Produktivitätssteigerung beleuchten sollte. Immerhin sei die Arbeitsproduktivität „ein wichtiger Treiber der gesellschaftlichen Wohlfahrt“. Der Verweis auf andere Länder, in denen das Wachstum der Produktivität ebenfalls nachließ, sei nicht ausreichend, sondern es müsse vielmehr hinterfragt werden, „welche Ursachen hinter der nachlassenden Dynamik des Produktivitätswachstums“ stehe, so IW.

Boomender Arbeitsmarkt drückt auf die Produktivität

IW stellte fest, dass vorwiegend mit dem Anstieg der Beschäftigungsdynamik die Arbeitsproduktivität nachließ. Nach der „Wirtschafts- und Finanzkrise“ in den Jahren 2008 und 2009 bauten demnach die Unternehmen ihre Belegschaft weiter aus, ohne dass die Wertschöpfung im gleichen Ausmaß folgte. Das Gegenteil war der Fall. Die Dynamik des Wertschöpfungswachstums habe sogar nachgelassen. Dies erkläre jedoch nur einen Teil des ausgebremsten Produktivitätswachstums. Hinzu kämen noch Auswirkungen der rückläufigen Dynamik bei den Ausfuhren und des globalen Warenexportvolumens.

Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes sorgten die Betriebe mit mind. 250 Beschäftigten für den größten Beschäftigungszuwachs, vorwiegend in der Metall- und Elektroindustrie. Außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes lag der größte Beschäftigtenzuwachs bei Betrieben mit 50 bis 249 Beschäftigten. Die Unterschiede zwischen den Branchen seien hier weniger ausgeprägt. Das ausgebremste Produktivitätswachstum lasse sich über die meisten Branchen hinweg beobachten. Es zeige sich jedoch, dass nach der Krise mehr Unternehmen eine Steigerung der Arbeitsproduktivität vorweisen können als vorher. Rückläufig sei aber die Wachstumsgeschwindigkeit.

Messwerte könnten verfälscht bzw. falsch interpretiert sein

Die Produktivität einer Arbeit ist ein Gemenge aus den nominalen und realen Werten von Produktion und Arbeitsinvestition. Die Wertschöpfung werde in Preisen gemessen und daher sei eine Umrechnung in eine Mengeneinheit notwendig. Die investierte Arbeit werden in Stunden oder Köpfen gemessen und sei bereits eine Mengeneinheit. Sollte z.B. die produzierte Menge gleich bleiben, während sich die Preise verändern, so bedeutete dies ein Auseinanderfallen der nominalen und realen Werte. IW stellte fest, dass es am derzeitigen Rand zu einem stärkeren Auseinanderfallen der nominalen und realen Wertschöpfung komme. Grund dafür könnten „Probleme bei der Messung von Dienstleistungen in der Industrie sein, die in die Produkte integriert sind“, so IW. Sollten die Statistiken die einhergehenden höhere Preise nur als Preis, nicht aber als Qualitätseffekt bewertet, so sei eine Untererfassung des realen Wachstums die Folge.

Verarbeitendes Gewerbe weiter im Sinkflug

Mit dem Geschäftsklimaindex des Münchener ifo Instituts zeigte sich im März 2019, dass die allgemeine Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen wieder etwas aufhellte. Der Index stieg unerwartet an. Im Kontrast stand jedoch das Verarbeitende Gewerbe. Hier sank die Stimmung zur aktuellen Situation und angesichts der mageren Auftragslage auch für die nächsten sechs Monate weiter stark ab.

Gewinne aus Produktivitätssteigerungen kommen beim Arbeitnehmer kaum an

Neben den Steigerungen bei den Produktions- und Absatzzahlen zählt zu den wichtigen Faktoren für weiteres Wachstum auch die Produktivität. Mehr Produktivität bedeutet mehr Wertschöpfung innerhalb der gleichen Zeit, bzw. gleiche Wertschöpfung innerhalb einer kürzeren Zeit. Die Produktivitätssteigerung der Arbeitnehmer und der Fertigungsabläufe ist aufgrund ihrer gegenüber der Mehrarbeit (z.B. Überstunden) weniger ausgeprägten Sichtbarkeit ein geeigneter Faktor für die Gewinnoptimierung der Unternehmen. Daher auch sehr gut geeignet, um die Wertschöpfungssteigerungen den Arbeitnehmern (Löhne und Renten) vorzuenthalten. Mit dem spürbaren Abflauen der Konjunktur erhält die Produktivitätssteigerung einen höheren Stellenwert, denn das Wachstum muss möglichst beibehalten werden, um die stets steigenden Zinszahlungen und Dividendenausschüttungen bedienen zu können. Gläubiger und Aktionäre müssen befriedigt, bzw. bei Laune gehalten werden.

Nun kam allerdings auch die Steigerung der Arbeitsproduktivität ins Stocken und die Unternehmen sehen sich vor größeren Problemen. Etwas Anspannung nahm die Europäische Zentralbank (EZB) aufgrund ihres verlängerten Verzichts auf Zinsanhebungen. Mit höheren Zinslasten könnte so manch verschuldetes Unternehmen aufgrund zu hoher Refinanzierungskosten ins Straucheln geraten.


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