Verbaler Eurorettungs Showdown aus Politik & Wirtschaft

Eurokrise-

Derzeit ist ein offenbar ein Großaufgebot aus Politik und Wirtschaft dazu aufgefordert, gemeinsam Stimmen für eine Rettung und dem Erhalt des Euros zu plädieren. Warnende Worte vor einem Scheitern des Euros aus allen Bereichen der Europäischen Union und sogar aus Übersee.

Einstimmige Melodien zur Eurorettung

Euro-Krise
Interessensgruppen scheint der
Euro davonzurollen

Die Worte des EZB-Chefs Mario Draghi am vergangenen Donnerstag, es werde alles Mögliche getan werden, um den Euro zu retten, könnten als einleitender Auftakt einer Serie weiterer Appelle für eine Euro-Rettung gegolten haben. Die Märkte reagierten sofort mit Kurssprüngen an den Börsen, die Politik gönnte sich eine kleine Bedenkpause.

Doch bereits am Freitag folgte die einvernehmliche Erklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Françoise Hollande, „alles Erdenkliche unternehmen zu wollen, um den Euro vor einem Fall zu retten“.

Es folgte eine Stimme aus dem kleinen EU-Land Estland. Der estnische Finanzminister Jürgen Ligi hat es sich nicht nehmen lassen, das deutsche Verfassungsgericht heftig zu kritisieren. Zur Wirtschaftswoche erklärte Ligi, „Es ist kein gutes Zeichen, wenn das Bundesverfassungsgericht Europa die Geschwindigkeit diktiert“. Er könne nicht nachvollziehen, warum die Entscheidung zum ESM erst für Mitte September festgelegt wurde.

Ligi ist zwar ein Finanzminister eines „mustergültigen“ EU-Landes, aber offensichtlich vergaß er zu unterscheiden, dass das Verfassungsgericht nicht entscheiden will, wann der ESM seinen Betrieb aufnehmen könne, sondern ob überhaupt ein Start in Frage kommt.

Inzwischen meldete sich auch der Chefsvolkswirt der Allianz, Michael Heise, zu Wort. Er warnte vor den weitreichenden Folgen nach einer Rückkehr zur D-Mark. In einem Beitrag für Die Welt (Montagsausgabe) geht Heise davon aus, dass die deutsche Wirtschaft nach einem Auseinanderbrechen der Währungsunion mit bis zu 25% Produktionsverluste im Vergleich zu einer „normalen wirtschaflichen Entwicklung“ erleiden müsse. Ansässige Unernehmen würden voraussichtlich ihre Standorte und das Kapital in Deutschland aufgeben und abwandern.

Der Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker ist der Meinung, dass Europa an „einem entscheidenden Punkt angekommen“ sei. Zur SZ (Montagsausgabe) erklärte er, „die Welt redet darüber, ob es die Eurozone in einigen Monaten noch gibt.“ Es gäbe keine Zeit mehr zu verlieren, um den Euro noch zu retten. Er fügt hinzu, „Wir müssen jetzt mit allen verfügbaren Mitteln überaus deutlich machen, dass wir fest entschlossen sind, die Finanzstabilität der Währungsgemeinschaft zu gewährleisten.“.

Tony Blair, ehem. britischer Premierminister, sieht Deutschland in der Pflicht, den Euro zu retten. Er vergleicht die derzeitige Krise in einem Beitrag für BILD mit der aus den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts. Blair sieht die gegenwärtige Krise für Europa in einer existenziellen Bedeutung und erkennt die Rettung des Euros als die beste Alternative für Europa und insbesondere Deutschland. Der Ex-Premier bezeichnet sämtliche weiteren Alternativen als „unschön“.

US-Finanziminister Timothy F. Geithner sieht sich veranlasst, die Urlaubs-Idylle Wolfgang Schäubles (CDU) auf der Ostseeinsel Sylt zu teilen. Das Thema dürfte sich ausschließlich um den Euro, deren Zusammenhänge und um die Risiken durch ein Zerfall handeln. Ein sicher nicht ganz uneigennütziger Gedanke des US-Finanzministers.

Der Zusammenbruch der europäischen Gemeinschaftswährung dürfte auch für zahlreiche US-Banken das Aus bedeuten. Halten diese doch große Mengen an Staatspapieren der EU-Länder in ihren Beständen. Solange es den Euro noch gibt, profitieren sie von den hohen Zinsen, sollte die Euro-Zone zusammenbrechen, säßen sie auf einen stark entwerteten, wenn nicht sogar wertlosen Papierberg.

Bild: F.H.M. / pixelio.de

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