Ungedecktes Papiergeld-System soll debattiert werden

Geldsystem & Papiergeldschöpfung-


Von „offiziellen Stellen“ wurde erstmals die Problematik der „ungedeckten Papiergeldschöpfung“ angesprochen. Der Bundesbankpräsident Jens Weidmann findet Unterstützung vom Wirtschaftsexperten Max Otte, das Geldsystem in Anbetracht der Finanzkrise zu überdenken.

Massenhaft ungedecktes Papiergeld durch Programme der Notenbanken

Geldsystem
Geldsystem mit
sicherem Bestand?

Ein weiteres Tabu-Thema scheint gebrochen worden zu sein. Es geht nicht um moralische Bedenken um Handlungen oder Unterlassungen, sondern um das fundamentale Prinzip des Papiergeld-Systems. Das zu hinterfragen wurde offenbar wissentlich strikt unterlassen und gemieden wie „der Teufel das Weihwasser“.

Es handelt sich um das System, die Ordnung des Zahlungsmittels „Papiergeld“ an sich. Der US-Dollar ist lediglich ein Repräsentant des Geldsystems mit einem selbst ernannten „Führungsanspruch“ als Weltleitwährung.

Die Problematik der Geldwertschöpfung aus dem Nichts ohne jeglichen materiellen Gegenwert wurde vom Bundesbankchef Jens Weidmann öffentlich kritisch hinterfragt und fand prompt Zustimmung aus den Reihen der Politik und Wissenschaft.

Frank Schäffler, Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, befürwortet Jens Weidmanns Forderungen, den geldpolitischen Kurs in der Schuldenkrise öffentlich neu zu hinterfragen. Dem Handelsblatt Online (Mittwoch) erklärte Schäffler, „seit Jahren kritisiere ich die ungedeckte Papiergeldschöpfung aus dem Nichts“. In seiner Rede hätte Bundesbankpräsident Weidmann höchstpersönlich die Gefahren des ungedeckten Geldes öffentlich angesprochen.

Damit wäre die Frage nach der zukünftigen Geldordnung ab heute offiziell gestellt, so Schäffler zu Handelsblatt und fügte hinzu, „wir müssen jetzt das Heft des Handelns in die Hand nehmen, statt uns von der Krise des Geldes überrollen zu lassen.“

In Bezug auf Weidmanns ablehnender Einstellung gegen die Interventionsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB), sieht auch Wirtschaftsforscher Max Otte die Geldpolitik der Notenbank sehr kritisch.

Aus seiner Sicht dürfte das jüngst eingeleitete Programm der Anleihekäufe von der US-Notenbank Fed (QE3) und die geplanten Aufkäufe von Staatsanleihen in unbegrenzter Menge durch die EZB keinen unmittelbaren Einfluss auf inflationäre Entwicklungen haben, aber es wäre klar, „dass es sich um eine massive staatsinterventionistische Maßnahme zur Subventionierung von Investmentbanken, Staaten und Gläubigern handelt, die negative Verteilungswirkungen für Kapitalsammelstellen wie Versicherer und kreditgewährende Banken sowie Sparer hat“, so Otte zu Handelsblatt Online.

„Ungedeckte Papiergeldschöpfung“ im kleinen Stil

Ein folgendes, stark vereinfachtes Beispiel zeigt die „Schöpfungsmacht“ der Banken auf.
Die meisten Privatpersonen mit den Ambitionen ein Haus zu bauen, müssen einen Kredit aufnehmen. Dazu wird die Bank aufgesucht und z.B. ein Darlehen in Höhe von 100.000,- Euro beantragt. Das Kreditinstitut braucht jedoch den gesamten Betrag nicht im Tresor liegen zu haben. Bei einer angenommenen Eigenkapitaldeckung von min. 5% müsste das Geldhaus lediglich 5.000,- Euro selbst besitzen, um einen Gesamtkredit von 100.000,- Euro vergeben zu können.

Die „fehlenden“ 95.000,- Euro werden mit einem einfachen Vorgang erzeugt. Dazu reichen der Bank lediglich ein paar Eintragungen in die EDV und der Fehlbetrag ist „aus dem Nichts geschöpft worden“ (Giralgeld). Der Gesamtbetrag wird dem Girokonto des Kreditkunden gutgeschrieben und ihm stehen die finanziellen Mittel für den Immobilienerwerb zur Verfügung.

Über Jahre hinweg steht der Kreditnehmer in der Pflicht, den Kreditbetrag in monatlichen Schritten zu tilgen. Soweit der geliehene Betrag in Höhe von 100.000,- Euro zurück gezahlt wurde, bucht die Bank den aus dem Nichts erschaffenen Betrag von 95.000,- Euro wieder aus und führt 5.000,- Euro dem Stammkapital zu. Bis zu diesem Punkt wäre noch kein negativer Effekt der „ungedeckten Papiergeldschöpfung“ feststellbar.

Die Bank „verdient“ jedoch an den Zinsen. Der Kreditnehmer muss über die geliehenen 100.000,- Euro hinaus einen Mehrbetrag von z.B. 10.000,- Euro Zinsen bezahlen. Dieser Zinssatz bildet sich jedoch aus einer Kombination von Zinsen und Risikozuschlägen. Aus diesem Grund erhalten Kreditkunden mit einer etwas schlechteren Bonität einen erhöhten Zinssatz (bonitätsabhängig). Die Bank hätte letztendlich das Risiko eines Kreditausfalls zu tragen.

Wie sieht aber die Praxis aus, wenn der Kreditnehmer tatsächlich ausfällt? Das Haus muss verkauft, bzw. versteigert werden. Letztendlich trägt die Bank das Risiko am ggfs. niedrigeren Verkehrswert der Immobilie, als noch zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme. Fallende Immobilienpreise gehören derzeit in vielen Ländern zur Regel.

Das vermeintliche Risiko für Banken
Der Kreditnehmer verliert Haus & Hof, die Bank kassiert die Immobilie, versteigert es ggfs. unter dem erhofften Verkehrswert zu einem Preis von 75.000,- Euro. Dem Schuldner bleibt noch eine offene Differenzrechnung, die er, auf welchem Weg auch immer, noch zu begleichen hat und die Bank erhielt einen Barbetrag gegen geliehenes Geld, das aus dem Nichts geschaffen wurde.

Egal wie die Kreditrückzahlung ablaufen wird, erhält das Kreditinstitut entweder den vollen Betrag plus Zinsen zurück oder kassiert das Haus samt dem hinterlegten (Real-) Wert. Bei derartigen Kreditgeschäften kann die Bank nicht verlieren, denn sie schöpft das Geld aus der Luft und erhält dafür Zinsen oder den materiellen Wert der gepfändeten Immobilie.

Diese Papiergeldschöpfung kann aber sehr schnell „ungedeckt sein“, wenn nur wenige Faktoren zusammen treffen.

Der „Katastrophenfall“ ist ebenfalls kein Risiko mehr

Kreditinstitute verleihen an sehr vielen Kunden immense Summen Geld für den Hausbau. Sie schöpfen jeweils Geld aus der Luft, da die vorgeschriebene Eigenkapitaldeckung schlicht nur einen Bruchteil der bilanzierten Gesamtsumme ausmacht. Die Bankenlizenz erlaubt eine „ungedeckte Papiergeldschöpfung“.

Nun liegt es an der Bank selbst, die Kreditnehmer zu überprüfen, in wie weit sie überhaupt in der Lage sind, die Kredite zurück zu zahlen. Zu den Kriterien müssten auch das Umfeld wie Arbeitsplatz und die vorausschaubare Zukunft des Immobilienmarkt-Sektors berücksichtigt werden.

Wenn nun eine große Anzahl der Immobiliendarlehen ausfällt, weil die Arbeitslosigkeit stark angewachsen ist, werden zahlreiche betroffene Häuser zur Versteigerung anstehen. Das Angebot steigt und die Immobilienpreise bewegen sich entsprechend abwärts. Der Verkehrswert und die Erlöse fallen und am Ende kämen die Banken in eine bedrohliche Situation. Sie sitzen auf einem angewachsenen Berg „fauler Immobilien-Kredite“. Unverantwortliche Kreditvergaben könnten eine jede Bank in die Insolvenz treiben.

Das Beispiel Immobiliensektor lässt sich beinahe beliebig auf weitere Kreditgeschäfte und riskante Wetten in den Handelsplätzen erweitern.

Die Betonung für die Risiken der Kreditinstitute liegt auf „könnten Pleite gehen“. Denn die Gefahr einer „großen Insolvenz“ wurde inzwischen von den Ländern abgeschafft, die durch Rekapitalisierungen finanziell gerade stehen.

Weil die Größenordnung auch die Staatshaushalte überfordert, beantragen Euro-Mitgliedsländer die Unterstützung aus den Hilfsfonds der EU, u.a. EFSF und neuerdings auch ESM. Damit Rettungsaktionen noch schneller ablaufen können, soll über die EU-weite Bankenaufsicht die direkte Bankenhilfe per EZB realisiert werden.

Welche Systeme und Ideen die Verantwortlichen der EU auch immer erdenken, es bleibt eine Sackgasse mit dem einheitlichen Ende beim Steuerzahler. Dieser steht mit seinem Vermögen in der Haft, dass sich zahlreiche Kreditinstitute förmlich weigern, verantwortungsvolle Geschäfte zu betreiben.

Inzwischen hat sich bestätigt, dass die Banken mit dem Wissen um den sicheren Rettungsanker teils motivierter hoch riskante Wetten eingehen, statt „zur Vernunft zu kommen“.

Bild: F.H.M. / pixelio.de

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