Ungebremster Armutsanstieg in der BRD: Sorge gilt aber der Wirtschaft

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Die Armut in der Bundesrepublik Deutschland steigt ungebremst an und die größten Sorgen der Arbeitgebervertreter, Bertelsmann-Stiftung und Co. gelten dem Wohlstand der Wirtschaft. Während billigste Arbeitnehmer zu Millionen ins Land strömen sollen, bleiben den „überflüssig“ gewordenen Rentnern und ihre geleistete Lebensarbeitszeit nur der Platz auf dem Abstellgleis.

Obdachlose

Wirtschaftsvertreter machen sich mehr Sorgen über den wertvollen Einkaufswagen als um die Menschen

Rentner sind für die Wirtschaft nur noch als Konsumenten nützlich

Das sog. Armutsrisiko im Bundesgebiet betrifft immer mehr Menschen. Nun stechen auch die vermeintlich wohlhabenden Bundesländer wie Bayern und Nordrhein-Westfalen (NRW) hervor, in denen es immer mehr Einwohner gibt, die am Rande oder bereits unterhalb des Existenzminimums fristen müssen. Man fragt sich, wovon die Politiker und Arbeitgebervertreter eigentlich schwadronieren, wenn sie Thesen wie „Wohlstandssicherung in der BRD“ absondern.

„Die deutsche Wirtschaft brummt trotz der widrigen Voraussetzungen“ und „die Beschäftigtenzahl erreichte eine erneute Rekordhöhe“, lauten die mit Vorliebe von den Bundespolitikern verbreiteten Thesen. Quantität ist nicht gleich Quantität, aber das zählt offensichtlich nicht, wenn es darum geht, bei der „Arge“ und im Bundesarbeitsministerium gute Zahlen zu produzieren.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband und andere Verbände präsentierten den Armutsbericht 2016. Daraus geht hervor, dass vor allem Erwerbslose, Alleinerziehende und Rentner im Bundesgebiet vom Armutsrisiko besonders betroffen seien. Die Armutsquote ist demnach von 14 Prozent vor zehn Jahren beständig angestiegen, wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtete. Die Armutsquote bei Kindern liegt bei 19 Prozent (jedes fünfte Kind!).

Angesichts der ebenfalls stark angestiegenen Armutsrisikoquote von Rentnern auf 15,6 Prozent sprechen die Verbände von alarmierenden Entwicklungen. Die Armutsquote bei Rentnerinnen und Rentner stieg seit dem Jahr 2005 um 46 Prozent. Keine andere Gruppe verzeichnet einen derart starken Anstieg.

Die Armut der bevölkerungsreichsten Bundesländern Bayern und NRW stieg im Gegensatz zu den neuen Bundesländern weiter an. Im Ruhrgebiet kletterte die Armutsquote seit 2006 um 27 Prozent in die Höhe. Inzwischen ist lt. dem Armutsbericht 2016 ein Fünftel (20%) der Bewohner im Ruhrgebiet von Armut betroffen.

Wem weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung stehen, der gilt in der EU-einheitlichen Regelung als armutsgefährdet. Im Gebiet der BRD liegt der Wert für Alleinstehende derzeit bei 917 Euro pro Monat. Für Paare mit zwei älteren Kindern lautet die Armutsrisiko-Grenze rund 2.100 Euro monatlich. Für die beständig anwachsende Anzahl von Alleinerziehenden mit einem Kind (jünger als 6 Jahre) gilt ein Grenzeinkommen von 1.192 Euro.

Es scheint offiziell keine wirklich Armen zu geben, nur „Gefährdete“

Angesichts dieser relativ hoch erscheinenden Mindesteinkommen, die Alleinstehende und Familien von den „Armutsgefährdeten“ abgrenzen, frägt man sich automatisch, warum stets von „Armutsrisiko“ und „Armutsgefährdung“ gesprochen wird, anstatt die Fakten einfach beim Namen zu nennen. Dazu gehörten Definitionen wie „Armut“, „Verarmung“ und „menschenunwürdige Existenzen“ innerhalb der BRD.

Aber die „Wirtschaft brummt“ und die deutsche Exportindustrie lebte derart über ihre Verhältnisse (nicht die Bevölkerung), dass im Jahr 2015 wieder einmal ein Rekordüberschuss von 252 Milliarden Euro bei der Leistungsbilanz erzielt wurde. Exportiertes Kapital, das alleine durch die Wertschöpfung der Arbeitnehmer generiert wurde. Im Jahr 2015 lag der durch Arbeitsleistung exportierte Wirtschaftsanteil bei mehr als 8 Prozent des BIP. Zu der Gruppe der Wertschöpfer gehören auch die zahlreichen Alleinstehenden und Familienangehörige, deren Einkommen sich unterhalb der „Armutsgefährdungsgrenze“ befinden.

Die weiter anwachsende Armut im gesamten Bundesgebiet ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Höhe des BIP kein Abbild des Bevölkerungswohlstandes bietet.

Wirtschaftsvertreter sehen lediglich Hamster und Renditen

Die größten Sorgen der Wirtschaftsvertreter gelten nicht dem verdienten Wohlstand der wertschöpfenden Arbeitnehmer, sondern die Gefährdung der derzeit noch immer Sperrangel weit offenen Grenzen für eine unkontrollierte Immigration. Zuletzt malte die Bertelsmann-Stiftung ein Schreckenszenario, welch schreckliches Schicksal der deutschen Wirtschaft widerfahren würde, wenn das Schengener-Abkommen scheitern und es zu Grenzkontrollen kommen sollte. Dass allerdings die Flüchtlinge eine hervorragende Chance bieten, die ohnehin schon unterbezahlten Arbeitnehmer mit weitaus billigeren Löhnen vom Arbeitsmarkt zu verdrängen, wird vornehm unter den Teppich gekehrt.

Selbst verarmte Rentner bieten noch ein gewisses Potenzial, ihre armseligen Einkommen gegen Ware einzutauschen. Sollte dieser „Kosten-Nutzen-Effekt“ der Rentner einst in die Schieflage geraten – was auch zu erwarten ist – so dürfte eine Kampagne gegen diese „Sozial-Schmarozer“, die Hetze gegen Hartz-IV-Bedürftige als Vorbild, nicht lange auf sich warten lassen.





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