Türkischer Wirtschaftminister hält EU für falsch und heuchlerisch

Türkei gegen EU-Friedennobelpreis-


„Schlagkräftige Argumente“ gegen die Europäische Union sind aus den politischen Kreisen der Türkei zu hören. Der Wirtschaftsminister hält die EU für eine Organisation der Scheinheiligkeit und Heuchelei. Der verliehene Friedensnobelpreis sollte mit der Auszeichnung für Falschheit ausgetauscht werden.

Klare Ansage gegen die Europäische Union

EU-Kritik Türkei
Klare Worte aus der Türkei
Bild: Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Wäre es nicht so bitterernst, könnte aus Meinung des türkischen Wirtschaftsministers Mehmet Zafer Çağlayan (AKP-Regierung) über die Europäische Union eine gehörige Portion Ironie gewonnen werden. „Die EU ist die heuchlerischste Union aller Zeiten. Es ist die scheinheiligste Organisation der Welt. Die EU hat die Türkei seit über 50 Jahren vor der Tür warten lassen“, erklärte Çağlayan der Nachrichtenagentur Anatolia und wird von Deutsche Wirtschafts Nachrichten (DWN) (Mittwoch) zitiert.

Darüber hinaus beschwerte sich der türkische Wirtschaftsminister über die Visabestimmungen der EU, von denen türkische Geschäftsleute eingeschränkt würden, Darüber hinaus sind die Einschränkungen bei der Gütereinfuhr „Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Folter“, so Çağlayan. Eine Ausschöpfung des Handelspotenzials wäre so gar nicht möglich und resultiere in einem unfairen Wettbewerb.

Zum Friedensnobelpreis an die EU:
Offensichtlich ist der Wirtschaftsminister der Türkei nicht einverstanden mit der jüngsten Entscheidung des schwedischen Nobelpreiskomitees. Çağlayan erklärte unmissverständlich, „wenn man die EU mit einem Preis für Falschheit und Scheinheiligkeit statt mit einem für Frieden auszeichnen würde, dann würden wir sagen, das ist fair und es akzeptieren“.

In der Tat sehr seltene Töne von den politischen Debatten Europas und dessen „Randbezirken“. Wäre die Hintergründe nicht nachvollziehbar, stellte sich die Frage, was dem türkischen Wirtschaftsminister „wohl über die Leber gelaufen sein könnte“, aber neben der offensichtlich geladenen Wut blitzt noch eine gute Portion Verbitterung durch.

Die Wirtschaftsleistungen der Türkei und besonders die Währung Türkische Lira durchlebten äußerst turbulente Zeiten. Im Jahr 2005 wurde der rasanten Inflation ein „Schnitt versetzt“ und die „Neue Türkische Lira“ eingeführt. Dennoch zeigt die Devise gegenüber dem Euro einen beständigen Wertverlust.

Aus den Ansätzen von „privilegierten Partnerschaften“ mit der Europäischen Gemeinschaft ist es eigentlich nie so richtig hinaus gekommen. Das „heiße Verlangen“ der Türkei, unbedingt ein Mitglied der EU zu werden, ist allerdings schon seit geraumer Zeit verflogen. Aus der heutigen Sicht könnten sich die EU sowohl die Türkei als glücklich schätzen, nicht bis zur finalen Eheschließung zusammen gefunden zu haben.

Die sehr eindeutigen Äußerungen des türkischen Wirtschaftsministers deuten dennoch auf „nicht ausgesprochene Beziehungskonflikte eines Abgewiesenen“ hin. Trotz der eingegangenen Distanz zur EU brodelt es kräftig unter der Oberfläche. Die Verleihung des Friedennobelpreises an die EU wirkte wie eine Ventilöffnung des Hochdruck-Kessels.

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