Trittin: “Stromkonzerne sind Verlierer der Energiewende”

Erneuerbare Energien-


Für das Ziel der Erneuerbaren Energien müsse ein neuer Weg eingeschlagen werden, um die Verbraucher beim Strompreis entlasten zu können. Dennoch sieht Grünen-Fraktionschef Trittin die eingeleitete Energiewende als richtig und die großen Energiekonzerne als Verlierer durch EEG an.

„Umfang der Subventionen waren nicht geplant“

Energiewende
Trittin verteidigt Atomausstieg
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Jürgen Trittin, Fraktionschef der Grünen forderte im Interview mit Welt (Montag) ein „neues Marktdesign für erneuerbare Energien und wolle dadurch die Verbraucher beim Strompreis entlasten.

Der Grünen-Politiker verteidigte im Gespräch den einst von ihm gestellten Vergleich, „die Förderung der erneuerbaren Energien kostet die Verbraucher im Monat nicht mehr als eine Kugel Eis“, gegenüber den tatsächlich angestiegenen Öko-Umlagen mit der unvorhergesehenen Subventionierung für Branchen, wie Futtermittelbetriebe, Schlachthöfe und Rechenzentren.

Es wäre nicht eingeplant gewesen, dass sich das EEG von einem Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien zu einer Subventionsmaschine entwickeln würde, so Trittin.

Der Fraktionschef sieht durch den Ausbau der erneuerbaren Energien „einen massiven Entlastungseffekt bei den Stromerzeugungskosten“, darüber hinaus seien die Preise an der Leipziger Strombörse gesunken. Trittin beklagte, dass die Energieriesen im deutschen Markt die gesenkten Börsenpreise nicht an die Verbraucher weiter gäben, denn alleine der Unterschied würde pro Jahr 3 Milliarden Euro ausmachen und die Strompreise für Haushalte in die Höhe treiben.

Dennoch sieht Trittin in den großen Energiekonzernen die Leidtragenden und erklärte der Welt, „die Verlierer der Energiewende heißen RWE, Eon, Vattenfall und EnBW. Sie hatten früher am Strommarkt einen Anteil von 90 Prozent, heute dürfte ihr Anteil zwischen 60 und 70 Prozent liegen.“

Wie sehen die „nackten Zahlen“ zu den „Verlierern“ aus?

Sofern man die „Großen 4“ der im deutschen Markt tätigen Energiekonzerne, Eon, RWE, Vattenfall und EnBW, zu den Verlierern der Energiewende zählen wolle, gilt das offensichtlich nur eingeschränkt.

E.ON kann mit Top-Gewinn glänzen
Der größte Energieversorger E.ON scheint die erste „Stresszeit“ nach dem durch die Bundesregierung verordneten Atomausstieg sehr gut überwunden zu haben. Zum ersten Halbjahr 2012 konnte der Stromriese lt. Süddeutsche Zeitung (SZ) (13.08.12) bereits eine Gewinnzunahme um 230% auf 3,1 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum verbuchen.

Dabei spielte zur positiven Bilanz bei E.ON der Energiesektor Heizgas aufgrund neuer Preisverhandlungen mit dem Großanbieter aus Russland, Gazprom, eine wesentliche Rolle. 2011 musste E.ON immerhin mit einem Verlust von 2,2 Milliarden Euro abschließen. Der Verzicht von Einnahmequellen mit der Abschaltung der Atomkraftwerke Isar 1 und Unterweser wurde als der Grund genannt.

Die Zahlen zum RWE-Konzern
RWE scheint sich via Stellenabbau über das Gröbste hinweg „saniert“ zu haben. Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern aus Essen plant für die Zukunft weitere Streichungen von Arbeitsplätzen. Der WAZ (14.08.12) stellte die Gewinnzahlen des Energiekonzerns RWE für das Quartal II 2012 mit einem Nettogewinn von 273 Millionen Euro auf. Im Vorjahresquartal musste Deutschlands zweitgrößter Energieversorger einen Verlust von 229 Millionen Euro verschmerzen. Im Vergleich zum ersten Halbjahr blieb allerdings der Nettogewinn mit rund 1,58 Milliarden Euro beinahe unverändert.

Der „Fall“ Vatenfall
Der Energiekonzern aus Schweden berichtete selbst von einem „stabilen zweitem Quartal“ und präsentierte die abschließenden Zahlen für das 3-Monats Zeitfenster. Demnach betrug im Q2 2012 der Nettoumsatz 36,703 Milliarden Schwedische Kronen (SEK) und verzeichnete einen Rückgang zum Vorjahresvergleich um 3.740 Milliarden SEK. Der Halbjahresschnitt ergab einen Umsatzrückgang von 6.614 Milliarden SEK.

Anders sieht es allerdings beim Gewinn nach Steuern aus. Vattenfall gab für Quartal II 2012 einen Gewinnanstieg um 877 Millionen SEK und für das gesamte Halbjahr 2012 auf 14,732 Millionen SEK an. (Stand 22.10.12: 1 Euro rund 8,58 Schwedische Kronen).

Die „geringfügigen“ Gewinnzahlen von EnBW
Von allen „4 Großen“ hat es offensichtlich EnBW (Energie Baden-Württemberg AG) als einzigen Energieversorger erwischt, der nicht mit zuwachsenden Gewinnzahlen in Milliardenhöhe bilanzieren konnte. Dem eigenen Bericht zufolge steigerte EnBW im ersten Halbjahr 2012 seinen Umsatz um 2,9% auf 9,7 Milliarden Euro, obwohl der Geschäftsbereich Stromerzeugung und -handel um 26,3% rückläufig war. Innerhalb des Zeitraums erreichte der Energiekonzern einen Überschuss in Höhe von 545,4 Millionen Euro.

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