Top-Ökonom: Frankreichs Insolvenz-Anfälligkeit weit höher als Sloweniens

Krisen-Anfälligkeit-


Frankreich zählt als die zweitgrößte Wirtschaftsnation Europas und darüber hinaus als ein „großer Netto-Einzahler“ in die europäischen Rettungsfonds. Ein Ausfall des Eurolandes würde die Dimensionen aller bisherigen Rettungsprogramme bei weitem übertreffen. Doch der Top-Ökonom Thomas Mayer sieht die große Wirtschaftsnation als einer der möglichen Hauptkandidaten für den nächsten Hilferuf nach Brüssel.

Frankreichs Anfälligkeit ist weit größer als Sloweniens

Paris Triumpfbogen
Aus dem Triumpfbogen droht eine Klagemauer zu werden

Ginge es nach der Anfälligkeit der Länder, die bereits dem Risiko ausgesetzt sind, in eine Finanzkrise zu rutschen, würden nicht Belgien, Italien, Malta und schon gar nicht Slowenien als die nächsten Euro-Länder um Hilfe aus dem Rettungsfonds bitten, sondern Frankreich.

Thomas Mayer, ehemaliger Chef-Ökonom der Deutschen Bank hat die derzeitigen Risiken in den einzelnen Euro-Staaten berücksichtigt und die Anfälligkeit berechnet, mit der ein Land in den Notstand zu schlittern droht. In einem Beitrag in Welt am Sonntag (07.04.13) veröffentlichte Mayer eine Art „Anfälligkeits-Charts“, bei der Frankreich als ein Land, das bisher noch keine Hilfe beanspruchte, auf der Top-Position zu finden ist.

Über die gesamte Anfälligkeits-Liste gesehen ist das Euro-Mitgliedsland Zypern die Nummer eins, gleich gefolgt von Irland und Portugal. Diese Länder sind jedoch bereits einem Rettungsprogramm unterstellt. Gleich danach folgt Frankreich und ist noch vor Spanien und Griechenland positioniert.

Der Top-Ökonom sieht drei ausschlaggebende Faktoren, die in den vergangenen drei Jahren wiederholt ihren Einfluss als Krisenauslöser bestätigt hätten. Dazu zählte die Abhängigkeit von Kapital aus dem Ausland, um die heimischen privaten Investitionen und Staatsdefizite zu finanzieren, die Staatsverschuldung und das Budgetdefizit und letztendlich der Umfang des Finanzsektors.

Frankreich würde deshalb eine sehr schlechte Position in der Krisenanfälligkeit einnehmen, da das Land zu den „meisten anderen EWU-Ländern noch kaum wirtschaftliche und finanzielle Reformen in Angriff genommen hat“, so der Mayer in Welt am Sonntag.

Die Märkte könnten völlig anderer Meinung sein
Ob die Krise tatsächlich eintrifft wäre jedoch nicht automatisch gegeben, da die berücksichtigten Faktoren nicht in allen Einzelheiten die Einschätzungen der Marktteilnehmer widerspiegelten. Das zeige sich besonders an dem klaren Widerspruch zwischen Frankreich und Slowenien. Nach Einschätzung des Ökonomen könne das kleine Slowenien aufgrund der relativ geringen Staatsverschuldung und den überschaubaren Schwierigkeiten im Bankensektor selbst schultern. Slowenien werde lediglich aus Erfahrungswerten durch die Vorgänge in Zypern, Spanien und Irland von den Märkten unter „Generalverdacht gestellt“.

Frankreich hätte noch „erheblichen Nachholbedarf“ in nahezu sämtlichen Bereichen, jedoch nicht beim Volumen des Bankensektors, so Mayer. Würde man den Blick alleine auf die Fundamentaldaten konzentrieren, könnten die Finanzwerte Frankreichs mit höheren Risikoaufschlägen bewertet werden als die von Italien. Frankreich profitierte jedoch „in hohem Maße von seiner politischen Nähe zu Deutschland“.

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