Tabu-Bruch? Eurobonds werden erneut visioniert

Euro-Krise-


Soll das Thema Eurobonds wiederbelebt und hoffähig gemacht werden? Commerzbank-Chef Blessing spricht sich für die Einführung von europäischen Staatsanleihen aus.

Eurokrise

Eigentlich sind Eurobonds für Bundesregierung ein Tabu-Thema (gewesen)

Mitgliedsländer sollen gemeinschaftlich haften

„Alle für einen, einer für alle“. Die Schuldenhaftung der Euroländer untereinander wurde bisweilen von der Bundesregierung abgelehnt. Doch die hervorgehobene strikte Haltung gegen Eurobonds scheint nun einem Prozess der Aufweichung zu unterliegen. Mindestens jedoch der Unterwanderung.

Als Aushängeschild dient wie bereits oft die „Wettbewerbsfähigkeit Europas“ und die Sicherstellung eines „international starken Euros“. Wettbewerbsfähigkeit wird gerne ohne Umwege mit der verbalen Keule „Sicherung von Arbeitsplätzen“ in Verbindung gebracht. Dabei sind Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplatz-Sicherung bzw. -Schaffung zwei unterschiedliche Stiefel.

Nun meldete sich der Chef des „halbstaatlichen“ Kreditinstituts Commerzbank, Martin Blessing, zum Thema Eurobonds zu Wort. In einem Gastbeitrag für Handelsblatt (Mittwochsausgabe) befürwortet der Chef der zweitgrößten Bank Deutschlands die Einführung von europäischen Staatsanleihen. „Durch die Einführung solcher Europa-Staatsanleihen können wir den Euro als global bedeutende Währung dauerhaft etablieren und damit die Bedeutung und Wettbewerbsfähigkeit von Europa sichern“, so Blessing.

Mit dieser Vision trachtet der Commerzbank-Chef im übertragenen Sinne nach dem Leben der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Ende Juni 2012 erklärte Merkel in der damaligen schwarz-gelben Regierungskoalition gegenüber der FDP-Fraktion, dass es mit ihr keine Eurobonds geben werde, „so lange sie lebe“. Allerdings war es Ursula von der Leyen (CDU), damals Bundesarbeitsministerin, die kurz darauf die Gesundheit der Bundeskanzlerin zumindest in Frage stellte. Von der Leyen schlug Eurobonds als eine Option vor, sollte eine gemeinsame Fiskalpolitik mit einer wirksamen Schuldenkontrolle realisiert werden können.

Noch sieht es so aus, als ginge Blessing auf vollen Konfrontationskurs mit der Bundesregierung. Doch sehr bald könnte sich herausstellen, dass soeben auf instrumentalisierte Weise ein weiterer Testballon losgelassen wurde. Die gemeinsame Schuldenhaftung würde immerhin nichts Geringeres als die Haftung der Steuerzahler für insolvente Eurostaaten sowie dem gesamten Bankensektor bedeuten.





Tarifometer24.com – Tarife – News – Meinungen

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.