Studie: „Wie reagieren Marktteilnehmer auf Überraschungen?“

Analysen-


Wichtig für die langfristige Inflationserwartung im Euroraum sei die Reaktion der Marktteilnehmer auf Überraschungen. Eine Studie des Bundesbank Forschungszentrum beschäftigte sich mit der Erwartungshaltung der Bürger, Marktteilnehmer und Analysten.

Das Vertrauen in die Zentralbank könne abgelesen werden

Wassertropfen
Das höchste Maß: Finanzmarkt-Vertrauen

Das Forschungszentrum der Deutschen Bundesbank widmete sich für eine Studie dem Thema „Inflation“. In dieser Untersuchung betrachteten die Forscher weder die Inflationsentwicklungen, noch die Gründe dafür, sondern die Entwicklung der „langfristigen Inflationserwartung“ im Euroraum.

Für die Zentralbanken habe die „langfristige Inflationserwartung“ ein großes Gewicht. Aus der langfristigen Inflationserwartung könne die Wirksamkeit der geldpolitischen Maßnahmen abgelesen werden. Die langfristigen Erwartungen seien ein „wichtiger Gradmesser für die Glaubwürdigkeit einer Zentralbank“, so Christian Speck vom Forschungszentrum.

An der langfristigen Inflationserwartung sei darüber hinaus erkennbar, ob Experten, Marktteilnehmer oder Bürger der Zentralbank vertrauen, dass ihre Geldpolitik in der Lage ist, bei kurzfristigen Abweichungen wieder für Preisstabilität zu sorgen.

Die „Überraschungen“ waren für die Studie ausschlaggebend

Das Forschungszentrum untersuchte die marktbasierten Inflationserwartungen und nahm die seit 2004 aufgetretenen Reaktionen auf makroökonmische Überraschungen ins Visier. Somit konnte festgestellt werden, wie die Markt-Akteure ihre Erwartungen an die niedrigen Inflationsrealisierungen angepasst haben.

Wenn z.B. ein Indikator über die derzeitige wirtschaftliche Lage veröffentlicht wird und von den im Vorfeld herrschenden Erwartungen der Marktteilnehmer abweicht, dann spricht man von einer „Überraschung“. Die Marktteilnehmer stehen vor neuen Informationen über den Zustand der Konjunktur da und wurden „überrascht“.

Das Forschungszentrum der Deutschen Bundesbank stellte fest: Die Inflationserwartung auf makroökonomische Neuigkeiten reagiert nach Ausbruch der Finanzkrise mehr als zuvor. Dies sei besonders an den Prognosehorizonten feststellbar.

Laut der Studie haben Inflationserwartungen über sehr lange Prognosehorizonte zu keiner Zeit auf konjunkturelle Überraschungen reagiert.“Die Reaktion mittelfristiger Erwartungen ist deshalb ein Zeichen einer längeren Anpassungsphase der Inflation an das Inflationsziel des Eurosystems und sollte nicht als Inflationsentankerung oder als Glaubwürdigkeitsproblem des Eurosystems interpretiert werden“, schlussfolgert der Studien-Autor.

Die dicksten „Überraschungen“ wurden übersehen

Die Studie des Bundesbank Forschungszentrum geht noch weiter ins Detail und legt auch die angewandte Methodik dar.(wer sich’s antun will). Wichtig scheint zumindest zu sein, dass die konjunkturelle Entwicklung „Überraschungen“ bietet und die langfristige Inflationserwartung seit der von den Banken angestoßenen Finanzkrise auf „überraschende Neuigkeiten“ anders reagiert als zuvor.

Wenn die im Vorfeld aufgestellten Prognosen bei der Aufnahme des tatsächlichen Zustandes zum Zeitpunkt „X“ nicht zutreffen, dann ist es eine „Überraschung“. Verfolgt man die Erwartungen von IWF, Bundesbank, Bundeswirtschaftsministerium, Weltbank, OECD und eine Schar von Ökonomen in den vergangenen Jahren, so schlittern die Marktteilnehmer von einer Überraschung in die andere.

Der Börsenhändler weiß es, der Broker weiß es, die Börsenaufsicht weiß es, die Ökonomen wissen es und auch sicher die Bundesbank. Die Entwicklungen in der Wirtschaft wie auch in den Finanzmärkten hängen mehr von der Erwartung der Analysten ab als von Fakten und Zahlen in der Realität. Trifft eine Prognose zu, hängt das wohl eher mit der Theorie der „selbsterfüllenden Prophezeiung“ zusammen, als mit weiser Voraussicht. Trifft es nicht zu, handelt es sich um eine „Überraschung“.

Das Vertrauen in die Europäische Zentralbank kann sicher nicht mehr an ihrer Sorge um die Geldwertstabilität festgemacht werden. Dass die EZB hier seit 2008 nur hilflos herum rudert und dabei nur noch schneller im Sumpf abtaucht, ist längst offensichtlich. In einer Art Selbstermächtigung betätigt sich die EZB inzwischen weit über ihr Mandat hinaus als Staats-Finanzier, als Banken-Restaurator und zum Verdruss aller Handelsplatz-Aktiven auch noch als ordinärer Marktteilnehmer, dazu mit unerschöpflich vollgestopften Geldsäckeln.

Das Anleihekaufprogramm der EZB umfasst inzwischen 80 Milliarden Euro pro Monat. Die Zinsen sind auf Null bzw. unter Null. Nun nimmt die Euro-Hüterin auch noch den Markt der Unternehmensanleihen ins Visier, um sich als fleißiger Käufer zu betätigen. „Eiserne Regeln“ wie Maastrichter Kriterien und der Verbot der Staatsfinanzierung sind gemäß „was geht mich mein Geschwätz von gestern an“ über Bord geworfen worden. Das alles gelangt auch in die Köpfe der Marktteilnehmer, der Bürger und Experten. Wenn der IWF das nächste Mal das prognostizierte globale Wirtschaftswachstum um ein paar Nachkomma-Prozentpunkte nach unten korrigiert, dann ist das Routine, aber keine Überraschung mehr.

Die dicksten Überraschungen innerhalb des Euroraumes hat die Studie somit nicht berücksichtigt.


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