Spekulationen über Italien-Exit schlagen hohe Wellen

Italienkrise-


Das Gedankenspiel über einen Euro-Austritt Italiens stößt auf teils heftige Ablehnung in der Politik und bei Wirtschaftsexperten. Während Ansgar Belke jegliche Spekulationen über einen Italien-Exit als gefährlich hält, weist Commerzbank Chef-Ökonom Krämer darauf hin, dass die Aufnahme des Landes in die Eurozone aufgrund zu hoher Staatsverschuldung eine politische Fehlentscheidung gewesen sei.

„Aufnahme Italiens verstieß gegen Maastrichter Vertrag“

Euroaustritt Italiens
Spekulativer Italien-Exit schlägt hohe Wellen

Die Spekulationen des FDP-Fraktionschefs Rainer Brüderle über ein durchaus mögliches Szenario eines Austritts Italiens aus der Eurozone riefen erheblichen Unmut bei Wirtschaftsexperten und deutschen Parteien hervor. Brüderle sieht die Entscheidung über einen Verbleib in der Währungsgemeinschaft allein in der Hand Italiens.

Sofern sie sich nicht anpassen wollen, müssten sie eben die Konsequenzen ziehen, erklärte der FDP-Politiker in einer ZDF-Talkshow, und hielt zugleich Frankreich als das viel größere Sorgenkind.

Der „große Zuspruch“ aus wissenschaftlichen und politischen Reihen ist jedoch ausgeblieben. So konterte lt. Handelsblatt Online (Freitag) Joachim Poß, Fraktions-Vize der SPD, dass die Äußerungen Brüderles bereits in der Vergangenheit mehrmals dazu beigetragen hätten, die Situation in der Eurozone zu destabilisieren.

Deutsche Wirtschaftsexperten halten bereits die Spekulation über einen Austritt Italiens für gefährlich. Ansgar Belke, Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre an der Universität Duisburg-Essen, erklärte gegenüber Handelsblatt Online, „ein Exit Italiens ist nicht ausgeschlossen, könnte aber, anders als bei einem Austritt Griechenlands, Portugals etc., das Ende der Euro-Zone insgesamt zur Folge haben.“ Das Land verfügte über ausreichend Ressourcen und könne sich gegen die Schuldenkrise stemmen. Der private Sektor wäre gegenüber Griechenland, Portugal und Spanien verhältnismäßig gering verschuldet und der italienischen Bevölkerung könne man mehr Einsparungen und höhere Steuern zumuten als der griechischen Bevölkerung, so Belke. Diese Gründe sprächen klar gegen einen Italien-Exit.

Italien wurde in die Eurozone „gemogelt“
Italien hätte lt. den Statuten des Maastrichter Vertrages gar nicht in die Euro-Zone aufgenommen werden dürfen, erklärte Commerzbank Chefvolkswirt Jörg Krämer Handelsblatt Online. Zum Zeitpunkt 1999, als Italien beigetreten ist, habe das Land einen viel höheren Schuldenstand gehabt als der Maastricht-Vertrag zuließe. Besonders nach den Erkenntnissen der Staatsschuldenkrise hätte sich ein Fernbleiben Italiens als erst recht besser erwiesen, so Krämer. Leider wäre es sehr gefährlich, jetzt diese politische Fehlentscheidung wieder rückgängig zu machen, resümierte der Chef-Ökonom.

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