Sparer-Enteignung: Dämmert nun Brüssel der eigene Fehler?

Sparer-Enteignung-


Den Funktionären in Brüssel scheint es langsam zu dämmern, welchen immensen Schaden ihr Vorstoß zur Sparer-Enteignung in Zypern eigentlich anrichtete. Derzeit stehen die Chancen gut, dass die Zwangsabgabe für jeden einzelnen Kleinsparer Zyperns noch entschärft werden könnte. Eine gesamte Entlastung der Anleger steht jedoch nicht zur Debatte.

Das Vertrauen der Sparer in Europa scheint aufgebraucht

Euro Vertrauen
Sorge um Märkte motiviert zu Neuverhandlungen

Die Entscheidung, auch zyprische Kleinsparer an der Rettung des Bankensektors auf der Mittelmeerinsel zu beteiligen, könnte noch revidiert werden. Offenbar hat sich das „Gespann“ aus Euro-Gruppe, Internationaler Währungsfonds (IWF), Europäische Zentralbank (EZB) und die EU-Kommission etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt und die möglichen Folgen ihrer Entscheidung unterschätzt.

Mit der blitzschnellen Verbreitung der Nachricht über die anteilige Enteignung der Kleinsparer folgte zugleich eine massive Verunsicherung sämtlicher Konto-Inhaber innerhalb der Euro-Zone. Als wenn an dem vermeintlichen Schuldigen ein „Exempel statuiert“ worden wäre, fragten sich mit Sicherheit sehr viele Anleger, ob ihm das auch in Frankreich, in Italien oder in Deutschland passieren könnte.

Während die EU-Funktionäre pausenlos davon predigen, das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen, um damit den Euro vermeintlich über Wasser halten zu können, wird sichtlich mit gleicher Härte daran gearbeitet, das Vertrauen der Bürger in die EU-Politik vollständig zu untergraben. Dieser Vorgang scheint den wahren und bisher verborgenen Charakter des großen „Euro-Experiments“ endgültig an die Oberfläche gebracht zu haben.

Der Geist ist inzwischen aus der Flasche geholt worden und dieser lässt sich nicht mehr so leicht einfangen, um dem EU-Bürger wiederholt ungeniert Honig um den Mund schmieren zu können. Das Vertrauen ist dahin.

Schon wieder Sorge um Banken und Märkte
Wäre die Lage um jeden einzelnen Sparer nur halb so schlimm, könnte man den neuen Bemühungen in Brüssel durchaus etwas Ironie abgewinnen. Doch die aufflammende Sorge über die Folgen der eigenen Entscheidung erinnert an puren Zynismus.

Inzwischen scheint die Regierung Zyperns ihre Ankündigung, die Bedingungen zum 10 Mrd. Euro-Hilfspaket neu verhandeln zu wollen, umzusetzen. Im Mittelpunkt steht die „Zwangs-Steuer“ für jeden Anleger bei einer zyprischen Bank. Auf der einen Seite sollen Sparer mit einem geringeren Sparguthaben als 100.000,- Euro nur noch mit 3% statt mit 6,7% belastet werden und andererseits gäbe es als „Ausgleich“ eine Anhebung der „Sonder-Steuer“ für Guthaben über 100.000,- Euro. Im Gespräch sind 12,5% statt 9,9%.

Brüssel fürchtet sich nicht primär um den Zorn der Sparer, sondern um deren unverhoffte, aber durchaus verständliche Reaktion, ihr Geld von den Konten räumen zu wollen. Bundesfinanzminister Schäuble (CDU) schob die Verantwortung zur Entscheidung, ausnahmslos alle Sparer „rasieren“ zu wollen, bereits auf die EU-Kommission, die EZB und Zyperns Regierung. Der massive Abzug von Kapital könnte die ohnehin schon wackelnden Banken in den Krisenländern Italien, Portugal und Griechenland den finalen Stoß versetzen.

Final müsste man sich die Frage stellen, ob die befürchtete (propagierte) vom insolventen Zypern ausgelöste Kettenreaktion nicht den gleichen Schaden anrichten könnte, wie endgültig kippende Banken in den großen Wirtschaftsnationen wie Italien. Brüssel begründete die notwendige Rettung Zyperns aufgrund deren „Systemrelevanz“, obgleich die genaue Definition, geschweige Begründung ausgeblieben ist.

Vordergründig sei es der gefährdete Bankensektor Griechenlands, der enge Geschäftsverbindungen mit der Mittelmeerinsel pflegte. Nun sind Zypern und Griechenland wahrlich keine Wirtschaftsriesen in der Euro-Zone. Zypern schafft es gerade auf rund 0,1% des BIP der gesamten EU. Wie sich jedoch der massive Abzug von Kapital von z.B. Süd nach Nord auswirken könnte, erlebte die Welt erst letztes Jahr und war u.a. an den teilweise ausgegebenen deutschen Staatsanleihen mit Negativ-Renditen klar erkennbar.

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