Sinn und Burda: Ökonomen streiten über Euro Krisenlösung

Schuldenkrise-


Mit Hans-Werner Sinn und Michael Burda stehen sich eine der renommiertesten Ökonomen gegenüber und erklären die Ansätze und möglichen Wege aus der Schuldenkrise. Beide sind sich einig, dass die Krise zu eskalieren droht. Für Sinn steht das Schlimmste noch bevor, während Burda für eine „kontrolliert leichte Inflation“ plädiert. Die Meinungen zur Krisenbewältigung gehen weit auseinander.

Temporärer Euro-Austritt vs. kontrollierte Inflation

Krisenlösung
Lösungswege: Wer behält recht?
Bild: CC0 1.0 Universell

„Für jede Theorie findet man einen Professor der sie bestätigt“, selbst wenn das Ergebnis zur gleichen Angelegenheit völlig gegensätzlich sein sollte.

So stehen auch zum Thema Eurokrise zahlreiche Ökonomen zur Verfügung, deren Problemerklärungen und Lösungsansätze ganz nach der eigenen Ansicht ausgewählt werden könnten.

Ein Beispiel bieten der Präsident des Münchener ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, und der US-Wirtschaftswissenschaftler Michael Burda, Professor an der Berliner Humboldt-Universität, mit einem Streitgespräch in der Süddeutschen Zeitung (SZ) (Samstag).

Demnach sieht Hans-Werner Sinn die Politik Europas auf ihrem gegenwärtigen Kurs scheitern, während Michael Burda sich dafür ausspricht, den Krisenländern dadurch zu helfen, die Inflation in Deutschland in einem gewissen Bereich zu tolerieren.

Der ifo-Chef sieht für Europa das „Schlimmste“ noch kommen. Derzeit würde an zwei Fronten gekämpft werden, so Sinn und erklärte, „an der einen lässt sich die Finanzkrise mit immer mehr Geld ja noch irgendwie eindämmen. Die andere ist die Strukturkrise. Die mit Reformen zu lösen, ist viel schwieriger. Das wird uns noch viele Jahre beschäftigen.“

Von einem „ökonomischen Chaos“, sollte Griechenland von Europa fallen gelassen werden, geht Michael Burda aus.

Mit aller Macht versuchten die Regierungen Europas den Euro in seiner derzeitigen Form beizubehalten. Hans-Werner Sinn glaubt, dass die Politik mit diesem Kurs zum Scheitern verurteilt ist und begründet seine Ansicht mit einem für manche Mitgliedsländer sehr teuer gewordenen Euro, dass es für sie unmöglich sei, innerhalb der Gemeinschaftwährung wettbewerbsfähig zu werden. Sinn plädiert für ein vorübergehendes Ausscheiden von Krisenländern aus der Euro-Zone über einen systematischen Mechanismus.

Für den ifo-Präsidenten müsse es eine Möglichkeit geben, dass einzelne Länder aus dem Euro austreten könnten, um nach einer Abwertung wieder zurück zu kehren. Besonders Griechenland könne die notwendigen Reformmaßnahmen innerhalb der Euro-Zone nicht bewältigen. Nun bräuchte Europa einen noch größeren Schuldenschnitt und es würde sich nicht auf Griechenland beschränken. „Spanien hat ein riesiges Bankenproblem mit unglaublichen Bankschulden, die nicht gedeckt sind“, erklärte Sinn der SZ.

Burda ist völlig anderer Meinung und erklärte im Streitgespräch, „die Politik wäre gut beraten, den Austritt Griechenlands gar nicht erst zu diskutieren. Austreten, abwerten, eintreten: Das funktioniert doch nur in der Theorie“. Für den US-Ökonomen wird das in der Praxis nicht beherrschbar sein. Burda hält es für sehr wahrscheinlich, dass es innerhalb Europas zu großen Bewegungen kommen wird. Deutschland wird nicht nur das Ziel für Fluchtkapital werden, sondern auch für die Griechen selbst, befürchtet Burda.

„Inflation wäre ein möglicher Weg“
Der US-Ökonom plädiert zur Unterstützung der Anpassungen von Krisenländern durch eine leichte Inflation in Deutschland. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir vier Prozent mehr Inflation über fünf Jahre tolerieren. Die Deutschen haben jahrelang Nullrunden erlebt, viele würden sich über eine Lohnerhöhung freuen“, erklärte Burda. Der Professor an der Berliner Humboldt-Universität geht davon aus, dass die Inflation zu diesem Zeitpunkt noch nicht einsetzte, aber in zwei oder drei Jahren.

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