Sinn: Notwendige Anpassungen gegen Eurokrise blieben aus

Eurokrise-


Eine Phase der Ruhe in der Eurokrise dürfe nicht über die Ferne einer echten Krisenlösung hinweg täuschen. Hans-Werner Sinn sieht nach wie vor die absolute Notwendigkeit, die Wettbewerbsverhältnisse innerhalb der Eurozone zu korrigieren. Bisher wären keinerlei Schritte in diese Richtung unternommen worden.

Preise Südländer runter, Preise Deutschlands rauf

EU Wettbewerbsfähigkeit
Das Euro-Kräfteverhältnis ist noch zu unausgewogen
Bild: Gerd Altmann/Hintergrund:pixabay / pixelio.de

Die Krise in Europa befindet sich seit Sommer 2012 in einer Ruhephase, aber gelöst sind die Probleme noch längst nicht, argumentierte Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchener ifo-Instituts in einem Gastbeitrag bei faz.net. Der ifo-Chef sieht drei Gründe für die derzeitige Pause in der Euro-Krise. Die Klagen gegen den dauerhaften Rettungsschirm ESM wurden durch das deutsche Verfassungsgericht abgelehnt. Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) durch unbegrenzte Käufe von Staatspapieren deren Kursverfall zu verhindern. Die Zusage der Euro-Länder, die ESM-Mittel auch für die Rekapitalisierung der südeuropäischen Banken zu verwenden.

Eine Lösung der Eurokrise ist noch fern
Der Ökonom sieht aus zwei Gründen die Krisenlösung noch in weiter Ferne. Einmal wäre die Wettbewerbskrise nicht beendet worden, die sich darüber hinaus auch noch ausweitete. Der durch den Euro verursachte billige Kredit ließ die Südländer zu teuer werden. Nun wären die betroffenen Länder dazu angehalten, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Eindämmung ihrer Inflation gegenüber den Wettbewerbern in der Euro-Zone zu steigern. Bis zum Erreichen der Wettbewerbsfähigkeit werde eine langwierige Flaute von mindestens 10 Jahren erforderlich sein, so Sinn.

Portugal, Spanien und Griechenland müssten auf langfristige Sicht im Vergleich um rund 30 Prozent günstiger gegenüber dem Durchschnitt in der Eurozone werden, damit sie die Wettbewerbsfähigkeit wiedererlangten. Sogar Frankreichs Preise müssten gegenüber dem Durchschnitt um 20 Prozent sinken.

Für Deutschland müsse der umgekehrte Weg beschritten werden. Gegenüber dem Durchschnitt wäre es erforderlich, dass die Preise in Deutschland um rund 20 Prozent ansteigen, so der ifo-Chef. Deutschland müsse z.B. für 10 Jahre um 5,5 Prozent pro Jahr inflationieren, damit kein anderes Land in die Deflation gezwungen werden würde. Der Preisdurchschnitt der Euroländer würde um 3,6 Prozent ansteigen.

Konkrete Ziele der einzelnen Länder
Damit das Ziel erreicht werden könne, müsste die Inflationsrate bei durchschnittlich 2,3 Prozent liegen. In Deutschland wäre eine Inflationsrate in Höhe von 4,1 Prozent p.a. notwendig und die Preise in Spanien müssten jährlich um 1,3 Prozent fallen.

Für die Länder Südeuropas und Frankreichs stünde eine Phase „äußerst schwieriger Anpassungen“ bevor, so Sinn. Die Gesellschaftssysteme könnten sogar vor einer Zerreißprobe gestellt werden.

Von den notwendigen Preissenkungen wäre bisher „so gut wie nichts passiert“, resümierte Sinn.

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