Sinn kritisiert die Leitzinssenkung der EZB als falschen Weg

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Verständnis für die Reaktion der Europäischen Zentralbank, die Leitzinsen zu senken, aber dennoch falsch. ifo-Chef Hans-Werner Sinn hält die Reaktion auf die „Angst vor der japanischen Krankheit“ als den falschen Weg.

Eurokrise

Verständliche Angst vor Deflation, aber japanisches Rezept ist falsch

„Ein Doktor der die unverstandene Krankheit zu heilen versucht“

Europa fürchte die „japanische Krankheit“, so der Chef des Münchener ifo-Instituts Hans-Werner Sinn. Gemeint ist der in Japan seit vielen Jahren andauernde Kampf gegen die Deflation. Der Deflator zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank zwischen 1999 und 2013 um durchschnittlich 1,2 Prozent pro Jahr. Heute befinden sich die Preise in Japan auf dem Niveau von 1980. „Das war eine Katastrophe“, so Sinn. Letztendlich mündeten die Gegenmaßnahmen in einer massiven Abwertung des Yen.

In der Eurozone lag der Deflator zum BIP im zweiten Quartal 2013 lediglich um plus 1,6 Prozent höher als im gleichen Vorjahreszeitraum. Der Verbraucherpreisindex stieg im Oktober um lediglich 0,7 Prozent an. „Dies sind in der Tat niedrige Zahlen“, so der ifo-Chef. Es sei verständlich, dass die Europäische Zentralbank (EZB) Angst vor einer Deflation zeigte und die Leitzinsen in der vergangenen Woche reduzierte.

Jedoch könne die Deflation in Teilen einer Währungsgemeinschaft nicht das gleiche sein wie eine Deflation einer gesamten Gewerkschaft. Die internen Effekte auf die Wettbewerbsfähigkeit können nicht durch Wechselkursanpassungen ausgeglichen werden. Griechenland, Portugal und Spanien müssen in der Tat um rund 30 Prozent gegenüber dem Euroraum Durchschnitt abwerten. Erst so können die Verzerrungen, die noch vor der Krise durch eine inflationäre Kreditblase aufgrund der Einheitswährung generiert wurden, korrigiert und die Wettbewerbsfähigkeit wiederhergestellt werden.

Die EZB solle daher nicht gegen die moderate Deflation in diesen Ländern vorgehen, sondern darauf abzielen, die Deflation durch eine Inflation im nördlichen Euroraum, insbesondere Deutschland, anzugehen. Dazu wäre Zurückhaltung und nicht Aktivismus notwendig, so Sinn.

Eine moderate Inflation in Deutschland, abgestimmt mit einer moderaten Deflation in Südeuropa würde Wunder bewirken, um eine „japanische Krankheit“ zu vermeiden. Das Vorgehen der EZB erinnerte an einen Arzt, der die Krankheit nicht versteht die er zu heilen versucht und von schweren unvorhergesehenen Nebenwirkungen überrascht wird, so der ifo-Chef.

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