Sinn: Europäische Nachbarn geraten 2013 ins Hintertreffen

Konjunktur 2013-


Im Jahr 2013 wird sich Deutschland konjunkturell nur geringfügig erholen. Allerdings heben sich die stabilitätsorientierten Euro-Länder im Wachstum gegenüber der restlichen Euro-Zone deutlich ab. Hans-Werner Sinn sieht ein steigendes Wettbewerbsproblem in der Euro-Zone.

Euro-Südländer geraten noch mehr ins Hintertreffen

Konjunktur 2013
Gedämpfter Aufschwung 2013

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“. Hans-Werner Sinn, Chef des Münchener ifo-Instituts, setzt für eine Erholung der Weltwirtschaft voraus, dass die überschuldeten Industriestaaten, insbesondere die Krisenländer Südeuropas und auch die USA, ihre Finanzen im Haushalt nachhaltig in Ordnung bringen. In einem Gastbeitrag in der Wirtschaftswoche (WiWo) (Montag), hofft der Ökonom auf ein 2013 als das Jahr der Konsolidierung nach den letztjährigen Schockwellen der Euro- und Finanzkrise.

Trotz der durch Bremseffekte vorübergehend belasteten Konjunktur sieht Sinn die Weltwirtschaft im neuen Jahr nicht in eine Rezession abgleiten. Dies würde bereits durch die aufstrebenden Schwellenländer verhindert werden. Da die Wirtschaftslage Deutschlands heute viel mehr von der globalen Wirtschaft als von der Wirtschaft im Euroraum abhängig sei, würde die dynamische Entwicklung der Schwellenländer auch für Deutschland sehr zuträglich sein, so Sinn. Immerhin wäre der Exportanteil in die heutigen Euro-Länder zwischen 1995 und 2011 um 7 Prozentpunkte gesunken.

Die konjunkturellen Schieflagen im Euro-Raum könnten Deutschland nicht mehr allzu stark treffen. Im kommenden Jahr sieht ifo-Chef Sinn für die stabilitätsorientierten Länder des ehemaligen „D-Mark-Blocks“, dazu zählen Deutschland, die Niederlande, Finnland und Österreich, ein Zuwachs um 0,5 Prozent, während dem Rest der Euro-Zone ein Wirtschaftsrückgang um 0,6 Prozent drohe. Demnach dürften die Wirtschaftsaktivitäten im Euro-Raum um 0,2 Prozent fallen, so Sinn.

Seit Sommer 2009, nach der Überwindung der ersten heftigen Finanzkrise, ginge Deutschland als ein Land hervor, dass gegenüber den meisten anderen Euro-Mitgliedsstaaten das größte Wachstum vorweisen könne. Noch jahrelang zuvor war die deutsche Wirtschaft beim Wachstum das Schlusslicht, bzw. auf vorletzter Position. Sinn sieht den Grund durch den Euro ausgelösten massiven Kapitalabfluss aus Deutschland noch vor der Finanzkrise. Erst nach dieser Krise kehrte das private Kapital wieder ins Bundesgebiet zurück. Per Saldo rechnerisch wäre es dennoch nach und während der Krise zu einem Nettokapitalexport der Bundesrepublik gekommen, weil die Bundesbank über das Target2-System für einen massiven öffentlichen Kapitalexport und die EU-Rettungsschirme für entsprechenden Abfluss sorgten.

In den Jahren 2010 und 2011 nennt Sinn neben dem Export auch den durch den Kapitalrückfluss ausgelösten Bauboom in Deutschland als die Hauptantreiber des Wachstums. Eine Abkühlung der Entwicklungen besonders bei den Ausrüstungsinvestitionen fand dennoch statt, weil das Jahr 2012 „ganz im Zeichen der Wiederbelebung des Kapitalflusses nach Südeuropa unter dem Geleitschutz öffentlicher Rettungsschirme“ stand.

Die Konjunkturabteilung des ifo-Instituts rechnet 2013 mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,7 Prozent. Für die Inflationsrate geht das Münchener Institut von 1,6 Prozent aus. Dennoch bestehen zu den Prognosen erhebliche Unsicherheiten, so Sinn.

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