Sinn: Deutschland erleidet Verluste durch Überschüsse im Export

Wirtschaftspolitik-


Leistungsbilanzüberschüsse in Höhe von sieben Prozent zur Wirtschaftsleistung sind nicht gesund, so ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Im Ausland angelegte Gelder könnten als ein Verlustgeschäft hervorgehen. Das Geld der Sparer wurde in Griechenland ohnehin schon ausradiert.

Hans-Werner Sinn

Bilanzüberschüsse im Aushandel sind angeschriebene Rechnungen – Begleichung unbekannt

Exportüberschüsse sind die Schulden der anderen Länder

In umgekehrter Sichtweise könnte die deutsche Exportwirtschaft auch als „krank“ bezeichnet werden, wenn Top-Ökonom Hans-Werner Sinn vom Münchener ifo-Institut die hohen Überschüsse der letzten Jahre als „ungesund“ beschreibt, wenn diese bereits rund sieben Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachten.

Sinn erklärte der Wochenzeitung Die Zeit, dass die enormen Exportüberschüsse Deutschlands ein Verlustgeschäft darstellten. Spargelder fließen ins Ausland ab und auf eine Rückzahlung könnte u.U. vergeblich gewartet werden. Ein gutes Beispiel gebe Griechenland ab. Mit dem Schuldenschnitt wurde ein Teil der deutschen Ersparnisse im Ausland „einfach ausradiert“.

Die Investition des Kapitals im Inland sei sinnvoller, so der Ökonom. Für eine gesteigerte Produktivität in der Heimat wäre ein höheres Engagement in Deutschland besser gewesen. Gute Geschäfte fielen für die Exportwirtschaft ab, aber die Bevölkerung ging auf weiter Ebene leer aus, so Sinn.

Der Kreis der Kritiker gegen Deutschlands „Export-Sucht“ wird größer und findet mit Hans-Werner Sinn nun einen weiteren Anhänger aus dem Inland. Die USA, der Internationale Währungsfonds (IWF) sowie die EU-Kommission bilden bereits eine einflussreiche Formation gegen die deutsche Exportpolitik und erhielten Verstärkung durch den „Rundumschlag“ des US-Ökonomen Adam Posen.

Doch das Institut für Makroökonomie (IMK) wies schon Anfang Mai 2013 mit einem warnenden Zeigefinger darauf hin, dass die Leistungsbilanzüberschüsse einer Geldvernichtung von rund 20 Prozent gleichkommen. Gleichzeitig forderte das IMK eine Verlagerung der Investitionen vom Ausland ins Inland. Offenbar hörte man nicht richtig hin.

Bild: ifo-Institut

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