Sinn: Der Euro könne Griechenland nicht zugemutet werden

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Offenbar hat das EU-Management zur Schuldenkrise die angeschlagenen Südländer in eine Sackgasse manövriert. Auferlegte Sparkurse würden die Krisenstaaten lediglich in eine Depression führen, statt mit Währungsabwertungen für Wettbewerbsfähigkeit zu sorgen. So erklärte ifo-Chef Sinn, dass die Verhinderung von Euro-Austritten lediglich dazu diene, den Gläubigern zu ihren Forderungen zu verhelfen.

Vom Ende der Griechenlandkrise ist nichts in Sicht

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Euro-Krise ohne Ende?
Bild: Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Die neben Griechenland derzeit meist diskutierten Krisenländer Italien, Spanien und Portugal befinden sich offenbar in einer Zwickmühle. Hans-Werner Sinn, Chef des Münchener ifo-Instituts erklärte in einem Interview mit fr-online.de (Freitag), dass die Sparanstrengungen der Länder zwar zu groß bemessen wären, um von der Gesellschaft getragen werden zu können, aber dennoch zu gering wären, um die notwendigen Ziele der Wettbewerbsfähigkeit durch Preissenkungen zu erreichen. Die klaffende Lücke zeige wie „unhaltbar die Situation im Euro-Raum inzwischen für einzelne Länder geworden ist“, so Sinn.

Die Wettbewerbsfähigkeit könne im Euro nur „durch ein Tal der Tränen“ wieder hergestellt werden. Die von den Regierungen auferlegten Sparprogramme würden zu einem Abflauen der Wirtschaft und zur Anhebung der Arbeitslosenquote führen, erklärte Sinn der fr-online. Die darauf sinkenden Löhne und das geringere Preisniveau würden die Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellen können. Manche europäische Länder sind zu teuer und leben über ihre Verhältnisse. Aus diesen Problemen könne man nicht herauswachsen, so der ifo-Chef.

Griechenland ist noch weit vom Ziel entfernt
In Griechenland befände sich das Lohn-Niveau bereits in diesem Jahr in einem Abwärtstrend, dennoch stünden in den ersten Jahren der Krise noch schnellere Lohnsteigerungen gegenüber. Vor der Krise sei das Lohnniveau in Griechenland regelrecht explodiert, so Sinn und stellte fest, „Griechenland ist meilenweit von dem Zustand der Wettbewerbsfähigkeit entfernt“. Noch stünde ein sinkendes Preisniveau als Folge der Lohnsenkungen aus, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen.

„Der Euro ist Griechenland nicht mehr zuzumuten“
In der Abwertung der eigenen Währung sieht Sinn das klassische Instrument, welches in jedem Lehrbuch zu finden sei. Griechenland säße in der Falle, da der größte Marktkonkurrent, die Türkei, gleich neben wäre und auf dem Weltmarkt die exakt identischen Waren verkaufe. Aus diesem Grund könne Griechenland die eigene Währung nicht abwerten. Der eingeleitete Sparkurs würde deshalb nur zu einer Depression führen und das Land an den Rand des Zusammenbruchs führen, so Sinn im Interview mit fr-online.

Der Erkenntnis einer Währungsabwertung wolle man sich nicht beugen und versuchte dagegen sicher stellen, dass ein Land nicht aus der Eurozone austreten müsse. Das geschehe nur aus Interesse der Gläubiger, damit sie ihr Geld wieder bekämen, erklärte der ifo-Chef und fügte hinzu, „denn jedes Jahr, das ein Land im Euro bleibt und staatliche Kredite erhält, ist ein Jahr, in dem sich mehr Alt-Gläubiger aus dem Staub machen können. Letztlich geht’s nur darum.“

2 Gedanken zu „Sinn: Der Euro könne Griechenland nicht zugemutet werden

  • 25. November 2012 um 16:00
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    Ich denke um die „Erklärungsnot“, warum manche Länder bei anderen Ländern in der Kreide stehen, geht es gar nicht, sondern vielmehr wird eine „Wissenschaft“ daraus gemacht, wie man der Öffentlichkeit am besten erklären soll, dass die Schulden der heutigen sog. Krisenländer abgeschrieben werden müssen.

    Eine positive Außenhandelsbilanz die zum Großteil darauf basiert, dass man den Kunden hat anschreiben lassen, ist am Ende auch nichts mehr wert. Dann wäre es auch egal in welcher Währung der Ausgleich eben nicht erfolgen wird.

  • 24. November 2012 um 16:09
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    Die Zinsumverteilung zwischen den Nationalstaaten entsteht dadurch, dass Länder mit negativer Außenhandelsbilanz immer mehr auf Kredite angewiesen sind, um Waren bezahlen zu können, die sie aus Ländern mit positiver Außenhandelsbilanz beziehen. Damit steigt auch die Zinslast der ärmeren gegenüber den reichen Ländern, bis sie in eine dauernde Abhängigkeit (deutlich: in die Zinssklaverei) geraten. Im Falle der Europäischen Währungsunion war das katastrophale Ergebnis vorhersehbar, denn ein gemeinsames Zinsgeld führt nicht etwa zu einer „europäischen Einigung“, sondern muss im Gegenteil die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten noch vergrößern, weil die schwächeren Volkswirtschaften keine Möglichkeit mehr haben, ihre Landeswährung gegenüber den anderen Währungen abzuwerten und damit ihre Außenhandelsbilanz wieder zu verbessern. Wir sehen also: Es bedarf keiner komplizierten Theorien, die eigentlich gar nichts erklären, wenn die einfachste Theorie alles erklärt.

    Die Finanzkrise und die Krise der hohen Politik
    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-finanzkrise-und-die-krise-der-hohen.html

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