Sind Einflüsse der Ratingagenturen noch groß?

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Die gestern u.a. über Deutschlands Bonität neu abgegebene Einschätzung durch die US-Ratingagentur Moody’s, beflügelt die Spekulationen darüber, in wie weit neue Bonitätswerte die Märkte und Politik überhaupt noch beeinflussen. Zwischen „überhaupt nicht mehr“ und „es bewegt sich doch was“, sind die Meinungen offensichtlich gespalten.

Das Machtspiel der Ratingagenturen

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Das Spiel der Agenturen
Bild: Alexandra H. / pixelio.de

Die Nachricht zu den negativen Aussichten für Deutschland, Niederlande und Luxemburg konnte von den Medien natürlich nicht ignoriert werden. Stand bisher eine Abwertung der Kreditwürdigkeit stets als das von allen gefürchtete Schreckgespenst im Raum.

Nun verlor Deutschland nach Ansicht Moody’s die Fähigkeit auf langer Sicht Stabilität wahren zu können und kassierte prompt ein „Negativ“.

Wie reagieren Politik und Märkte auf die Ratingagenturen?
Das Bundesfinanzministerium brauchte nicht lange, um eine Antwort zu verkünden. Das Ministerium unter Wolfgang Schäuble (CDU) nehme Moody’s Einschätzung zur Kenntnis. Dieser eindeutigen Neutralität schießt sich auch Jean-Claude Juncker, Chef der Europ-Gruppe, an und nimmt die neue Bewertung ebenfalls zur Kenntnis.

Dem Markt scheint es offenbar ebenfalls nicht viel zu kümmern, wie eine US-Agentur aus New York über die europäischen Verhältnisse urteilt. Die FAZ (Dienstag) berichtet von einem Händler an der Frankfurter Börse, der Moody’s Entscheidung als eine Randerscheinung behandelt und bekräftigt, dass „das Thema heute nicht groß auf der Agenda ist“.

Es scheint, als können die Ratingagenturen kaum mehr die Kurse und Zinsen beeinflussen, obwohl ihre Arbeiten primär dieses Ziel verfolgten.

Das komplett gegensätzliche Bild zeigt sich jedoch zu den deutschen Anleihen. Wie heute die Deutsche Wirtschafts Nachrichten berichtet, steigen die Zinsen der deutschen Anleihen nach der Veröffentlichung von Moody’s Einschätzungen wieder an. Nach wie vor stehen die Zinssätze der deutschen Staatspapiere auf einem sehr niedrigen Stand. Dennoch wurde bereits am Vormittag ein sofortiger Anstieg der Zinsen festgestellt.

Zehnjährige Anleihen stiegen auf 1,258% an und zwei- sowie fünfjährige Schuldverschreibungen erhielten einen Zinsaufschlag um 32%, bzw. 21%. Von einem Ignorieren der Ratingagentur kann in diesem Fall nicht gesprochen werden.

Entmachtete Ratingagenturen, ein Wunschgedanke?
Kontrovers. Das Börsengeschäft vermochte die Ratingagentur offenbar nicht zu beeinflussen, die Zinssätze der Staatspapiere und deren Investoren jedoch unmittelbar. Die Politik zeigt sich gelassen, eine andere Reaktion wäre überraschend gekommen.

Ob, Moody’s, Fitch oder S&P, sie scheinen tatsächlich an Einfluss der Märkte und Politik verloren zu haben. Von einer vollständigen Machtlosigkeit sind die „Markt-Schätzer“ noch sehr weit weg. Man erinnert sich an die „versehentliche Abwertung“ Frankreichs durch die US-Agentur Standard & Poor’s im November 2011. Das Echo der Entrüstungen war gewaltig. „Veranwortungslos“, „Manipulativ“, „extrem Gefährlich“, etc. waren die abwechselnden Urteile von Politik, Ökonomen und Wirtschaft.

Eine Entmachtung der Ratingagenturen wäre folgernd aprupt eingetreten.

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