Schäuble hält Griechenland Pleite für indiskutabel

Griechenland Pleite-


Die drohende Insolvenz Griechenlands und ein folgender „Grexit“ sind für den Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble offensichtlich noch keine Optionen. Obwohl der nächsten notwendigen Hilfs-Tranche von mehr als 30 Mrd. Euro noch keine Zusage erteilt worden ist, hält der CDU-Politiker es für sinnlos, über die Pleite der Helenen überhaupt erst zu spekulieren.

Griechenlands Austritt wäre Schädlich für Weltwirtschaft

Euro Schuldenkrise
Hilfszahlungen gegen
drohende Griechenland-Pleite
Bild: F.H.M. / pixelio.de

Nach wie vor hält Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) einen Austritt Griechenlands aus der Währungsgemeinschaft für ausgeschlossen. So berichtet die Neue Osnabrücker Zeitung (noz) am Sonntag.

Demnach meinte Schäuble vor der Versammlung von Wirtschaftsvertretern in Singapur, dass es keinen Sinn hätte, über den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone zu spekulieren, denn dies wäre äußerst schädlich für Griechenland und den Euro sowie die Weltwirtschaft. Letztendlich vertraute man der griechischen Regierung von Antonis Samaras, dass er das Nötige tun werde. Der Bundesfinanzminister erklärte, „ich denke, das wird nicht passieren, dass es einen Staatsbankrott in Griechenland gibt“.

Zuerst wolle er auf den Bericht der Troika, bestehend aus jeweiligen Abgesandten aus der Europäischen Zentralbank (EZB), dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU-Kommission, abwarten, bevor eine endgültige Entscheidung über die dringend benötigten 31,5 Milliarden Euro gefällt werden würde. Mindestens jedoch werde Deutschland den Griechen beim Aufbau einer funktionierenden Verwaltung und mehr Wettbewerbsfähigkeit Unterstützung leisten, so Schäuble.

Der CDU-Politiker erinnerte auch daran, dass Griechenland viele „sehr ernsthafte Reformen“ umsetzen müsse und sich dabei auf einem guten Weg befände. Die griechische Bevölkerung würde mit einer wachsenden Mehrheit für den Verbleib in der Euro-Zone sprechen und wisse auch, dass es Reformen geben müsse, um die Defizite zu senken.

Die Wahrheit fügt offenbar zu große Schmerzen zu

Schäubles Aussage, „ich denke, das wird nicht passieren, dass es einen Staatsbankrott in Griechenland gibt“, ist noch längst kein Ausschluss dieses durchaus möglichen Szenarios. Könnte aber die Aussage, „wir wollen keine Insolvenz und ein anschließendes Ausscheiden Griechenlands“, nicht viel eher der Wahrheit entsprechen?

Dass es keinen Sinn hätte, über ein mögliches Griechenland-Ausscheiden (Grexit) zu spekulieren, deutet vielmehr darauf hin, dass es schlicht unerwünscht ist darüber zu sprechen. Der angedeutete „große Schaden“ für das Land, der Währungsgemeinschaft und die weltweite Wirtschaft lässt nur einen wichtigen Punkt vermissen: Der Grund.

Käme es dem Bundesfinanzminister in den Sinn, jemanden zu erzählen, es wäre schädlich für die Weltwirtschaft, sollte das Bundesland Bayern aus dem Euro aussteigen? Der Schaden müsste viel größer sein, als ein Austritt der Helenen, Bayerns Wirtschaftskraft und das BIP ist höher als das der Griechen.

Die Risiken dürften sich für Deutschland an ganz anderer Stelle befinden
Griechenlands schwache Wirtschaft unterbietet die Leistungen des Bundeslands Bayerns, aber ein Grexit würde die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft reißen? Vielmehr dürfte der große Unterschied zwischen dem EU-Land und dem Bundesland in den bereits gezahlten Schuldensummen sowie den Target-Forderungen liegen. Die Ausstände bewegen sich in 3-stelliger Milliarden Höhe und ein Austritt Griechenlands würde die Summen buchstäblich in Luft auflösen. Mit dem Austritt aus der Euro-Zone würde Griechenland automatisch seinen Status als einklagbaren Schuldner verlieren.

Das in die griechische Regierung gelegte Vertrauen und der hervorgehobene Wille der Bevölkerung sind „rührend“. Zumindest ist mit der betonten Mehrheit der griechischen Bürger ein Ansatz von verstandener Demokratie zu erkennen, welches für den deutschen Steuerzahler offenbar einer anderen Basis zugrunde liegt.

Wie viele „Überraschungen“, u.a. plötzlich entdeckte Haushaltslöcher und festgestellte Sanierungsverweigerungen, müssen noch zu Tage kommen, um die Vertrauenswürdigkeit der Regierungs-Versprechungen aus Athen wenigstens einmal öffentlich zu hinterfragen? Auf die abschließenden Berichte der Griechenland-Troika und ganz besonders auf die folgenden Reaktionen darf man gespannt sein.

Ganz „nebensächlich“ steht Griechenland aufgrund der Devisen-Tricksereien für den erst ermöglichten Euro-Eintritt bei der Großbank Goldman Sachs in der Schuld. Diese haben mit Sicherheit größtes Interesse daran, dass Athen aufgrund seiner Euro-Mitgliedschaft am „Saugnapf der Liquidität“ hängen bliebe.

„Naturgesetze können nicht geändert werden“
Aus der Welt der Physik ist es längst bekannt, für die Wahrheit gilt es ebenso. Man kann Unsinn auch hundert Mal verbreiten, es bleibt der gleiche Unsinn und wandelt sich nicht zur Wahrheit. Wolfgang Schäuble ist zur Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Tokio mit der „frohen Botschaft“ gefahren, dass das Ende der Euro-Krise bereits in Sicht käme. Nun liegt es an der Öffentlichkeit, daraus das „Körnchen Wahrheit“ zu entdecken.

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.