Schachern um Strafmaß für Standard Chartered Bank

Illegale Geschäfte Standard Chartered Bank-

Der britischen Standard Chartered Bank wird vorgeworfen, illegale Geschäfte aus den USA mit dem Iran getätigt zu haben. Innerhalb der letzten 10 Jahre sollen mehr als eine viertel Milliarde Dollar hin- und her geflossen sein. Nun droht der Entzug der Bankenlizenz durch die Finanzaufsicht DFS für den US-Markt.

Verhandlungsgespräche zwischen Standard Chartered und DFS

Illegale Bankengeschäfte
Illegale Bankengeschäfte

Es geht um mehrere Millionen Dollar Strafzahlung und die Lizenz für den US-Markt. Der Großbank Standard Chartered wird vorgeworfen, trotz verhängter Iran-Sanktionen, in den letzten zehn Jahren Geschäfte mit einem Gesamtvolumen von mehr als 250 Millionen Dollar abgewickelt zu haben.

Lt. Handelsblatt (Montag) soll am kommenden Mittwoch eine Anhörung durch die Finanzaufsicht DFS in New York stattfinden. Es ginge um die Entscheidung, ob Standard Chartered (StanChart) die US-Lizenz behalten darf, oder diese abgeben muss. Offen bliebe es jedoch, ob es überhaupt zu einer Einigung kommen wird.

Die Großbank erlitt zwischenzeitlich einen Verlust von ca. 17 Milliarden Euro durch den Kurssturz ihrer Aktie um rund 25%. Die nächste größere Bewegung im Kurs wird nach den Verhandlungsgesprächen zwischen StanChart und DFS erwartet.

Das offensichtliche Sonderrecht der Banken

Nicht der Sinn und Zweck der Iran-Geschäfte durch die Standard Chartered Bank sind das Problem, sondern das überhaupt ein Zusammenspiel stattgefunden hatte. Die Transaktionen zwischen der englischen Großbank und dem Iran gingen an die über das Land verhängten Sanktionen vorbei. Die USA, der Initiator und Verfechter der Iran-Sanktionen, fühlt sich natürlich auf den Schlips getreten.

Natürlich wäre der Verlust der US-Lizenz ein existenzieller Schlag gegen die Großbank aus England. Ob dem wirklich so kommen wird, darf aber angezweifelt werden.

Eine Großbank wird wiederholt als „heilige Kuh“ behandelt
Wenn über das Strafmaß „verhandelt“ wird, kann kausal angenommen werden, dass der Standard Chartered Bank tatsächlich ein Verstoß gegen die verhängten Iran-Sanktionen nachgewiesen wurde. Zuerst die Überführung, dann das Strafmaß, auch wenn das Handelsblatt über einen „mutmaßlichen Täter“ berichtet, aber dennoch klare Linien zum Thema Strafmaßverhandlungen verfolgt.

Der Ablauf stellt jedoch wiederholt ganz klar heraus, welcher bevorzugten Sonderolle den Banken zukommt. Über die von den USA einseitig, teils willkürlich definierten „Schurkenstaaten“ kann man streiten. Ob die Standard Chartered Bank kriminell oder im Sinne „Robin Hoods“ gehandelt hat, hängt von der Position des Betrachters ab. De facto verstieß die Bank gegen geltende Regeln und wurde dabei erwischt.

Jetzt wird über das Strafmaß verhandelt. Ein unglaublicher Vorgang, der außerhalb des Bankensystems so schnell kein Beispiel finden wird. Wie darf man sich so einen Ablauf vorstellen? Die US-Finanzaufsicht schreibt eine Strafe von z.B. 3 Millionen US-Dollar plus Lizenz-Entzug an und die Chartered-Rechtsabteilung berät darüber, um letztendlich 5 Millionen mit Einbehalt der US-Lizenz anzubieten?

Standard Chartered wird mit „blauem Auge“ davonkommen
Selbst 20 Millionen Dollar stellen für eine Großbank wie die Standard Chartered Bank eine kleine Kollektion Erdnüsse dar. Schließlich definierte einst der ehem. Sprecher der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, den „Peanuts“ für kleine Handwerksbetriebe auf rund 25 Millionen Euro (damals 50 Millionen D-Mark).

Der Entzug der Handels-Lizenz für den US-Markt würde der wirtschaftlich schwer angeschlagenen USA nicht gerade zuträglich sein. Alleine aus diesem Grund ist der Entzug der Erlaubnis eher unwahrscheinlich.

(Update: 15.08.12: Das Strafmaß wurde inzwischen auf 340 Millionen Dollar festgesetzt. Doch ordentlich mehr, als angenommen. Die Lizenz für den US-Markt wird nicht eingezogen.)

Nachdem das Strafmaß verkündet worden ist, wächst wieder ganz schnell Gras über die Sache. Die Großbank wurde als der „Böse“ klar herausgestellt, medial angeprangert und „bestraft“. Die US-Finanzaufsicht hatte darüber hinaus die Gelegenheit, ihre Entschlossenheit im Kampf gegen die „bösen Banken“ unter Beweis zu stellen. Balsam für die Gemüter und gut ist es.

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