Saubere Welt: In BRD rund halbe Mio. Korruptionsfälle

Heile BRD-Welt-


In der Bundesrepublik sind Korruptionsfälle lediglich unschöne Ausnahmen in einem heilen und soliden Rechtsstaat. Schmiergelder wandern in Afrika und in Russland über die Theken, aber keinesfalls im blitzsauberen Wirtschaftsgebiet, in dem für die Manager Bestechung ein unbekanntes Phänomen ist. Das entspricht in Etwa die Lage der Korruptionswahrnehmung, aber keinesfalls der Realität.

Zwischen Wahrnehmung und Realität liegen Welten

Korruption
Bestechung in der BRD ist Alltag

Schmiergeldzahlungen und Korruption sind das Problem „anderer Länder“, nicht jedoch ein Phänomen in der Bundesrepublik Deutschland. Hin und wieder wechselt vielleicht ein Präsentkörbchen den Besitzer, aber in einem „soliden Rechtsstaat“ wie die BRD kann nicht von einer Kultur des Bestechungsgeldes die Rede sein. So die weitläufige und propagierte Vorstellung. Es kommt aber nicht nur auf die „Quantität der Korruption“, sondern auch auf die „Qualität des Unrechtsempfindens“ an und hier sieht es bei den deuschen Managern eher miserabel aus.

Korruptions- und Betrugsfälle bei rund halber Millionen Unternehmen

Zwischen der „gefühlten Korruption“ und den tatsächlich praktizierten Bestechungen liegen Welten. In den vergangenen zwei Jahren gab es in jedem siebten Unternehmen einen „bedeutsamen Betrugs- oder Korruptionsfall“, so die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young in der aktuellen Korruptionsstudie 2016. Bei rund 3,5 Millionen Unternehmen in der Bundesrepublik entspricht das etwas mehr als eine halbe Millionen Unternehmen.

Immerhin ist die Anzahl der Betrugs- und Korruptionsfälle in der „sauberen“ Bundesrepublik gegenüber 2014 zurückgegangen. Ernst & Young stellte derartige Fälle in jedem vierten Unternehmen (rund 900.000 Firmen) fest. Trotz des Rückgangs befindet sich die „Korruptions-Quote“ in der Bundesrepublik über den weltweiten Durchschnitt (jedes achte Unternehmen).

Ignoranz oder mangelndes Schuldbewusstsein?

Weltweit sagen 39 Prozent der Firmenmanager, dass in ihrem jeweiligen Land die Korruption eine weite Verbreitung gefunden hat. In der Bundesrepublik halten dagegen nur 6 Prozent der Manager korrupte Methoden für weit verbreitet. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft stellte in ihrer aktuellen Studie fest, dass sich seit 2014 in der Eigeneinschätzung der Manager weder in der Welt noch in der Bundesrepublik etwas geändert habe.

In Deutschland ist die wahrgenommene Korruption im weltweiten Vergleich traditionell außerordentlich niedrig„, so Stefan Heißner, Leiter Fraud Investigation & Dispute Services bei Ernst & Young.

Das Problem „möglicher Bestechungsfälle“ ist den Unternehmen offenkundig sehr bewusst. 98 Prozent der deutschen Unternehmen haben Antibestechungs- oder Antikorruptionsrichtlinien, gegenüber weltweiten 84 Prozent. Jedoch handelte es sich in der Bundesrepublik um unverbindliche Regelwerke. Lediglich 68 Prozent der Firmenmanager drohen bei einem Verstoß gegen die Richtlinien mit klaren Sanktionen. Weltweit nehmen 75 Prozent der Manager Sanktionsandrohung wahr.

So manche Manager haben ein Problem mit dem Unrechtsempfinden. „Jeder fünfte deutsche Manager würde entweder Unterhaltungsdienstleistungen finanzieren oder persönliche Geschenke machen, um sein Unternehmen über einen Wirtschaftsabschwung zu retten.“

Globaler Korruption-Spitzenreiter ist in Europa

Die absolute „Nummer 1“ in Sachen Betrugs- und Korruptionsfälle ist derzeit der „EU- und USA-Schützling“ Ukraine. Mit 48 Prozent verzeichnete fast die Hälfte aller dort ansässigen Unternehmen einen bedeutsamen Fall. Allerdings ist die Eigenwahrnehmung der Manager (88%) zur brisanten Korruptionslage in der Ukraine der Realität relativ nahe. Auf dem zweiten Platz folgt mit Kenia (36 Prozent Korruptionsfälle) ein Land, das den weitläufigen Vorstellungen einer korrupten „Bananenrepublik“ entspricht. Auf Platz 3 folgt mit 26 Prozent Fällen das BRICS-Land Südafrika.

Dafür befindet sich das Land mit den wenigsten Korruptions- und Betrugsfällen ebenfalls in Europa und ist darüber hinaus sogar EU-Mitgliedsland. In der Solwakei wurde kein einziger Korruptionsfall erfasst. Relativ „sauber“ stehen auch die Türkei und Indonesien mit jeweils 2 Prozent da.

Deutsche Medien gebrauchen Unrechtsempfinden nach Bedarf

„Korruption und Bestechung ist falsch und muss unterbunden werden“, würde wohl die Antwort lauten, wenn die deutschen Medien dazu befragt würden. Angesichts der hohen Anzahl der Korruptions- und Betrugsfälle in der Bundesrepublik ist es in der Medienwelt allerdings auffällig ruhig. Offenbar kommt das Schuldbewusstsein erst zum Tragen, wenn es eine unbequeme Person aus der Öffentlichkeit zu entfernen gilt.

Ein jüngeres Beispiel bietet die „mediale Liquidierung“ des Bundespräsidenten Christian Wulff. Der Korruptionsvorwurf wurde von Medien und Staatsanwaltschaft bis zum „bitteren Ende“ aufrecht erhalten. Bis eben die Unschuld des Beschuldigten erwiesen war. Dann wurde es sehr ruhig um den Fall. Die Mission wurde allerdings erfüllt.

Von den deutschen Medien wird Russland immer wieder gerne als eine Hochburg der Korruption dargestellt. Lt. Ernst & Young hat sich die Anzahl der Befragten, die Bestechung ein weit verbreitetes Phänomen im Geschäftsleben nennen, von 48 Prozent im vergangenen Jahr auf 34 Prozent verringert. Damit liegt Russland auf Augenhöhe mit Polen und den USA.


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