Regling sieht in Italien möglichen Krisen-Verstärker

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Klaus Regling sieht mit Besorgnis auf die neuen politischen Entwicklungen in Italien. Ein frühzeitiges Abtreten des derzeitigen Ministerpräsidenten Mario Monti mit einem Silvio Berlusconi als möglicher Nachfolger würden die Verhältnisse in den Bereich unbekannter Größen verschieben. Dennoch hält der Chef des Euro-Rettungsfonds manche Sorgen der deutschen Bundesbürger um die weiteren Krisenentwicklungen für unbegründet.

Aus Italien könnte sich ein Krisenbeschleuniger entwickeln

Eurokrise Italien
Quo Vadis Euro?
Bild: Gerd Altmann
/ pixelio.de

Nachdem bereits Anfang Dezember eine „Zwischenbilanz“ zu den Ansichten auf die Euro-Krise gezogen wurde, erhebt nun der Chef des Euro-Rettungsfonds ESM / EFSF Klaus Regling seine Stimme und warnte vor erneuten Verschärfungen der allgemeinen Krisensituation innerhalb der Eurozone.

Angesichts der zu erwartenden Unruhen in Italien stützt sich Regling auf die ersten Reaktionen der Märkte und schilderte im Interview der Süddeutschen Zeitung (SZ) (Montagsausgabe), „Italien hat im vergangenen Jahr wichtige Reformen angeschoben. Das haben die Märkte bislang honoriert, allerdings haben sie auf die aktuellen Entwicklungen Ende vergangener Woche beunruhigt reagiert.

Italiens Ministerpräsident Mario Monti löste offensichtlich mit der Ankündigung seines vorzeitigen Rücktritts eine neue Grundsatzdiskussion zu den zukünftigen politischen Entwicklungen im südeuropäischen Eurostaat aus. Der Chef des Euro-Rettungsfonds visierte besonders die erneute Kandidatur des ehem. Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi an, der sich noch unter Mario Monti gegen jegliche Reformbemühungen quer stellt.

Vorschläge weiterer Reduzierungen der Zinsen für Griechenlands Schulden wies Regling mit einer Absage zurück. Der EFSF könne nicht wiederholt den Zinssatz absenken, denn bereits jetzt schon würde der Hilfsfonds seine Kredite praktisch zum Nulltarif an Athen vergeben. Regling erklärte, dass andernfalls die anderen Mitgliedsstaaten die entstehenden Differenzen durch ihre Haushalte ausgleichen müssten. Außerdem müsse auch der EFSF die Zinsen seiner Kreditgeber bedienen können.

Gleichzeitig war Regling im Interview jedoch um beschwichtigende Töne bemüht. In seinen Augen ist das Glas Europas „nicht halb leer, sonder halb voll“. Die besondere Sorge der deutschen Bevölkerung würde zwar für sehr ernst genommen werden, diese seien jedoch unbegründet. Man wisse darum sich täglich um neues Vertrauen bemühen zu müssen. Der Chef des Euro-Hilfsfonds betonte, „weder verteilen wir Geschenke, noch wird die Politik der Europäischen Zentralbank zu Inflation führen“.

Der bisherige Verlauf seien positive Zeichen
Die großen Investoren wären noch vor Monaten davon überzeugt gewesen, dass der Euro scheitern würde. Mit der Spekulation auf einen Untergang der Gemeinschaftswährung hätten sich einige große Hedgefonds kräftig verspekuliert und mehrere Milliarden Euro verloren, so Regling. Die Stimmung hätte sich inzwischen „völlig gedreht“, auch wenn dies nicht zwingend so bleiben muss. Dennoch hätten die verlorenen Wetten die Märkte mehr beeindruckt als die Beschlüsse aus Brüssel.

Europas Bürger „im Wechselbad der Gefühle“

„Für jede Theorie findet man einen Professor der diese bestätigt“. Das gilt offensichtlich auch für die Frage, in welchem Zustand sich Europas Wirtschaft befindet. Während Politiker etwas dazu geneigt sind, ernsten Problemen eine „rosa Scheibe“ vorzusetzen, sprechen Ökonomen, je nach ausgerichteten Sympathien, teils von Weltuntergangs-Szenarien. Dem Bürger Europas ist damit jedoch nicht geholfen. Die Verunsicherung steigt und die Sicht wird vom Nebel der abgesonderten Thesen nur noch verschlechtert.

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