Ratingagenturen stehen am Pranger der Justiz

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Die drei größten Ratingagenturen werden sich demnächst vor Gericht zu den Vorwürfen vorsätzlicher Falschbewertung und Irreführung verantworten müssen. Moody’s, Standard & Poor’s sowie Fitch haben nach einer Anklage von Investoren Rede und Antwort zu stehen.

Vorwurf der betrügerischen Falschbewertung

Anklage Ratingagenturen
Ratingagenturen unter Betrugsverdacht
Bild: Carlo Schrodt / pixelio.de

Die drei Ratingagenturen, der die Welt wohl am meisten Gehör schenkt, Fitch, Moody’s und Standard & Poor’s müssen sich wegen dem Vorwurf des Betrugs vor Gericht verantworten. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) (Freitag) berichtete von der New Yorker Richterin Shira Scheindlin, die aus den Betrugsvorwürfen einer Investorenklage offensichtlich genug Gründe erkennt, die Klage nicht abzuweisen.

Mit dem Vorwurf des Betrugs durch die Ratingagenturen handelt es sich um die im Jahr 2007 abgegebene Bewertung für ein strukturiertes Papier (SIV) mit der Bezeichnung Rhinebridge. Die US-amerikanische Bank Morgan Stanley, mit ihrem Hauptsitz in New York, sitzt ebenfalls im Boot und steht unter Verdacht, bei der Zusammenstellung des Investments mit einem betrügerischen Hintergrund vorgegangen zu sein.

Bereits im letzten Jahr hatte Richterin Scheindlin lt. FAZ eine ähnliche Entscheidung getroffen, bei dem in einem vergleichbaren Fall die Investment Bank Morgan Stanley an der Strukturierung des Investmentpapiers Cheyne mitgewirkt hatte.

Falls die Ratingagenturen ihre Bewertungen der Papiere irreführend oder falsch waren, so würden sie zur Verantwortung gezogen werden, lautete die Beurteilung der Richterin Scheindlin. Noch im Klagefall „Cheyne“ blieb die Agentur Fitch außen vor und wurde aufgrund fehlender Beweise nicht angeklagt. Scheindlin schätzte die Situation lt. FAZ folgend ein: „Die Kläger müssen Beweise vorlegen, dass die Ratingagentur eine Bewertung abgegeben hat, von der sie wusste, dass sie nicht durch Tatsachen oder Analysen gestützt wurde – dass die Ratingagentur praktisch eine Restaurantkritik abgab ohne jemals in dem Restaurant gegessen zu haben.“

„Der faulende Fisch fängt vom Kopf her das Stinken an“

Die Aktivitäten und Einflüsse von Ratingagenturen werden hinsichtlich der öffentlichen Auftritte meist sehr unterschätzt. Ab und an wird ein Land, bevorzugt ein Euro-Mitgliedsland, herabgestuft, oder sogar einmal der US-Politik mit der „Drohung“ eines „negativen“ Ausblicks vor den Bug geschossen. Wobei es sich mit der veröffentlichten Negativ-Einschätzung einer US-Ratingagentur gegen die US-Wirtschaft vielmehr um eine Alibi-Bewertung handeln dürfte, um wenigstens noch einen Rest der inzwischen sehr geringen Glaubwürdigkeit über Wasser zu halten.

Unabhängige und objektive Bewertung? Ganz weit gefehlt!
Das Prinzip der Bewertungen von Investments hat einen gravierenden Fehler im System. Die Auftraggeber sind die Herausgeber eines zu bewertenden Papiers und somit gleichzeitig der zahlende Kunde. Darüber hinaus bieten die Agenturen nicht nur die „objektive“ Einschätzung eines Investments an, sondern gehen auch gerne „helfend zur Hand“, wenn es darum geht, die strukturierten Papiere so zu gestalten, bis daraus ein erwünschtes „AAA“ heraus kommt.

Für die notwendige Narrenfreiheit zu vollkommenden Fehlbewertungen sorgten bereits die Ratingagenturen selbst. Sie bezeichnen ihre Bewertungen als eine Meinung, die keinerlei Ansprüche auf eine objektive Bewertung erhebe. Mit diesem „Credo“ haben sie zumindest in den USA ihren gewollten juristischen Spielraum gesichert, denn die US-Gerichte spielen entsprechend mit und weisen gewöhnlich Klagen von Privatinvestoren ab. Das bekamen vor allem die privaten Investoren in den USA zu spüren, die Zertifikate von der „spektakulär“ zusammengebrochenen Investmentbank Lehman Brothers kauften, deren Papiere selbst drei Tage vor dem Crash von Standard & Poor’s mit einer hervorragenden Bonität „A“ eingestuft war.

In der Vergangenheit erbrachten die Ratingagenturen wiederholt „stärkste Indizien“ dafür, dass sie nicht als eine unabhängige Instanz außerhalb der Märkte agieren, sondern ein fester Bestandteil im System sind, um die Dinge aktiv in die gewünschte Richtung zu lenken. Nur derartige Gebären erklären u.a. die teils noch mit der Bestnote versehenen US-Wirtschaft, die in der Relation dem Desaster Griechenlands um nichts nachsteht. Außerdem muss der unvergleichliche „Optimismus“ des US-Finanzministers Timothy Geithner irgendwo begründet liegen, wenn er zum Schluss kommt, dass die USA ihr „Dreifach A“ niemals verlieren würden.

Die Ratingagenturen Moody’s, Fitch und Standard & Poor’s sind lediglich die größten Akteure in einem unglaublich korrupten System, deren einziges Ziel es ist, den Interessenten ohne Rücksicht auf Verluste maximale Gewinne einzufahren. Dafür ist jedes Mittel recht.

Die mögliche Verurteilung durch ein US-Gericht aufgrund betrügerischer Handlungen würde den Ratingagenturen einen echten Schaden am Image gegenüber der noch meist „unbedarften“ Öffentlichkeit einfahren.

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