Privatvermögen Deutschland: Arm in Eurozone aber reich in der Welt?

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Sind die Deutschen nun reich, mittelmäßig oder arm? Die Darstellungen der Bundesregierung, der Europäischen Zentralbank und jüngst durch die Boston Consulting Group driften augenscheinlich weit voneinander ab. Wie passt es zusammen, dass die Bundesbürger zum privaten Vermögensstand im Euroraum als „Hungerleider“ gelten, aber in der Welt die Top-Position 5 einnehmen? Es nur eine Frage wo genau die „statistischen Linien“ durchgezogen, interpretiert und diese der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Die gleichen Daten – Steinreich und zugleich bitterarm

Reichtum
Deutschland: Reich und arm zugleich

Die Armen-Version
Die Europäische Zentralbank (EZB) veröffentlichte Mitte April die Vermögens-(zu-)stände in den einzelnen Ländern der Euro-Zone. Demnach verfügten die Deutschen vor zwei Jahren lediglich über ein Vermögen von 51.400,- Euro im Median.

Der Durchschnitt des Medianes im Euroraum lag dagegen bei 109.000,- Euro und sogar die Haushalte der „armen“ Spanier könnte mit einem Vermögensstand in Höhe von 182.700,- Euro ein „müdes Lächeln auskommen“. Den Aufschrei der deutschen Öffentlichkeit, die anschließenden Debatten und die beruhigenden Erklärungsansätze der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hätte man sich sparen können, wenn diese „Median-Linie“ nur etwas höher angesetzt worden wäre. Ein einfacher „Kunstgriff“ in den Statistikaufbereitungen.

Der Wert eines Medianes kann vom „gewöhnlichen“ Durchschnitt ein- und derselben Zahlenreihe erheblich voneinander abweichen und somit einen völlig anderen Eindruck verleihen. Werden z.B. die Vermögensstände von hundert Haushalten erfasst, zusammen aufaddiert und durch hundert geteilt, erhält man den Durchschnittswert. Zur Ermittlung des Medianwertes werden die hundert Einzelwerte in steigender Reihenfolge angeordnet und beim 50-sten Haushalt der „Strich gezogen“. Die untere Hälfte hat weniger, die obere Hälfte hat mehr. Dieses Haushaltseinkommen beschreibt den medianen Vermögensstand.

Ein einfacher Strich durch die Zahlenlandschaft
Mit dem Medianwert ist jedoch nicht erkenntlich, wie die Vermögensstände am unteren Ende oder an der Spitze der Zahlenreihen aussehen. Ebenso könnte der 50-ste Haushalt noch gerade die Armutsgrenze überschreiten und ab dem 60-sten Haushalt beginnen bereits die Millionärs-Haushalte. Verlegt man diese Median-Linie einfach nur etwas nach oben, bezeichnet diese dann als „Millionärs-Linie“, dann verlässt Deutschland auf wundersame Weise die Position der „Hungerhaken“ innerhalb der Eurozone und steigt in die Top-Ränge der Welt auf.

Die Reichen-Version der Deutschen
In den Charts der reichsten Länder der Welt nimmt Deutschland Platz 5 ein, gemessen am Vermögen der Privatanleger, das von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group für das Jahr 2012 auf 6,7 Billionen Dollar geschätzt wurde. Erhebt man seinen Blick über die „EZB-Median-Linie“ hinaus, ist auf dieser Ebene von einer Finanzkrise überhaupt nichts zu bemerken. Der Vermögensstand ist lt. Boston Consulting Group im letzten Jahr sogar um 6,2 Prozent angestiegen. Interessant ist auch die Dichte der Dollar-Millionäre im Bundesgebiet (Vermögen ab rund 775.000,- Euro) mit lediglich 0,9 Prozent aller Haushalte. In Deutschland befinden sich u.a. 680 Haushalte mit dem Status „Superreich“, also mit einem Vermögen von mehr als 100 Millionen Dollar.

Angesichts des kleinen Medianwertes (51.400,- Euro) erhalten die „unbekannten Areale“ unterhalb und oberhalb der virtuellen Mittellinie schon klarere Konturen. Bereits im Jahr 2008 besaßen in Deutschland die 10 Prozent der reichsten Deutschen 53% des gesamten Nettovermögens. Die „untere Hälfte“ der Haushalte besaß im gleichen Zeitraum nur 1% des gesamten Nettovermögens. Das ging aus dem von der Bundesregierung erstellten „Armutsbericht 2012“ hervor, noch bevor dieser diversen kosmetischen Anpassungen unterzogen wurde.

Die Schere zwischen Arm und Reich geht nicht nur in Deutschland ungebremst weiter auf, sondern weltweit. Das relativiert den Begriff „Finanzkrise“. Vielmehr handelte es sich um eine beschleunigte Vermögensumschichtung mit dem Abzug des Kapitals der breiten Bevölkerung über kanalisierte Wege. Die nächste große „Geld-Pipeline“, auch als „Bankenunion mit eingebauter Gemeinschaftshaftung“ bezeichnet, steht kurz vor ihrer Vollendung.

Bild: tarifometer24.com

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