Plastikmüll: Konsumenten am Pranger

Umwelt –


Der Berg aus Plastikmüll wächst weiter und an den Hängen rutschte schon derart viel herunter, dass die Ozeane voll davon sind. Doch ist dies nun die ausnahmslose Schuld der Konsumenten? Der bereits aufgestellte Pranger hat schon knapp die Hälfte der Konsumenten erreicht.

Plastikmüll

Plastikmüll ließe sich vermeiden, wenn die Industrie darauf verzichtete (verzichten könnte)

Kampf gegen Plastikmüll: Der Pranger ist bereits aufgestellt

Der Griff in ein Einkaufsregal ist fast immer mit Plastik verbunden. Kaum ein Produkt, welches nicht irgendwie mit Kunststoff versehen, verpackt oder beklebt ist. Mehr als 200 kg Kunststoffverpackung pro Jahr gehen auf die Rechnung eines jeden Konsumenten. Die Schlagzeilen über mit Plastikmüll verstopfte Meere und Kunststoff-Nanopartikel häuften sich in der letzten Zeit. Hochrechnungen gehen sogar davon aus, dass es in wenigen Jahren in den Ozeanen mehr Plastik als Fische geben werde.

Der Kampf gegen Plastik erhält langsam einen ähnlichen Stellenwert wie der Kampf gegen den Klimawandel und die ersten Auswirkungen sind bereits messbar. Fast die Hälfte der Konsumenten sieht die Schuld in der Plastikflut bei sich selbst. 45 Prozent der vom Deutschen Verpackungsinstitut (DVI) befragten Frauen und Männer sehen sich selbst als verantwortlich.

Doch eine „vollendete Selbstgeißelung“ der Konsumenten bleibt (noch) aus. Sie sehen auch die herstellenden Unternehmen in der Pflicht. Konsumenten sind zwar in der Lage, Plastikmüll anhand von Gewohnheitsänderungen im Wohnbereich und bei der Ernährung zu reduzieren, aber dazu erklärten sich lediglich 18 Prozent der Befragten bereit. Müssten Änderungen beim Urlaub in Kauf genommen werden, sähen sich nur 10 Prozent dazu in der Lage.

Plastikvermeidung durch Konsum-Boykott?

Doch einschneidende Änderungen zur Vermeidung von Plastikmüll müsste schon einem Boykott gleichkommen. Mit der ansteigenden Zahl der Haushalte mit niedrigem Einkommen und derzeit drastisch steigenden Miet- und Energiekosten bleibt kein Geld mehr übrig, um anstatt den billigen Joghurt im Plastikbecher den deutlich teureren im Glas zu wählen. Der Verzicht auf Plastiktüten ist einfach umzusetzen, aber das Auspacken im Laden und Umfüllen in Mehrgebrauchsbehältern noch im Laden ist keine Müllvermeidung, sondern einfach nur eine Verlagerung. Die Schuld am vielen Plastikmüll alleine beim Konsumenten festzumachen ist genauso unfair wie falsch.

Konsumenten sind stets gut genug, um mit ihrer Kauflaune die Konjunktur am Laufen zu halten. Dafür werden sie gelobt. Nun erhalten Konsumenten eine Schuldzuweisung aufgrund ihrer Angewohnheit, die von der Industrie hergestellten und in Plastik verhüllten Produkte zu kaufen. Dafür werden die Endkunden nun an den Pranger gestellt.

Primärenergie: Haushalte waren bisher die einzig Sparsamen

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Privathaushalte sind darüber hinaus die einzige „Sparte“ im Bundesgebiet, die in den vergangenen Jahren einen Beitrag für die Reduzierung des Verbrauchs von Primärenergie leisteten. Die Industrie erhöhte ihren Verbrauch und trägt somit einen Anteil davor, dass das Ziel für 2020 mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht erreicht wird. Den größten Anteil der Energieeinsparungen leisteten die privaten Haushalt im Bereich von Stromenergie. Zum Bedarf von Primärenergie (z.B. Öl, Gas, Kohle) zählt jedoch auch die Herstellung von Plastik und Produkte sowie deren Verpackungen, die absolut frei von Kunststoffen sind, gehören längst zu einer Minderheit. Was bliebe von einem Auto übrig, befreite man es vollständig vom Kunststoff? Edelholz-Armaturen der Umwelt zuliebe?

Unfair ist es allemal die Konsumenten vor allem Bundesgebiet zur Verantwortung zu ziehen, wo Recycling schon seit Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit ist, während in anderen Ländern dieses Planeten dieser Begriff noch völlig unbekannt ist oder in der Praxis erst in den Kinderschuhen steckt. Darüber hinaus, dürfte kaum ein Schiff von der EU entsandt werden, um Plastikmüll kostengünstig einfach ins Meer zu kippen. Das Umweltbewusstsein mag uns als alltäglich erscheinen, aber vielerorts ist selbst die Distanz von 5 m bis zum Mülleimer noch zu exotisch, um den Plastikbecher nicht einfach fallen zu lassen.

Wie immer geht’s nur ums Geld und den Freikauf der „Wirtschaft“

Die geführten Debatten rund um den Plastikmüll erhielten ohnehin einen weiteren Schub, als China und darauf folgend auch Thailand sich weigerten, weiterhin den im EU-Raum anfallenden Plastikmüll für billiges Geld abzunehmen. Es dreht sich auch hier wie immer nur ums Geld und wie die „Wirtschaft“ aus der Verantwortung gehalten werden kann. Man darf gespannt sein, welche Maßnahmen bereits ausgedacht wurden, um die Haushalte auch im Bereich Plastikvermeidung zur Kasse zu beten. Ein Äquivalent zum Emissionshandel wie „Kunststoff-Zertifikate“ böte sich schon mal an. Für die erforderliche Akzeptanz sorgt die angelaufene Einflüsterung des schlechten Gewissens.



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