Pimco Chef: Industrieländer befinden sich im Währungskrieg

Pimco – Globale Schuldenkrise-


Die lockere Geldpolitik der EZB sowie der Fed werden zwangsläufig eine ansteigende Inflation hervorrufen. Darüber hinaus geht Pimco-Chef William H. Gross davon aus, dass sich die Industrieländer längst in einem Währungskrieg befinden.

Lobende Worte für deutsche Sparpolitik

Schuldenkrise
Krise mit Geldschwemme nicht lösbar
Bild: Gerd Altmann/AllSilhouettes.com / pixelio.de

Der Herr über 1,5 Billionen US-Dollar, William H. Gross, sieht die Situation der Euro-Krise überaus skeptisch. Als für beendet hält der Gründer und Chef des weltgrößten Fondsmanager PIMCO (Pacific Investment Management Company, LLC. Seit November ist Allianz Global Investors der Eigentümer) die Schuldenkrise noch lange nicht.

Gross erklärte im Interview mit Welt am Sonntag, dass die lockere Geldpolitik der beiden Zentralbank-Chefs Mario Draghi (Europäische Zentralbank, EZB) und Ben Bernanke (US-Notenbank Federal Reserve, Fed) zu einer Inflation führen wird. Der freizügige Umgang mit frischem Geld würde „unweigerlich zu Preissteigerungen und einer Abwertung der Währungen führen“.

Die Fed lässt seit Jahren die Notenpresse auf Hochtouren laufen, um den US-Markt mit frischem Geld zu schwemmen. Die US-Wirtschaft soll durch Liquidität am Leben gehalten werden. Pimco-Chef Gross sieht jedoch diese Maßnahmen in engen Grenzen gesetzt. „Am Ende wird dies nicht funktionieren“, erklärte er Welt am Sonntag. Der Traum Bernankes, die US-Wirtschaft zu einer Wiederauferstehung zu führen, würde nicht in Erfüllung gehen. Letztendlich müsste das frische Kapital tatsächlich in die Unternehmen und für neue Arbeitsplätze fließen. Gross hält diese Interventionen für nicht nachhaltig, auch wenn sich derzeit die Amerikaner dank der ansteigenden Börsenkurse reicher fühlten und mehr Geld ausgäben.

Die USA und auch andere Industrieländer müssten sich endlich der Realität stellen und erkennen, dass die Zeiten mit Wachstumsraten von über 2 Prozent der Vergangenheit angehörten, so der Pimco-Chef und erklärte, „am Sparen führt angesichts der hohen Schuldenberge kein Weg vorbei“ und zielte dabei besonders auf Europa und den USA.

„Wir befinden uns in einem Währungskrieg“
Die technischen Errungenschaften haben bereits einen Punkt erreicht, bei dem nicht mehr ausreichend gute Arbeitsstellen für alle Menschen verfügbar sind, so Gross. Maschinen verdrängten die Menschen. Trotz neuer Erfindungen würde sich das Wirtschaftswachstum eher verlangsamen als noch weiter zulegen. „Wenn sich die großen Unternehmen eines Landes international nicht mehr durchsetzen können, müssen sie versuchen, über den Preis Anteile auf dem Weltmarkt zurückzugewinnen“, so Gross zur Welt am Sonntag. Der einfachste Weg dorthin wäre über die Abwertung der eigenen Währung.

Die Japaner stehen mit der massiven Intervention ihrer Notenbank derzeit im Mittelpunkt der Gespräche. Der Yen wertete gegenüber dem Euro und dem Dollar bereits deutlich ab. Gross betonte jedoch, dass nicht nur die Japaner daran wären, die Währung abzuwerten, sondern auch die Amerikaner, die Briten und die übrigen Europäer. „Wir befinden uns in einem Währungskrieg“.

Der Wettlauf um die Abwertung erinnerte an die Situation der 30-er Jahre des letzten Jahrhunderts, so der Pimco-Chef. Damals wären im Währungskrieg die Länder als Gewinner hervor gegangen, die aufgrund der stärksten Währungsabwertung zuerst aus ihrer Rezession heraus kamen.

Für die US-Währung sieht Pimco in den Jahren 2014 bis 2016 eine Inflationsrate von jeweils drei Prozent. Sehr schwer, um überhaupt noch reale Zuwächse beim Vermögen zu erreichen, so Gross und hält aus diesem Grund Anleihen aus Brasilien und Mexiko als besonders interessant.

„Die Euro-Krise ist noch nicht vorbei“
Die Europäische Zentralbank ermöglichte mit ihren Eingriffen zwar der Politik, die notwendigen Reformen in der Wirtschaft umzusetzen, aber letztendlich müsste diese Zeit auch genutzt werden. Politiker hätten in der Euro-Krise ihren Weitblick vermissen lassen. Gross sieht in Bundeskanzlerin Angela Merkel als den einzigen EU-Regierungschef mit Rückgrat und verglich sie im Interview mit Welt am Sonntag mit der ehemaligen „Eisernen Lady“ Großbritanniens. „Für mich ist sie eine moderne Margaret Thatcher“.

Die Frage zur Zukunft Griechenlands ist für Pimco-Chef Gross nach wie vor unklar. Zwar wären Reformen sichtbar, aber unterm Strich hätte sich in den letzten 12 Monaten nicht viel verändert. Nach wie vor könne nicht sicher davon ausgegangen werden, ob Griechenland dauerhaft in der Währungsgemeinschaft verbleibt.

Anleger werden sich andere Wege und Strategien suchen müssen. Dennoch gab Gross im Interview pauschale Prognosen ab und würde den Dollar als Devise abstoßen und dafür den Euro halten. Zulegen würde sich Gross die Rohstoffe Gold, Öl sowie Sachwerte in Kunst und Wein.

Gross lobt, Soros protestiert

Weit auseinander gehende Meinungen zwischen einem Fondsmanager und einem Hedgefonds-Manager. Der US-Investor George Soros kritisierte erst am Freitag in Davos mit ziemlicher Heftigkeit den Sparkurs Deutschlands und warnte davor, mit diesem Weg einen Währungskrieg auszulösen.“Die Deutschen glauben an Einsparungen, und der Rest der Welt glaubt an geldpolitische Lockerungen“, so Soros zum Sender CNBC.

Gross jedoch begrüßt eindeutig den gewählten Weg Merkels und findet lobende Worte für ihre „eiserne“ Hartnäckigkeit, an der Spar-Strategie festzuhalten.

Die Sorgen Soros sind verständlich. Hedgefonds-Manager sind darauf angewiesen, dass sich möglichst viel Kapital im Umlauf befindet, um durch großzügige Abzweigungen am Geldfluss dicke Gewinne einfahren zu können. Ein Sparkurs jedoch würde einen erheblichen Anteil vom „großen Kuchen“ versickern lassen.

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