Peer Steinbrück fordert Opferbereitschaft der Deutschen

Eurofinanzkrise-


Griechenlands Finanzprobleme „könnten den deutschen Steuerzahler belasten“. Mit dieser nicht ganz überraschenden These versucht offensichtlich Peer Steinbrück auf sich aufmerksam zu machen. Die Wiedervereinigung wäre ein Beispiel dafür, warum die Deutschen die Kosten für den Teil der europäischen Finanzkrise tragen sollten.

„Wir Deutsche müssen Opfer bringen“

Eurolüge
Geforderte Opferbereitschaft
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Peer Steinbrück, derzeitiger Kanzlerkandidat der SPD, schließt nicht aus, dass die hohen Rettungskosten für Griechenland für den deutschen Steuerzahler eine Belastung sein könnten. In einem Vorabbericht der Bild am Sonntag erklärte Steinbrück, „man muss den Bürgern sagen, dass es zum Ausfall der Griechenland-Kredite kommen kann“.

Der Kanzlerkandidat erklärte, dass sich Deutschland längst in einer Haftungsunion befände und „wir Deutsche“ für den Zusammenhalt Europas Opfer aufbringen müssten. „Wir“ müssten dafür sorgen, dass die notwendigen Brücken für Griechenland gebaut werden können. Für die nächsten acht Jahre, so Steinbrück, werde Griechenland nicht mehr an die Kapitalmärkte zurückkehren können „und das kostet Geld“.

„Keinen Cent“ hätte Deutschland bisher für Griechenland bezahlt, lediglich Garantien seien übernommen worden, erklärte der SPD-Politiker. Dennoch wäre es gut möglich, dass Garantien fällig werden.

„Wir waren bereit, viel Geld für die deutsche Wiedervereinigung aufzubringen, die alle unsere Nachbarn trotz schlechter Erfahrungen mit uns begrüßt haben“, sagte Steinbrück und fügte hinzu: „Jetzt sollten wir uns die Frage stellen, was uns Europa wert ist.“

Zwischen Ignoranz und Dreistigkeit

Wer die Wiedervereinigung Deutschlands mit dem „Zusammenschluss“ der europäischen Länder vergleicht, stellt Äpfel und Birnen gegenüber. Darüber hinaus entdeckte die damalige Bundesregierung unter Helmut Kohl (CDU) auch nach dem Zusammenschluss von Ost- und Westdeutschland „völlig überraschend“ ein gigantisches Haushaltsloch. Theo Waigel (CSU) als Bundesfinanzminister war ebenso „völlig überrumpelt“ worden und die vor der Bundestagswahl kategorisch verneinte Steuererhöhung war „Null und Nichtig“ (Horst Köhler war zu dieser Zeit Staatssekretär im Bundesfinanzministerium).

Am Ende ruinierte die Wiedervereinigung das Rentensystem, begleitet von bis heute vermissten „blühenden Landschaften“.

Wen meint Peer Steinbrück mit „wir“, die dazu bereit gewesen wären, viel Geld aufzubringen, geschweige die Entscheidung gehabt hätten, selbst dann, wenn die Bundesregierung die Karten auf den Tisch gelegt, sprich die Wahrheit gesagt hätte? Unsere Nachbarn, die „trotz schlechter Erfahrung“ (warum, zuvor es gab noch nie eine Wiedervereinigung?) den innerdeutschen Zusammenschluss „mit uns begrüßt“ hätten, beschreibt allerdings mit keiner einzigen Silbe den Preis dafür, den Deutschland zu zahlen hat.

Das war u.a. der Grund, warum der einstige Euro-Gegner Kohl zum „flammenden Verfechter“ der Währungsgemeinschaft wurde. Die Regel lautete schlicht: „Keine Erlaubnis zur Wiedervereinigung, wenn Deutschland nicht dem Euro beitritt“. Wie teuer dieser Preis kommen wird, zeichnet sich immer deutlicher ab.

Eine rein rhetorische Frage, „wir sollten uns die Frage stellen, was uns Europa wert ist“, denn kaum vorstellbar ist, dass Peer Steinbrück wirklich die Antwort wissen wollte. Bereits dreist ist es jedoch, so zu argumentieren, als wenn der Sparer, Endverbraucher und Steuerzahler noch überhaupt kein Opfer geleistet hätte.

Die Leistung der schwarz-gelben Regierung war es u.a. das Rentensystem nachhaltig zu zerstören und die Perspektiven der kommenden Rentner zu minimieren und die „Meisterleistung“ der darauf folgenden SPD-geführten Regierung nennt sich Agenda 2010, betrifft die gegenwärtigen Arbeitnehmer und führte Deutschland in die Kategorie Billiglohn-Land, während die Konzerne weiterhin Milliarden-Gewinne einstreichen.

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.