Paradoxe Situation: Japan Katastrophe Atomkraftwerk Fukushima

Ökostrom – Atomausstieg-


Die noch akute Gefahr der großflächigen Verstrahlung durch radioaktiven Staub und Partikeln im Umkreis der Atomkraftanlage in Fukushima scheint sich immer mehr in eine echte Katastrophe zu wandeln.

Atomunglück Fukushima in Japan ruft Atomkraftgegner auf den Plan

Die Nachrichten der einschlägigen Medien überwerfen sich mit neuen Berichten der ausgeweiteten Gefahren für die japanischen Anwohnern und den Menschen über die Grenzen hinaus. Beinahe schon in Vergessenheit geraten dabei die sehr zahlreichen Toten, die gigantischen Schäden durch das Erdbeben und dem darauf folgendem Tsunami.

Die Meldungen über das Leck geschlagene Atomkraftwerk in Fukushima erstickten die aufkommenden „Sorgen der Aktienmärkte“ gleich nach dem Ansatz. „Japan und seine lokalen Schäden sind weit weg, aber eine Atomwolke könnte schließlich auch uns erwischen…“.

Vorgänge wecken viele Erinnerungen an Tschernobyl – Vor der Haustüre

In Europa ist man sich seit 1986 mehr als bewusst, welche langfristigen Konsequenzen ein solcher Atomkraftwerk Super Gau mit sich ziehen kann. Die Kernschmelze in Tschernobyl, der heutigen Ukraine, hinterlässt selbst nach fast 25 Jahren immer noch ihre deutlichen Spuren.

Nicht sehr viele Menschen innerhalb der betroffenen Zonen, vor allem im Süden Deutschlands, sind sich im Klaren, dass die akuten Gefahren der überhöhten radioaktiven Strahlungen damals sehr schnell „ungefährlich“ wurden, da man sehr kurz nach dem Tschernobyl-Unglück die Grenzwerte bis zum Eintritt einer tatsächlichen Gefährdung in „wissenschaftlicher Weisheit“ erhöht hatte.

So schnell war die Gefahr „elegant gebannt“ und der Bürger war beinahe beruhigt. – Update: EU nimmt damalige Entscheidung als Vorbild – Infos.

Proteste nach Erhöhung der EEG-Umlage – Nun Rufe gegen Atomkraft

Der erste Aufschrei zur angekündigten Strompreis-Erhöhung zum Wechsel 2010/2011 war groß (Info). Die Stromversorger leíteten die erhöhten Umlagen für Ökostrom, in diesem Fall besonders der aus Photovoltaik-Anlagen (PV-Strom) erzeugte Strom schnell und zügig an den Endverbraucher weiter.

Das „Sponsoring“ der in Privathaushalten errichteten PV-Anlagen durch den Staat kostet Geld, das von irgendwo herkommen muss. Da die Erhöhungen zur EEG-Umlage dem „Strom näher liegen“ als Abzweigungen von der Kfz-Steuer zur Finanzierung der Öko-Strom Subventionierung liegt klar auf der Hand.

Der in Atomkraftwerke erzeugte Strom ist trotz der „versteckten Kosten“ wie z.B. die Beseitigung der radioaktiven Abfälle (die nächsten Generationen werden es uns „sehr danken“) und die neu eingeführte Brennstoff-Steuer (Info) „von der Stange“, massenhaft produziert, also somit billiger als die erzeugte Strom-Energie aus regenerativen Mitteln.

Für ein Umdenken ohne die „nötigen Katastrophen“ ist es noch weit

Es ist verständlich, dass es für den Endverbraucher schwer nach zu vollziehen ist, woher der Strom kommt. Der „Saft aus der Steckdose“ ist immer der gleiche, es ist kein Unterschied bemerkbar. „Warum soll ich dann für das Gleiche mehr bezahlen?“.

Ein billiges Vanille-Eis schmeckt auch „billiger“ als ein teures, wer dem entsprechend wählt, bemerkt auch einen Unterschied im Geschmack. Leider nicht so bei Strom (und auch Heizgas). Die Globalisierung auf den Energiemärkten ist noch nicht bis in die Köpfe der Stromverbraucher vorgedrungen.

Jetzt nach, oder eigentlich noch während der Atom-Katastrophe im japanischen Fukushima werden die Rufe zum Ausstieg aus der Atomenergie wieder sehr viel lauter.

Naturfreundlicher Öko-Strom ist (naturgemäß) teurer

Atomkraftwerk
Geforderte Alternativen zum Atom-Strom
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Dass bis jetzt der Endverbraucher Jahrzehnte lang bewusst auf das „teurere Vanille-Eis“ verzichtet hätte, wäre allerdings zu einseitig betrachtet. Atomkraftwerke existieren schon seit Jahrzehnten und produzieren seit dem billigen Strom.

Die Technologie für alternative Energien steckte für lange Zeit in den Schubladen, wurde erst relativ spät hervorgeholt und die praktischen Umsetzungen starteten eher schleppend. Das Projekt „GROWIAN“ (Groß-Windanlagen) in den 80-er Jahren ist ein Muster-Beispiel des Scheiterns.

Photovoltaik-Anlagen erleben zurzeit einen gigantischen Boom, können aber mit dem Entwicklungsstand der Atomkraftwerke noch nicht mithalten. Das Potenzial für bessere und ausgereiftere Technologien ist noch lange nicht ausgereizt.

Der Öko-Strom durch die Investitionen für Wiederaufforstungs-Programme der Regenwälder als „Gegengewicht“ zum erzeugten CO2-Ausstoss ist zweischneidig. Die „Öko-“ Stromerzeugung mit Biogas-Verbrennungsanlagen „hinkt“ etwas.

Proteste gegen neu geplante Staudämme für Wasserkraftwerke werden generell angemeldet. Gezeiten-Generatoren am ufernahen Meeresgrund klingen in den Ohren der Stromverbraucher etwas „suspekt“. Bürgerwehren bilden sich, wenn Windkraftanlagen aufgestellt werden sollen.

Es liegt klar auf der Hand, es gibt noch keine alternative naturfreundliche Stromerzeugung die einerseits unseren bereits gigantischen und immer weiter wachsenden Stromhunger zum gleichen Preis wie den Atom-Strom stillen kann.

Der Ausstieg aus der Atomkraft kostet Geld

Der aktive Ausstieg bis zur Abschaltung des letzten Atomkraftwerkes ist noch ein langer und auch beschwerlicher Weg.

Einerseits ist mit heftigem Widerstand aus der Wirtschaft zu rechnen, andererseits ist die Technologie für alternative Stromerzeugung noch nicht so weit fortgeschritten um schon alleine unseren heutigen Energiebedarf decken zu können.

Das rechnerische Beispiel, „es reiche nur eine Fläche so groß wie Bayern für eine Photovoltaik-Anlage in der afrikanischen Wüste Sahara“ zur Deckung des weltweiten Energiebedarfs mag ja stimmen. Der theoretisch winzige Fleck auf der Landkarte wird allerdings zur (noch) unlösbaren Aufgabe, wenn es zur Umsetzung in die Praxis kommen sollte.

Die gleich große flächendeckende PV-Anlage verteilt auf Hausdächern, freie Landflächen und Industrie-Geländen macht nur in wenigsten dem Süden nahe gelegenen Breitengraden Sinn. PV braucht Sonne, viel Sonne. Je nördlicher, desto mehr Wirkungsfläche würde benötigt werden, usw. Es kostet und kostet.

Provokativ: Wer gegen Atomstrom protestiert sollte auch selber handeln!

Wer für den Ausstieg aus Atomkraftwerken steht, der kann und sollte diesen mit dem Strombezug nicht auch noch nähren, sondern umsteigen auf Öko-Strom-Lieferanten, die genau diese alternative Stromerzeugungen mit anbieten.

Öko-Strom ist etwas teurer als Atom-Strom, ganz klar. Aber der Preisunterschied wird meist weit überschätzt. Die Strompreiskosten erhöhen sich je nach Haushalt und dem jährlichen Stromverbrauch teilweise nur lediglich um ein paar Euro.

Auch für den Strombezug gültig: Das Ruskin’sche Preisgesetz

Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen kann und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Menschen.

Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.

Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.
John Ruskin, engl. Sozialreformer, 1819-1900 —

In diesem Fall ist der Gegenstand der (Atom-) Strom. Schäden durch Erdbeben und Tsunami sind in relativ kurzer Zeit reparabel. Aber die Menschen in Tschernobyl verloren Alles. So wie es aussieht ereilt den Menschen in Japan, in und um Fukushima das gleiche Schicksal.

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