Ökonomen: Frankreich könnte Euro in Abgrund ziehen

Eurokrise-


Frankreichs schwächelnde Wirtschaft wird zur immer größeren Gefahr für den gesamten Bestand des Euro-Projekts, so führende Ökonomen. Aufgrund struktureller Probleme in Frankreich, können auch im Notfall der Euro-Rettungsschirm ESM sowie das Anleihenkaufprogramm keine wirksame Gegenmittel darstellen.

Frankreich als der „schlafende Zyklon“?

Euroschulden Krise
Zieht Frankreich den Euro
endgültig abwärts?

Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Führt letztendlich ein Mitgliedsland die Währungsunion in den Abgrund, von dem lange Zeit aufgrund des Griechenland-Desasters kaum etwas zu hören war? Über Wochen wurde der Öffentlichkeit die Einigkeit zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem ehem. französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy „spürbar“ nahe gebracht. „Merkozy“ wurde hofiert. Ein jähes Ende der gemeinsamen Eurokrisen-Bekämpfung fand mit Frankreichs fliegenden Wechsel des Präsidenten ab. Francois Hollande und Merkel „können nicht so gut miteinander“.

Zwischendurch brodelte es aus der Gerüchteküche, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vorgeschlagen haben soll, eine „Delegation Wirtschaftsweisen“ ins Nachbarland Frankreich zu schicken, um dort „nach dem Rechten“ zu sehen. Zwischendurch wurden auch mal Zahlen aus Frankreichs Wirtschaft genannt, u.a. die schwächelnde Autoindustrie, Gefahr steigender Arbeitslosigkeit und auch die logische Bonitätsabstufung durch Ratingagenturen.

Offenbar ist das Eisen doch viel heißer als es bisher vermutet, oder gar nur dargestellt wurde. Die US-Ratingagentur scheint nun mit der Abstufung des Euro-Rettungsschirm-Doppelgespanns EFSF und ESM den Stein ins Rollen gebracht zu haben, dass sich Ökonomen sogar gezwungen sehen, förmlich Alarm zu schlagen.

So sehen führende Ökonomen in Frankreich nicht nur ein Sorgenkind, sondern sogar als „die größte Gefahr für den Euroraum“. Die stark rückgängige Wirtschaft Frankreichs könnte die Eurozone ins Wanken bringen. Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank, weist darauf hin, dass beim Eintreten eines Rettungsfalls den kleineren Ländern wie Spanien noch durch den ESM und das neu ins Leben gerufene Anleihekaufprogramm (OMT) der Europäischen Zentralbank (EZB) unterstützt werden könnte. Die größte Gefahr für den Euro-Raum scheint zurzeit von Frankreich und ggfs. Italien zu kommen, so Bielmeier zum Handelsblatt Online (Montag).

Frankreich hätte es mit strukturellen Schwächen als Ursache zu tun, während in Italien das Risiko überwiegend in einer politischen Unsicherheit läge, so der Chefvolkswirt. Dennoch werde Frankreich, sobald die Märkte den Druck auf das Land erhöhten, das Reformtempo „deutlich erhöhen“, so Bielmeier.

Eine ähnliche Besorgnis zur schwächelnde Wirtschaft Frankreichs zeigte auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Demnach wäre Frankreich „faktisch zum Anwalt der hochverschuldeten Peripherieländer“ geworden. Deutschland wäre in seinem Bemühen, einen durch Geldwertstabilität und Wettbewerb geprägten Euroraum zu erhalten, von Frankreich isoliert worden, so Krämer zu Handelsblatt Online. Die politische Symmetrie im Euro-Raum würde durch den wirtschaftlichen Abstieg zerstört werden.

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