Ob Euro-Crash oder -Rettung – Privatanleger verlieren immer

Anleger in der Eurokrise-

Es zeichnet sich immer klarer ab, dass Privatanleger auf jeden Fall zur Ader gelassen werden. Ob nun der befürchtete Euro-Zusammenbruch über alle Mitgliedsländer eintreffen wird, oder das bisherige „Finanz-Gewurstel“ die Gemeinschaftswährung eine Zeit lang über Wasser halten kann, der Privatsparer wird herbe Verluste hinnehmen müssen.

Der Druck auf den Euro wird immer größer
Euro in der Krise
Steigender Druck auf
die Gemeinschaftswährung

Trotz politischem Wechsels steht Griechenland bereits mit einem Bein außerhalb der Euro-Zone. Die auferlegten Sparmaßnahmen werden zusehends aufgeweicht und führen das gewünschte Ziel einer wirtschaftlichen Selbstheilung in weite Ferne.

Der Kleine jetzt ganz groß – Beim Hilfe rufen
Mit Zypern steht ein Land in der Reihe der Bittsteller, das die letzten Jahre der Europäischen Union eine „Oase der Zufluchten“ bot. Das Bankensystem des kleinen Inselstaates lebte auf Kosten der allgemeinen Steuerzahler, indem die Einfuhr von „undeklarierten Einnahmen“ als ein Kinderspiel ermöglicht wurde.

Die Kombination unverantwortlicher Zockerei, die enge wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Griechenland und der Abriß einstiger Geldschwemmen, bringt nun das virtuelle EU-Gebilde Zypern zum Kippen. Die bereit gehaltenen Rettungsschirme sollen wiederum auf Kosten der Steuerzahler (und Sparer) den hausgemachten Schaden richten.

Der Traum von der „deutschen Finka“
Spaniens Immobilien-Ballon ist am Boden. Banken horten Berge von wertlosen Papieren durch geplatzte Immobilienkredite. Überwiegend private (ehem.) Immobilienbesitzer sind nicht mehr in der Lage, ihre Kredite zu bedienen. Hohe Arbeitslosigkeit und fallende Immobilienpreise ziehen sich gegenseitig in den tiefen Schulden-Strudel der Anleger. Die Immo-Preise stürzen ab, eine Zwangsversteigerung verfehlt den notwendigen Erlös bei weitem.

Der Präsident des Münchener ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, warnt vor den katastrophalen Ausmaßen eines Euro-Zusammenbruchs. Eine „Schrumpfung des Euroraumes“ wäre eine präventive Maßnahme gegen ein „lautes Platzen“ der Euro-Blase.

In einem Interview mit Focus-Online (28.06.2012) rät der ifo-Chef den Anlegern, besser in Sachwerte statt in Finanzwerte anzulegen. Denn Privatanleger haben in jedem Fall mit hohen Verlusten zu rechnen.

Für ifo-Chef käme eine Selbstheilung Spaniens in Frage
Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn
Präsident der ifo

Spanien müsse sich selber retten, argumentiert Hans-Werner Sinn. Das geschnürte 100 Mrd.-Hilfspaket für Spanien stellt lediglich eine Linderung des Gesamtschuldenberges dar.

Zusammen mit den bisher schon geleisteten Finanzmitteln per europäischem Kreditsystem, stehen inzwischen 400 Mrd. Euro im Raum, die zwar das zweifache Eigenkapital der Banken stellen, aber erst die Größenordnung von nur 11% des Anlagenvolumens erreichen.

Lediglich ein Teilverzicht der Gläubiger und Anleger könnte Spanien die Fähigkeiten geben, sich selbst aus dem Schuldendilemma heraus zu ziehen. Betroffen wären besonders Gläubiger des Banken- und Versicherungswesens in Frankreich sowie Deutschland.

Für den ifo-Chef ist es der bessere Weg, Banken und Versicherungen zu belasten, statt den deutschen Steuerzahler per geplatzter Rettungsschirme noch mehr in die Bürgschaft zu nehmen.

Bitte aus der Euro-Zone austreten und eigene Währung einführen
Hans-Werner Sinn zieht angesichts des noch bevorstehenden Schuldendramas um Italien ein nüchterndes Fazit. Den Ländern sollte nicht vorgeschrieben werden, was sie zu tun oder zu unterlassen haben.

Überschuldete Länder können jedoch nicht verlangen, von Geldgeber-Ländern auf Dauer finanziert zu werden. Wenn ein Land mit den bereits „überfüllten“ Rettungsschirmen nicht zurechtkommen will, bzw. kann, dann soll eben als Konsequenz ein Austritt aus dem Euro vollzogen werden.

Sparer und Privatanleger mit mindestens einem blauen Auge

Der Chef des ifo-Instituts sieht eine geringe Gefahr durch Inflation. Durch den Kreditkreislauf über frisch gedrucktes Geld, über die Linie Süd- und Nordländer, landet das Kapital letztendlich wieder in der Zentralbank und wird kurzerhand vernichtet. Eine übermäßige Geldmengenvermehrung im Markt findet nicht statt.

Hohe Verluste für Sparer vorprogrammiert
Wie sich die Euro-Krise auch entwickeln mag, der Privatanleger darf dafür bezahlen. Falls die überschuldeten Mitgliedsländer im Euro-Raum verbleiben und erforderliche Hilfspakete ausbleiben, verlieren Sparer ihre Anlagen durch eintretende Staatspleiten.

Fortgesetzte Hilfszahlungen würden letztendlich die Einführung einer Vermögenssteuer zur Folge haben.

Sollten Schuldenländer aus der Euro-Zone austreten, werden deren neu eingeführten Währungen stark abgewertet werden. Das Ersparte der Anleger verliert seinen Wert im gleichen Zuge.

Deutschland ist noch ein sicherer Hafen
Vertrauensverluste in überschuldeten Ländern führen regen Kapitalfluß in solvente Länder. Dazu zählt auch Deutschland. Das Gewinn-Risikoverhältnis lädt nach wie vor zu Investitionen in den deutschen Märkten ein. Steigender Konkurrenzdruck ist jedoch seitens Dänemark und der Schweiz zu spüren.

Investitionen in Sachwerte – „Besser Hallenbesitzer als Besitzloser“
Für langfristige Geldanlagen empfiehlt Sinn die Investiton in realen Sachwerten. Dazu zählen u.a. Immobilien oder Renovierungs- und Erweiterungsmaßnahmen am Eigenheim. Sogar der Erwerb von Firmengebäuden wäre der bessere Weg, um am Ende als „Hallen-Besitzer“, statt als Besitzloser dazustehen.


Bild Euro: Gerd Altmann / pixelio.de
Bild Hans-Werner Sinn: Jan Roeder, Krailling

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