Neben virtuellen Werten nun auch scheinbare Aktionäre?

Virtuelle Aktienhändler-

Einen Zuwachs um rund einheinhalb Millionen zurückgekehrter Privataktionäre meldete am Dienstag das Deutsche Aktieninstitut (DAI) und stellte bei den Anlegern eine Neuorientierung in Sachwerte fest. Die Aktionäre scheinen sich jedoch auf einem noch unbekannten Terrain zu befinden. Zumindest halten sie sich offenbar erfolgreich im Untergrund.

Die Suche nach verschollenen Privataktionären

Mystery Shareholder
Mysteriöse Privataktionäre
Wo sind sie?

Das DAI erfasste per repräsentativer Umfrage die Anzahl der aktiven Privat Aktionäre in Deutschland und meldete einen starken Zuwachs von rund 1,5 Millionen Rückkehrer zu den Börsenplätzen. Innherhalb eines halben Jahres wäre demnach die Anzahl der Akienbesitzer um 17% angewachsen. Mit 10,2 Millionen Wertpapierhändlern nähere man sich wieder der Marke von vor 2007.

Nachdem die Commerzbank jedoch die ernüchternden Zahlen im Privatkundengeschäft veröffentlichte und als einer der Hauptgründe die „Zurückhaltung der Wertpapierhändler“ nannte, hätte es sich noch um ein spezifisches Problem der Bank handeln können. Allerdings zog die comdirect mit den neuen Zahlen zum Brokerage Index nach (08. August) und erklärte die Rückgänge durch „verunsicherte Privatanleger aufgrund der hohen Volatitlität der Märkte“.

Das war bereits Grund genug, um auf die gegensätzlichen „Tatsachen“ hinzuweisen

Aktionäre scheinen verschollen zu sein
Wo die 1,5 Mio. Neuankömmlinge, bzw. Rückkehrer an den Handelsplätzen untergekommen sind, wollte ein Reporter von Welt Online (Freitag) genauer wissen und begab sich mit der „Mission“ auf den Weg, die neue Heimaten zu erkunden.

Suche nach Privataktionären beim Dreh- und Angelpunkt
Was läge näher, als sich bei der Zentrale des deutschen Aktienhandels zu erkunden? Der erste Anlauf wurde mit einem Anruf bei der Deutschen Börse gestartet. Eine ernüchternde Antwort kam prompt. Man hätte die Aktionäre hier nicht gesehen. Zwar sei eine Unterscheidung zwischen Alt- und Neu-Aktionären nicht möglich, aber von einem Ansturm würden die Handelsumsätze nicht gerade sprechen. Im ersten Halbjahr 2012 gingen die Umsätze in Frankfurt sogar um 17% zurück.

Ein Rückgang der Gesamtumsätze hält allerdings nicht die „alten Hasen“ und die „Frischlinge“ auseinander. Es gäbe schließlich noch die Möglichkeit, dass die Alt-Händler ihre Umsätze derart zurückgefahren haben, dass die anwachsende Zahl der Neu-Order die Gesamtbilanz nicht in den positiven Bereich zu verschieben vermag.

Suche nach Privat-Händlern beim „Ober-Verwalter“
Der nächste Ansatz führte den „rasenden Reporter“ zum Deutschlands größten Wertpapierverwahrer, die Deutsche WertpapierService Bank (DWP-Bank). Immerhin verwaltete die DWP-Bank bereits Ende 2011 ca. 4,5 Millionen Depots der Genossenschaftsbanken und Sparkassen.

Auch hier eine enttäuschende Auskunft. Die verarbeiteten Transaktionen blieben derzeit den Vorjahreswerten zurück. DWP-Vorstandschef Markus Walch kann kein Wachstum bei der Anzahl der Depots und in den Wertpapiergeschäften feststellen.

Suche nach Privathändlern bei Online-Brokern
Wenn die 1,5 Millionen Neuaktionäre weder in Frankfurt noch auf dem Land zu finden sind, müssten doch merkliche Zuwachsraten bei den größten Online-Brokern im deutschen Markt zu bemerken sein.

Bei Cortal Consors scheint der Zug der Aktionäre keinen Zwischenstopp eingelegt zu haben. In den vergangenen 12 Monaten sei die Anzahl der aktiven Anleger sogar gesunken. „Man bleibe jedoch wachsam“ und wolle die Privataktionäre „mit einem Lasso einfangen“, sollten sie sich in Reichtweite befinden.

Die Wertpapierdepots von comdirect scheinen in ihrer Anzahl ebenfalls nicht von der Stelle zu kommen. Die Direktbank meldete nur unwesentlich gestiegene Aktivitäten. Von Neukunden in dieser Größenordnung habe man „keine Spur“ gesehen.

Zurück zum Verkünder der guten Nachricht – Das Deutsche Aktieninstitut
Weder in der „Zentrale“ des deutschen Aktienhandels in Frankfurt, noch auf dem Land und schon gar nicht bei den Brokern, wären die Privataktionäre abgestiegen. Ein Zug ohne Ziel und Heimat.

Der Direktor des Deutschen Aktieninstituts, Franz-Josef Level, hätte selbst über das Umfrageergebnis gestaunt, schließlich sei das Umfrageprofil nicht geändert worden. Jedes Jahr wird 10 Mal die gleiche Frage an 20.000 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger gestellt: „Besitzen Sie zurzeit persönlich Aktien?“. Das Ergebnis der letzten Umfrage könne man sich nicht so richtig erklären.

Eine neue Spezie: Mystery-Shareholder

Die Antwort des DAI ist eigentlich ebenso erstaunlich wie das überraschende Verschwinden von 1,5 Mio. Privataktionären. Offenbar konnte sich der DAI das Zustandekommen der Umfrageergebnisse nicht erklären, da sie offensichtlich den Tatsachen widersrpechen. Prompt wurden dennoch „einleuchtende Schlussfolgerungen und Interpretationen“ abgeliefert.

„Die Anleger bevorzugen Aktien als Sachwerte“ und der antreibende Motor wäre die Krisenstimmung innerhalb der Euro-Zone. Außerdem wären rund 4% Renditen durch Dividenden gegenüber den klassischen Anlagenformen, die nichtmal die Inflation ausgleichen könnten, schlagkräftige Argumente. – „Aber über das Umfrage Ergebnis selbst haben wir gestaunt und können es uns nicht recht erklären“.

Offenbar haben wir es bei den 1,5 Mio. neuen Privataktionären analog zum Mystery-Shopping eben mit „Mystery-Shareholder“ zu tun. Mögen die umherziehenden Geister ihre Ziele finden.

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