Milliarden Zypernrettung mehr als doppelt so hoch?

Zypernkrise-


Mit dem 10-Milliarden-Hilfspaket an Zypern könnte es sich um eine beschönigte Mogelpackung handeln und den wirklichen Inhalt von 22 Milliarden Euro „künstlerisch“ verdecken. Die Steuerzahler sind viel höher belastet worden, als bisher geahnt worden ist, so Hans-Werner Sinn vom Münchener ifo-Institut.

Bisher verdeckte und heimliche Hilfszahlungen geflossen

Zypernhilfen
Zypern erhielt über das Doppelte des Bekannten

Ein gänzlich offengelegter Anteil in Höhe von 10 Milliarden Euro, ein nur indirekt angesprochener Hilfskredit in Höhe von 3 Milliarden Euro und ein offenbar vollständig hinter der Hand verbliebene Unterstützungszahlungen in Höhe von 9 Milliarden Euro. Zusammengezählt ergibt die Summe von 23 Milliarden Euro. Der Betrag, der an Zypern offenbar schon bezahlt bzw. zugesprochen wurde.

Der Präsident des Münchener ifo-Instituts gab die drei „Zahlungseinheiten“ in seinem Gastbeitrag für die WirtschaftsWoche (27.04.2013) als den tatsächlichen Umfang der bisherigen Rettungskredite aus dem Ausland an.

Der Kreditbetrag in Höhe von 10 Milliarden Euro ist der Öffentlichkeit hinsichtlich bekannt. 9 Milliarden Euro werden dem Europäischen Rettungsfonds entnommen und 1 Milliarde Euro kommen aus den Kassen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Nennung der von der Troika genehmigten Summe wurde häufig als festgeschriebener und unverrückbarer Betrag genannt, der Zypern letztendlich dazu zwang, die Einlagen der Kontoinhaber in Beschlag zu nehmen, um den geforderten Eigenanteil in Höhe von 5,8 Milliarden Euro zu erreichen. Mit zusätzlichen Spar- und Sanierungsmaßnahmen sollte der europäische Inselstaat die ursprüngliche Finanzierungslücke in Höhe von 17,5 Milliarden Euro schließen können. Dennoch tauchte nur wenige Tage nach der Absegnung des Rettungspakets ein weiteres Minus in Höhe von 5,5 Milliarden Euro auf, welches dann das Gespräch um den Goldverkauf aus den Lagern der zyprischen Zentralbank in den Mittelpunkt rückte.

3 Milliarden Euro erhielten Zyperns Banken direkt von der EZB in Form von „Erste-Hilfe-Krediten“ aus dem sog. Emergency-Liquidity-Assitance (ELA) ausbezahlt. Diese Zahlungen rückten gelegentlich ans Tageslicht, als noch während den „Verhandlungskämpfen“ zwischen der Troika und Zyperns Regierung Druck ausgeübt werden sollte. Die EZB drohte den unmittelbaren Stopp der ELA-Mittel an, sollte Zypern nicht Fakten auf den Tisch bringen, wie die notwendigen Milliarden aus eigener Tasche aufgetrieben werden.

So „klammheimlich im Hinterzimmerchen“ hat sich offenbar ein Geldtransfer abgespielt, der annähernd an den genehmigten Hilfskredit heranreicht. 9 Milliarden Euro wären lt. Sinn schon längst über Target-Kredite der EZB gelaufen. Diese dienten demnach dazu, die Defizite in der Leistungsbilanz des Landes auszugleichen.

„Die erwähnten 22 Milliarden Euro entsprechen 123 Prozent des zypriotischen Bruttoinlandsprodukts (BIP), das 2012 bei 18 Milliarden Euro lag“, rechnete Sinn in WiWo vor.

Das in den Brunnen gefallene Kind ist bereits ertrunken

Im Gerangel um die Zypernrettung wurde stets das Argument betont, es gäbe keinen anderen Weg als die Sparer zu „schröpfen“, da eine höhere Rettungshilfe von außen die Schuldenquote Zyperns zu sehr in die Höhe treiben würde. Der IWF wäre aufgrund der eigenen Statuten aus dem Hilfsprogramm ausgestiegen, da die Zahlung von Hilfsgeldern die Schuldtragfähigkeit des Landes voraussetzte. Es scheint als wenn die Sparer in Zypern in einer Situation enteignet wurden, in der bereits längst bekannt war, dass „Hopfen & Malz“ für das Land längst verloren sind.

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