Merkel: EZB-Studie Privatvermögen ist verzerrt dargestellt

Deutsches Privatvermögen-


Das niedrige Haushaltsvermögen der Deutschen gegenüber allen anderen Länder der Eurozone wäre zwar statistisch richtig, aber dennoch falsch, da verzerrt dargestellt. Bundeskanzlerin Merkel hält die EZB-Studie zum Privatvermögen in den Euro-Ländern für wenig aussagekräftig, da einige wichtige Faktoren nicht mit eingeflossen wären.

„Deutsche sind nicht so arm wie dargestellt“

Privatvermögen
Lt. Merkel würde EZB-Studie Statistik verzerrt darstellen

Die Europäische Zentralbank (EZB) sorgte mit der in der zweiten Aprilwoche veröffentlichten Studie zu den Privatvermögen im Ländervergleich innerhalb der Eurozone für Verwirrung, Erstaunen, Zweifel wie auch Bestätigungen.

Zumindest musste sich die Zentralbank in erster Linie vorhalten lassen, die Analyseergebnisse bewusst zu einem späteren Zeitpunkt an die Öffentlichkeit gebracht zu haben, als eigentlich ursprünglich vorgesehen wurde. Der „Sündenfall“ Zypern kam dazwischen und die vermeintliche „Armut“ deutscher Haushalte gegenüber den krisengeschüttelten Südländern hätte womöglich die deutschen Bürger zum Nachdenken anregen können, warum „wir arme Haushalte mit unserem restlichen Geld“ die insolventen Banken und „reichen Haushalte“ der südlichen Euroländer retten müssen. Somit wurde das Rettungspaket für Zypern erst einmal dingfest gemacht und anschließend war die Zeit gegeben, um den deutschen Haushalten den EZB-Bericht „um die Ohren zu hauen“.

Aus der Analyse geht in Zahlen geschrieben hervor, Schwarz auf Weiß, dass die deutschen Privathaushalte das geringste Privatvermögen in der gesamten Euro-Zone besitzen. Für einen Großteil der internationalen Öffentlichkeit ist die Vorstellung, dass das Land mit der größten Wirtschaft Europas, ein Spitzenreiter des weltweiten Exporthandels, die „minderbemitteltsten“ Einwohner vorweist.

Der Blick hinter die Kulissen würde jedoch auch die Erklärungen für den scheinbar unmöglichen Umstand liefern. Agenda 2010, kalte Progression, Hartz IV, Leiharbeit, Lohnsteigerungen und Inflation sind nur einzelne Stichwörter, die auf den Weg der Wahrheit führen würden. Dass die neuen Rekordgewinne und Produktionssteigerungen sowie wachsender Exportüberschuss der Industrie und Großunternehmen nichts mit dem Vermögenszuwachs der Privathaushalt zu tun hat, wird in kaum einen anderen Land deutlicher hervorgehoben als in Deutschland.

Damit jedoch nicht ein allzu großer Unmut in der Bevölkerung entsteht, geschweige sich ein Aufbegehren gegen die augenscheinliche Schieflage entwickeln könnte, wird in die Trickkiste alias „Armutsbericht“ gegriffen, bei der die ursprünglich dargestellten Fakten beschönigt, bereinigt oder schlicht beseitigt wurden, um die vermeintlichen Fakten der Analysen in einem völlig neuen und strahlenden Licht erscheinen zu lassen.

„Ist doch nur alles halb so schlimm“
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht offensichtlich ein, dass Länder wie Zypern, Spanien oder Griechenland zwar reichere Haushalte haben, allerdings nur ein statistisch. Deutsche Haushalte würden nach dem EZB-Bericht 51.400 Euro als Privatvermögen besitzen, in Zypern jedoch 266.900 Euro, in Spanien 182.700 Euro und auch in Italien 173.500 Euro. Die Statistik wäre jedoch verzerrt, lenkte lt. Spiegel Online (Freitag) die Bundeskanzlerin ein.

Demnach wären die Deutschen reicher als es die Europäische Zentralbank vermutete. In den Berechnungen wären die hohen Rentenansprüche der Deutschen gar nicht enthalten. Ebenso tauchten in den Analysen keine Immobilien oder Vermögen auf, die Deutsche im Ausland hätten. Aus diesem Grund würden die durchschnittlichen Vermögen der deutschen Haushalte geringer ausfallen als sie tatsächlich wären.

Rentenanspruch ein Privatvermögen?

Man könnte pragmatisch dagegen halten, dass auch Italiener, Spanier und Zyprioten irgendwelche Formen von Privatvermögen im Ausland besitzen, was spricht dagegen? Darüber hinaus ist das Einbeziehen der Rentenansprüche, die (theoretisch) erst wirksam werden, wenn das entsprechende Renteneintrittsalter (65, 67 oder gar 69 Jahre?) erreicht ist, abenteuerlich.

Ein Privatvermögen steht dem Eigentümer frei zur Verfügung, das zu jeder Zeit verwendet oder veräußert werden kann, sofern sich ein Abnehmer findet. Welche Bank würde jedoch bei einer Darlehensaufnahme den Rentenanspruch als Sicherheit akzeptieren? Darüber hinaus besitzt die Rentenversorgung in Deutschland keine Monopolstellung, sondern ist auch in den Südländern der Eurozone existent. Somit müssten deren Ansprüche nach „Merkelschen Vorstellung“ ebenfalls in die Berechnungen des Privatvermögens mit einfließen.

Vielmehr dürfte das „Problem“ der Bundeskanzlerin sein, den signifikanten Unterschied zwischen Arm und Reich in Deutschland möglichst flach zu halten. Die Differenz zwischen den „oberen 20%“ und den „unteren 20%“ zum Vermögen ist in Deutschland extrem und scheint auch von anderen Nordländern der Eurozone als uneinholbar.

Die Spitze der Reichen und Superreichen genießen offenbar einen besonderen Schutz, aber die „arme Masse“ bringt eben die Wählerstimmen.

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