Mehr Zeit für Griechenland – „Aber es kostet“

Griechenlandkrise-


Die hoch verschuldeten Hellenen erhalten mehr Zeit für ihren auferlegten Sparkurs, nachdem die Troika den Bericht zu ihrer Sichtweise auf Griechenlands Bemühungen vorgelegt hatte. Nun gilt es noch Details für die bereits gebilligte Hilfstranche in Höhe von 31,5 Milliarden Euro zu klären und beiläufig darüber zu diskutieren, woher die nächsten geschätzten rund 32 Milliarden Euro finanziert werden sollen.

Mehr Zeit für griechischen Sparkurs

Euro Zocker
Das Spiel um den Euro

Ob der Bericht der Troika, bestehend aus Vertretern der Europäischen Zentralbank (EZB), dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU-Kommission, bis Montag vorgelegt werden könne, stand noch letzte Woche nicht fest. Dennoch präsentierte die „Troika-Delegation“ pünktlich zur Sitzung der Finanzminister der Euro-Länder die ermittelten „Bilanzen“ Griechenlands.

Das Urteil fiel etwas verhalten aus. Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker erklärte lt. F.A.Z. (Montag), „der Troika-Bericht ist im Grundton positiv, weil die Griechen ja wirklich geliefert haben.“ Dennoch wurde davon abgesehen, die bereits gebilligte Kredittranche in Höhe von 31,5 Milliarden Euro an das hoch verschuldete Land frei zu geben. „Definitive Beschlüsse“ können noch nicht gefasst werden, da noch einige Angelegenheiten zur Finanzierung und der Schuldentragfähigkeit geklärt werden müssen, so Juncker und verwies auf ein weiteres Treffen der Finanzminister aus den Euro-Mitgliedsländern.

Dennoch musste die Troika zahlreiche frühere Einschätzungen revidieren. Griechenlands Fahrt in die Rezession schritt viel schneller als erwartet voran. Bis zum nächsten „offiziellen Konkurs“ Griechenlands bleiben nur noch wenige Tage. Der Kreditrahmen in Höhe von 31,5 Milliarden Euro würde bereits am 16. November benötigt werden, oder Griechenland geht Pleite. „Not-Griffe“ zu behelfsmäßigen Finanzierungen über Anleihen sollen die Hellenen noch über einige Tage hinaus Aufschub geben können.

Griechenland erhält mehr Zeit zum Sparen
Die Sparziele müssen erreicht werden dafür bekommt Griechenland nun mehr Zeit bis 2022. Gleichzeitig wurden die anfallenden Kosten für den Zeitaufschub auf 32,6 Milliarden Euro beziffert. Darüber hinaus erhält das Thema Schuldenschnitt eine weitere Renaissance. Die Chefin des IWF, Christine Lagarde, forderte lt. Süddeutsche Zeitung (SZ) (Dienstag) dazu auf, alle Möglichkeiten zu prüfen, um die Schuldenlast Griechenlands „nachhaltig zu senken“. Ein erneuter Schuldenerlass für Athen wurde ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

Eine wiederholte Abschreibung würde beim nächsten Mal die öffentlichen Gläubiger treffen, also die EZB und / oder die Euro-Länder, nachdem in der ersten Runde bereits die privaten Gläubiger auf ein Volumen von rund 100 Milliarden Euro verzichten mussten.

Verzweifelte Hoffnung auf ein Wunder?

Die Schuldenquote Griechenlands wird am Ende 2012 voraussichtlich bei über 170 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. Das ursprünglich gesetzte Ziel, 120 Prozent bis zum Jahr 2020, wird um zwei Jahre verlängert.

Die zeitlichen Ausdehnungen gelten auch für das Erreichen von 4,5 Prozent der Wirtschaftsleistung zum Primärüberschuss sowie eine Senkung des Haushaltdefizits auf unter 3%. Dafür erhält Griechenland nun Zeit bis 2016.

Das Bruttoinlandsprodukt Griechenlands schrumpft seit 2009 kontinuierlich. Auch für 2013 wird eine Wirtschaftsschrumpfung von bis zu -4,0% erwartet. Danach blieben nur noch 2 Jahre Zeit, um das Wunder zu den Überschüssen bei gleichzeitiger Senkung der Neuverschuldung zu vollbringen. Bis 2022 soll die Schuldenquote um rund 55 Prozentpunkte abgesenkt sein.

Es blieben nur zwei Möglichkeiten: Entweder man versucht einen Felsbrocken im freien Fall zu einer Konjunktur-Rakete umzuwandeln oder alle bisherigen und noch kommenden Zahlungen an Griechenland werden hinter vorgehaltener Hand bereits als „Zuneigung“ und „Schenkungen“ gehandhabt. Geplante Schuldenschnitte wären dann die andere Hälfte vom gesamten Kuchen. Somit liefen wiederum alle Fäden bei den Steuerzahlern in den nördlichen Euro-Ländern zusammen.

Bild: tarifometer24.com

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