Mario Draghi schüttet Banken mit 1 Billionen Euro zu

Eurokrise-


400 Milliarden Euro für den Finanzmarkt sind offensichtlich nicht genug. Die Europäische Zentralbank sieht einen Rahmen von 1 Billion Euro billiger Kredite an europäische Banken vor. Im Vordergrund stehe die Ankurbelung der Realwirtschaft. Der wahre Hintergrund dürfte jedoch Bestände fauler Kredite und die Sanierung der Bilanzen aufzeigen.

Banken

Die Europäische Zentralbank wendet ein Prototyp der Finanzinstrumente an

1 Billion Euro für Langzeitkredite zu 0,25% Zinsen, festgeschrieben

„Nicht kleckern, sonder klotzen“. Die Europäische Zentralbank (EZB) will zu den im Juni eingeleiteten Maßnahmen offenbar noch eine kräftige Portion draufschlagen. Das Beiwerk zu den zuletzt vorgenommenen Zinsabsenkungen sowie der erstmaligen Einführung eines Negativzinssatzes für das bei der EZB von den Banken gebunkerte Kapital, sprach EZB-Chef Mario Draghi von einem Sonderkontingent für besonders günstige Bankenkredite in Höhe von 400 Milliarden Euro.

Doch scheinbar war dieses Volumen für langfristig angesetzte Kredite (TLTRO) nur ein grober Anhaltspunkt. In den kommenden zwei Jahren soll nun 1 Billion Euro locker gemacht werden. Die Banken erhalten diesen EZB-Kredit zu kleinen festgeschriebenen 0,25% Zinsen.

Die bisherigen Maßnahmen der „einfachen Leitzinsabsenkung“ haben den gewünschten Effekt einer belebten Realwirtschaft nicht erfüllt. Aus diesem Grund wird die EZB-Notenpresse auf Hochtouren gebracht, um über diesen Weg Banken zur verstärkten Kreditvergabe an Unternehmen zu bewegen. So zumindest die Erklärung des Notenbank-Chefs.

1 Billion Euro für Realwirtschaft oder eher zur Banken-Sanierung?

Ob die erneute massive Geldflutung in einer etwas abgewandelten Variante das erwünschte Ergebnis bringen wird, ist gar nicht sicher gestellt. Zumindest sind die Zweifel zahlreicher Ökonomen groß. Die geldpolitischen Maßnahmen der EZB sind Neuland, Erfahrungen und bisherige Ergebnisse fehlen völlig. DIW-Chef Fratzscher bezeichnete das Vorgehen vieler Zentralbanken als ein Sprung ins Ungewisse, wie beim „Bungee-Juming“.

Die „Ober-Zentralbank“, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), hält das Risiko im Bankensektor nach wie vor als sehr hoch. IW Köln fürchtet aufgrund der Niedrigzinspolitik und der hohen Liquidität sogar die Züchtung zahlreicher Zombie-Banken.

Angesichts der offenbar noch enormen Anzahl fauler Kredite in den Kellern einiger Großbanken, kann durchaus angenommen werden, dass die Geldflut der EZB zur Sanierung der eigenen Bilanzen genutzt wird, statt diese an die reale Wirtschaft weiter zu reichen. Die „virtuelle Bankenwirtschaft“ genießt nach wie vor höhere Priorität als die produktive Realwirtschaft.




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