Lösungsbeitrag aus EU-Schuldenkrise – EWS II als Modell

Euro Schuldenkrise-

Der Aufruf von inzwischen über 250 Wissenschaftlern, den geplanten Rettungsschirm ESM in seiner neuen Form nicht auszuweiten, hatte nach der Veröffentlichung für heftige Reaktionen gesorgt. Neben dem Vorwurf von „zu hoher Emotionalität“ in den Ausführungen, kritisierten die Gegner das Fehlen von Beispielen, welche Maßnahmen letztendlich aus der Euro-Krise herausführen könnten.

Hans-Werner Sinn, Chef des Münchener ifo-Instituts und Friedrich L. Sell, Universität des Bundes Münchens und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des IWH Halle, arbeiteten zusammen einen möglichen Weg aus, der der Spirale des Schuldendilemmas ein Ende bereiten könnte.

Alte Ideen neu aufgegriffen – EWS II als „Zwischenstation“

Schuldenkrise
Lösungsvorschlag aus Schuldenkrise

In der SZ (24.07.12) erklären Sinn und Friedrich, wie der Angst vor dem endgültigen EU-Austritt der Schrecken genommen werden könnte.

Die Südländer der EU hätten durch ein Ausscheiden aus der Euro-Zone besonders den Verlust von Vorteilen zu befürchten, den sie innerhalb der Gemeinschaft genießen könnten.

Vorrübergehend eine eigene Währung in einer Zwischenstufe
So könnten den hochverschuldeten Krisenländern die Möglichkeit gegeben werden, nach einem Verlassen der Euro-Zone als Vollmitglied, vorübergehend die nationale Währung einzuführen. Dieser Weg soll die betroffenen Länder vor allem davor bewahren, alle Nachteile einer realen Abwertung innerhalb des Euro-Raums zu erleiden.

Dazu zählen u.a. Verfall der Preise und Löhne sowie die Gefahr einer Massenarbeitslosigkeit.

Gleichzeitig erhielten die assoziierten Mitgliedsstaaten finanzielle Unterstützung der EU-Länder und die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt wieder als Vollmitglied in die Gemeinschaftswährung zurück zu kehren.

Als Vorlage kann das bereits bekannte EWS II Modell stehen
Bereits in den 90-er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde EWS II erdacht, um EU-Mitgliedstaaten, die nach wie vor ihre nationale Währung beibahlten hatten, einen Zugang zur Gemeinschaft zur eröffnen. Ein erweitertes Modell EWS II könne nun für den umgekehrten Fall eines EU-Zonen Austritts, den betroffenen Ländern eine vorübergehende Bleibe bieten. Nach wie vor sind Lettland, Litauen und Dänemark in der „Zwischenstation“ beheimatet und alle EU-Beitrittsländer seit 2000 gingen durch EWS II hindurch.

Die bisherigen Voraussetzungen für die Einführung des Euros, eine geringere Abweichung als 5% zum Leitkurs des Euros sowie einen vorhergehenden Zeitraum von min. 2 Jahren am Wechselkurssystem ohne größere Verwerfungen, müssten beibehalten werden.

Nach einem Austritt aus dem Euro wäre mit Sicherheit eine massive Abwertung der neuen nationalen Währung zu rechnen. Ggfs. könnte die enge Bandbreite von 5% des EWS II etwas gelockert werden, um dem „Auspendeln“ des hin- und herschwankenden Kurses mehr Spielraum zu verschaffen. Dem Land bliebe Zeit, die internationale Wettbewerbsfähigkeit nach Abwertung und Reformen der Strukturen, schrittweise auszubauen.

Als funktionierendes Beispiel wird die Ablösung und Wiederanknüpfung innerhalb weniger Tage der D-Mark zum US-Dollar im Jahr 1969 genannt. Die D-Mark wurde vorübergehend vom US-Dollar abgelöst und nach einer Aufwertung von rund 9% der US-Währung wieder angekoppelt.

Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

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