Löst Zyperns Zwangsenteignung kalkulierten Bankenrun aus?

Euro-Diktat-


Die von Brüssel diktierte Zwangsenteignung der zyprischen Anleger und Sparer eröffnet in der Euro-Geschichte ein neues (finales?) Kapitel. Die vermeintliche Rettungsaktion bei gleichzeitiger Zwangsbeteiligung unbeteiligter Bürger könnte der vielleicht sogar geplante Auslöser für einen massiven Bankenrun und dem einhergehenden Transfer eines riesigen Kapitals gen vermeintlich sicherer Euro-Länder sein.

Zwangsenteignung im kleinen Stil könnte Berge versetzen

Zwangsenteignung Zypern
Zwangsenteignung - Nacht- und Nebelaktion in Brüssel

Zyperns Regierung ist offensichtlich gar keine andere Wahl übrig geblieben, als dem „Diktat“ einer Sondersteuer zuzustimmen. In der Nacht zum Samstag legte die in Brüssel zusammen gefundene Euro-Gruppe die Enteignung aller Sparer und Anleger fest, die ein Bankkonto auf einer zyprischen Bank haben. Für Guthaben unter 100.000,- Euro werden 6,75 Prozent abgegriffen und für höhere Beträge 9,9 Prozent.

In einer schriftlichen Mitteilung erklärte Zyperns Präsident Nicos Anastasiades lt. ekathimerini.com (Sonntag), dass seine Regierung von der Euro-Gruppe gezwungen wurde, die „einmalige Steuer“ als Bedingung für das Rettungspaket anzunehmen, oder eben Gefahr laufe, ab dem 19 März in eine unkontrollierte Insolvenz zu stürzen. Zu Verhandlungen oder wenigstens einem Austausch wäre es gar nicht gekommen. In der außerordentlichen Sitzung der Eurogruppe wäre diese Entscheidung bereits getroffen worden und „wir stießen auf vollendete Tatsachen“, so Zyperns Präsident.


In seiner Erklärung fasste Anastasiades die möglichen Szenarien zusammen, die Zypern gedroht hätten, falls dem (erpresserischem?) Beschluss der Euro-Gruppe nicht zugestimmt worden wäre.

Bereits am Dienstag, den 19. März, unmittelbar nach dem verlängerten Wochenende, hätte eine der großen Banken Zyperns die Geschäftstätigkeiten einstellen müssen, da die Europäische Zentralbank (EZB) bereits im Vorfeld den Beschluss faste, jegliche Hilfszahlungen ab dem 19. März einzustellen. Eine weitere Großbank wäre ebenfalls dazu gezwungen worden, die Arbeiten unmittelbar einzustellen und keiner hätte den Kollaps vermeiden können. Ein solcher Vorgang hätte sofort 8.000 Familien von der Arbeitslosigkeit getroffen.

Darüber hinaus wäre der Staat (Zypern) dazu verpflichtet gewesen, die garantierten Einlagen auszugleichen. Zypern hätte auf einen Schlag rund 30 Milliarden Euro kompensieren müssen, die jedoch nicht verfügbar wären.

Zusätzlich wären die anteiligen Einlagen von über 100.000,- Euro mehrerer tausend Anlegern abgewickelt worden. Dies hätte die Anleger zu Verlusten von mehr als 60% der Einlagen geführt. Dabei wären auch die Existenzen von mehreren Tausend kleinen und mittleren Unternehmen auf dem Spiel gestanden.

Letztendlich hätte eine solche unkontrollierte Situation zu einem Zusammenbruch des gesamten zyprischen Bankensystems, mit allen seinen unkalkulierbaren Folgen geführt.


Noch am Sonntag wolle Zyperns Präsident im Fernsehen eine Rede an seine Bevölkerung halten.

In der EU-Geschichte wurde ein neues Kapitel eröffnet

In der Tat sind die Vorgänge in Brüssel und Zypern ein echtes Novum. Der Zusammenschluss mehrer Länder setzt einem anderen Land die Pistole auf die Brust und zwingt es, den eigenen Bürgern das ersparte Geld vom Konto zu entnehmen.

Über Zyperns Bankensystem, deren „Hintergrund-Geschäfte“, mutmaßlichen Schwarzgeld-Beherbergern und -Schleusern, möge man halten was man will, dennoch wird nun stellvertretend das Volk zur Guillotine geführt, um den Kopf für die Banken hinzuhalten, die ihr gesamtes Kapital schlicht verantwortungslos verzockt hatten.

Ein neuer Feldversuch in der Euro-Zone oder der Knopfdruck für das Finale?
Den stärksten Befürwortern dieser aufgezwungen Sparer-Enteignung in Zypern, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Christine Lagarde (Chefin des Internationalen Währungsfonds – IWF) und Jörg Asmussen (Direktoriums-Mitglied der EZB), dürfte unterstellt werden können, dass sie durchaus die möglichen Folgen mit einkalkulierten. Der offensichtlich bereits lang geplanten Nacht- und Nebelaktion konnten die Bewohner Zyperns nicht mehr entkommen, dafür sperrten die Banken ihre Online-Zugänge einfach zu schnell. Allerdings wird dieser bisher beispiellose Vorgang die Sparer anderer Länder, überwiegend Italiens, Spaniens, Portugals, Frankreichs und sogar auch Deutschlands aufschrecken lassen.

Die Folge könnte ein Bankenrun überwiegend in den Südländern der Euro-Mitgliedsstaaten sein, bei denen die Anleger versuchten ihr Hab und Gut in Sicherheit zu bringen. Die Sondersitzung der Euro-Gruppe am Freitag entpuppte sich am Ende als ein abgekartetes Spiel, bei dem Zypern und seine Sparer schlicht überrumpelt worden sind. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gab ungeniert zu, bewusst diesen Zeitraum gewählt zu haben, da ein verlängertes Wochenende bevorstand. Dem ZDF erklärte er, diese Aktion vor dem langen Wochenende angesetzt zu haben, da Bankeinlagen „eine sensible Sache“ wären und aus diesem Grund schnell gehandelt werden müsse. „Daher macht man es am Wochenende“, stellte Schäuble fest.

Eine neue Qualität bringt auch der Beschluss zur Enteignung des zypriotischen Volkes mit sich. Es wurde weder darüber offen diskutiert, noch irgendwelche Schritte unternommen, um diesen gravierenden Einschnitt zu legitimieren. Brüssel hatte sogar auf die bisher beliebten „Ballons“ verzichtet, die meist vorweg losgelassen werden, um die ausgelösten Reaktionen abschätzen zu können.

Wer glaubt an die Worte, dass Zypern ein Ausnahmefall bleiben solle? Der kommende Montag wird es zeigen, ob die ersten Panik-Reaktionen ihre Wirkung zeigen und Millionen Anleger die Banken oder Online-Zugänge stürmen, um das eigene (Privat-) Geld in ein vermeintlich sicheres Land zu bringen. Kaum anzunehmen, dass diese eigentlich völlig logische Konsequenz zur (räuberischen?) Enteignung der Privatanleger zugunsten der zockenden Investment-Banken nicht überdacht worden wäre.

Dennoch ist das letzte Wort nicht ausgesprochen. Das Parlament in Zypern muss noch darüber abstimmen, ob es am Ende tatsächlich zu einer Sparer-Enteignung kommen wird. Die Sitzverteilung an die einzelnen Regierungs- und Oppositionsparteien könnten durchaus eine Ablehnung des Brüssler Diktats erwirken.

Kalkül um Privatvermögen anderer Euro-Südländer zu kanalisieren?
Stellte sich am Ende heraus, dass diese Option im vollständig zerrütteten Eurosystem sogar bewusst provoziert worden ist, um das Privatkapital in der Größenordnung von zig- Milliarden Euro aus den unrettbaren Ländern in gewünschte Kanäle zu leiten?

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies für die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.