Lohnlücke zwischen Frauen & Männer: Viel kleiner als gedacht?

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In der Bundesrepublik ist die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern eines der größten Europas. Nicht jedoch, wenn alle Parameter berücksichtigt werden. IW Köln rechnet vor, dass der Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern eines der kleinsten in der EU sei.

Gesamtwirtschaftliche Lohnlücke statt einfachen Lohnunterschied

Heisse Kartoffel
Ein Gesetz zur Lohnregelung sei unnötig

Frauen erhalten in der Bundesrepublik geringere Löhne bzw. Gehälter als Männer. Rund 21 Prozent beträgt der durchschnittliche Unterschied bei den Entlohnungen der Geschlechter. Die Bundesregierung arbeitet für die Verminderung dieser Lücke um gut ein Fünftel an einem „Lohngerechtigkeitsgesetz“. Nun beschäftigte sich das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) mit dem Thema „Lohnungleichheit“ und kam zum Ergebnis, dass die „gesamtwirtschaftliche Lohnlücke“ wesentlich kleiner sei als bisher angenommen. Ein Eingriff durch den Gesetzgeber sei nicht gerechtfertigt.

Der Lohnunterschied bei Frauen und Männern ist eines der größten Europas. Allerdings gelte dies nur bei einer oberflächlichen Betrachtung, so der IW. Die Differenzen beim Gehalt seien bedingt aus individuellen Entscheidungen. „Die Annahme, bei der Lohnlücke handele es sich um Diskriminierung durch die Unternehmen, ist unsachgemäß“, so IW-Direktor Michael Hüther.

Branche und die Größe des Betriebes seien ausschlaggebend für die Höhe der Löhne. Frauen sind in den Branchen mit hohen Löhnen unterdurchschnittlich präsent und eher in kleineren Betrieben beschäftigt. Rund drei Viertel aller eher niedrige entlohnten Arbeitsstellen u.a. in den Bereichen Unterricht, Erziehung, Gesundheits- und Sozialwesen, sind von Frauen besetzt. Im Verarbeitenden Gewerbe sind es nur drei von zehn, wie das Institut feststellt. Frauen arbeiten öfters in Teilzeit als Männer und übernehmen seltener eine Führungsaufgabe.

Bei Berücksichtigung dieser Parameter wäre die gesamtwirtschaftliche Lohnlücke in der Bundesrepublik bei rund 6,6 Prozent gelegen und damit einer der niedrigsten Werte in der EU. Besser bestellt für die Frauen sei es nur noch in Holland, Belgien und Dänemark. Werde in die Berechnungen noch der Faktor Berufserfahrung berücksichtigt, sinke die gesamtwirtschaftliche Lohnlücke in der Bundesrepublik auf ca. 3,8 Prozent. Gelänge es das unterschiedliche Verhalten in Gehaltsverhandlungen und abweichende Präferenzen zu berücksichtigten, würde die Lohnlücke noch geringer ausfallen. „Der Politik fehlt damit die entscheidende Begründung für das Lohngerechtigkeitsgesetz“, resümiert IW-Direktor Hüther.

Analyse und Ergebnisse wirken hilflos

Man kann einfache Dinge wirklich kompliziert darstellen und dazu verfilzt man sich obendrein in Hypothesen. Man nehme Frauen und Männer in vergleichbaren Positionen und stelle deren Gehälter gegenüber. Fertig. Dann ist der Lohnunterschied leicht erkennbar und muss nicht „krampfhaft“ auf „gesamtwirtschaftliche Lohnlücken“ zurückgreifen.

Die Kunstgriffe, um eines der größten Lohnlücken Europas zu eines der kleinsten in der EU zu verwandeln, sind schon dreist. Es fehlte nicht mehr viel, um noch den „Herdfaktor“ mit einzuberechnen und schon verdienten Frauen im Durchschnitt mehr als ihre männliche Artgenossen.

Eine Angleichung der unterschiedlichen Löhne bei Frauen und Männern fällt tendenziell als eine Lohnanhebung bei Frauen aus, statt eine Lohnabsenkung bei Männern. Vor diesen „unerträglichen Mehrbelastungen“ gilt es schließlich die Arbeitgeber zu schützen.


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