Kürzere Lebensdauer von Elektrogeräten – Verbraucher selbst schuld?

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Die Lebensdauer der Elektrogeräte für Unterhaltung und Haushalt verringert sich ständig. Eine Studie will festgestellt haben, dass den Herstellern keine Schuld trifft. Eingebaute versteckte Mängel seien nicht nachgewiesen worden. Vielmehr müsse sich der Verbraucher selbst an die Nase fassen.

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Immer mehr Geräte wandern immer schneller auf den Müll

Kürzere Lebenszyklen der Geräte aufgrund Verbraucher-Druck

Moderne Elektro- und Elektronikartikel verfügen über eine weitaus bessere Energieeffizienz als bereits in die Jahre gekommene Geräte. Die Neuanschaffung eines Neugerätes im Sinne des Umweltschutzes rentiert allerdings nur, wenn die Nutzung über viele Jahre hinweg gewährleistet ist. Die Zeitabstände zwischen Neukauf und Austausch wegen Defekt werden allerdings immer geringer. Der zeitnahe Austausch stellt den ökologischen Gedanken in Frage.

Im Jahr 2004 lag der Anteil der aufgrund eines Defekts innerhalb von 5 Jahren ausgetauschten Haushalts-Großgeräte bei 3,5 Prozent. Im Jahr 2013 stieg die Anzahl auf anteilig 8,3 Prozent. Hinsichtlich des Umweltschutzgedankens ist das nicht hinnehmbar, so eine vom Umweltbundesamt (UBA) beauftragte Studie des Öko-Institut e.V. und der Universität Bonn. Eine Waschmaschine, die nach 5 Jahren durch ein neues Gerät ersetzt wird, generiert einen um rund 40 Prozent höheren Energieaufwand als ein 20-jähriges Gerät.

Eine im Rahmen der Studie durchgeführte Befragung der Verbraucher ergab, dass ca. ein Drittel der befragten Personen mit der Lebensdauer der Produkte unzufrieden sind. In der Produktkategorie der Informationstechnik und Unterhaltungselektronik sind es lt. der Studie allerdings die Verbraucher häufig selbst, die einen Neukauf auslösen. Neuerungen und Technologiesprünge erzeugten den Wunsch für einen vorzeitigen Austausch des bisherigen Gerätes.

Eine „Sollbruchstelle“ ist in die Geräte nicht verbaut

Die immer kürzeren Zeitabstände bis zum Defekt des erst „kürzlich“ erworbenen Geräts weckten den Verdacht, die Hersteller bauten versteckte „Sollbruchstellen“ ein, um die Lebensdauer künstlich zu reduzieren. Die Studie konnte derartig eingebaute Mängel jedoch nicht nachweisen. Die Hersteller kalkulierten vielmehr mit einer definierten Produktlebensdauer, die sich nach Einsatzbereichen, Produktzyklen und Zielgruppen orientiere.

Verbraucher erwarten Neuentwicklungen in kurzen Abständen

Verbraucherinnen und Verbraucher erwarteten z.B. im Bereich der Fernsehgeräte neue technische Entwicklungen innerhalb eines Jahres. So seien die Hersteller dazu gezwungen, sich bei der Entwicklung nur noch auf die bereits bekannten Schwachstellen zu konzentrieren und darunter litten umfassende Testphasen. Testzeiten über mehrere Monate werden auf wenige Wochen reduziert. Ein kurzer Innovationszyklus könne zu Lasten der Qualität gehen.

Der Verbraucher stehe vor allem selbst in der Verantwortung. Flachbild-TVs, Notebooks und Smartphones werden oft ersetzt, obwohl die Geräte noch funktionierten.

Die Studie schlägt für die Verbraucher vor, die zahlreich vorhandenen Internetplattformen für Verkauf, Tausch und Verleih zu nutzen. Die öffentlichen Einrichtungen könnten für die verwendeten Geräte z.B. eine Mindestnutzungsdauer vorschreiben.

Die Botschaft: Der Verbraucher ist selbst schuld

Der Verbraucher setzt somit die Hersteller durch das ständige Verlangen von neuen Geräten derart unter Druck, dass die Qualität der Produkte darunter leiden muss. Eine verkürzte Lebensdauer der Geräte sei deshalb zwangsläufig und dies müssten sich die Konsumenten selbst anrechnen.

Aus der Studie geht jedoch nicht hervor, dass ggfs. die Eindämmung des durch permanente Werbung bei den Verbrauchern erzeugte Bedarfsgefühl eine Abhilfe vom „zwanghaften“ Kauf neuer Geräte schaffen könnte.

Die Veranstaltung der Internationalen Funkausstellung (IFA) alle zwei oder drei Jahre, statt jährlich, wäre ein wirkungsvoller Schritt für die „gescholtenen“ Hersteller, sich vom Druck der nicht zu sättigenden Verbraucher spürbar zu entlasten.

Das längere Festhalten an Standards würde die Einsatzdauer erst jüngst erworbener Geräte ebenfalls verlängern. Haushalte mit Empfangsgeräten für digitalen terrestrischen Empfang (DVB-T) aus den Anfangszeiten des „Überall-TVs“ würden ohne eine Neuanschaffung nach Einführung neuer Digital-Standards bereits vor schwarzen Flat-TVs sitzen.

Für eine vom ständiges Wachstum abhängige Wirtschaft wäre die Zurückhaltung der Verbraucher pures Gift. Das Ziel der Hersteller kann nur eine Verkürzung der Kaufzyklen sein, um mehr Umsätze und damit auch den zwanghaften Wachstum zu generieren. Der „Verbraucher hat einfach nur zu verbrauchen“, mehr auch nicht. Die Verantwortung für das „ökonomisch unverantwortliche“ Kaufverhalten ausschließlich beim Konsumenten zu sehen, ist einfach nur frech.





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